Österreich-Radrundfahrt: Drei heiße Eisen rittern ab heute um begehrten Heimsieg

Glomser nach 40° Fieber am Samstag doch dabei PLUS: Alle Zahlen und Fakten zur 53. Österreich-Tour

Obwohl die heimischen wie die internationalen Topstars bei der parallel verlaufenden Tour de France im Einsatz sind, stehen die Chancen auf einen Heimsieg bei der heute startenden 53. Auflage der Österreich-Rundfahrt sehr gut. Im in Hochform befindlichen T-Mobile-Profi Bernhard Kohl, dem zweifachen Gesamtsieger Gerrit Glomser, der aber mit einer eben erst überwundenen Erkrankung kämpft, und dem Vorjahres-Gewinner auf dem Kitzbühler Horn, Gerhard Trampusch, hat Österreich drei heiße Eisen im Feuer.

"Noch ist aber überhaupt nichts gewonnen", meinte Staatsmeister Kohl, der nach seinem sensationellen dritten Platz bei der ProTour-Rundfahrt Dauphine Libere erstmals in seiner jungen Karriere in der Favoritenrolle steht. "Gerade wenn man Favorit ist, ist es aber besonders schwer", erklärte der 24-jährige Niederösterreicher, ein Spezialist für lange und schwere Anstiege wie jenem auf das Kitzbüheler Horn (3. Etappe) oder tags darauf über die Großglockner-Hochalpenstraße.

Entscheidung erst zum Schluss?
Die Hervis Tour 2006 dürfte sich aber im Vergleich zum Vorjahr, als der heuer nicht teilnehmende Spanier Juan Miguael Mercado auf einer verkürzten Glockner-Etappe den Grundstein zum Gesamtsieg gelegt hatte, erst auf der sechsten und vorletzten Etappe, einem 31 Kilometer langen Zeitfahren in Podersdorf, entscheiden. Dementsprechend hat Kohl neben Glomser und Trampusch vor allem zwei Konkurrenten auf der Rechnung: Tom Danielson und Janez Brajkovic vom ehemaligen Armstrong-Team Discovery Channel.

"Die beiden sind ausgezeichnete Zeitfahrer. Da werde ich sicherlich etwas an Boden verlieren", meinte Kohl, der im Vorjahr als zweitbester Österreicher hinter Trampusch auf den siebenten Gesamtrang gefahren war. Danielson hatte die Rundfahrt 2005 nach Platz zwei im Bergzeitfahren auf das Kitzbüheler Horn auf Rang fünf beendet - zwei Plätze hinter Trampusch. "Meine Achillesferse ist aber auch das Zeitfahren", meinte der Tiroler vom deutschen Team Wiesenhof-Akud. "Doch wenn die Form stimmt, dann kann ich auch das."

Glomser gestartet
Gerrit Glomser ist Montagmittag in Gars am Kamp trotz der unmittelbaren Folgen einer Krankheit als einer von 155 Teilnehmern in die 58. Auflage der Österreich-Radrundfahrt gestartet. Der Gesamtsieger von 2002 und 2003 war in den vergangenen drei Tagen von bis zu 40 Grad Fieber geplagt worden, am Sonntag waren es noch 38 Grad gewesen.

"Wenn du die drei Tage vor der Tour Fieber gehabt hast, hast du schon ein ziemlich mulmiges Gefühl", meinte der Salzburger. "Aber ich will es zumindest versuchen." Als Kapitän des österreichischen Topteams Volksbank Vorarlberg wäre Glomser ohne seine gesundheitlichen Probleme als Mitfavorit in das siebentägige Etappenrennen gegangen.

Die ersten großen Prüfungen stehen am Mittwoch und Donnerstag auf dem Programm. Dann warten die Bergankunft zum Kitzbühler Horn, auf dem Glomser 2003 im Trikot der italienischen Equipe Saeco mit einem überlegenen Triumph den Grundstein zum Gesamtsieg gelegt hatte, und die Überfahrt des Großglockners.

Doping auch auf Österreich-Rundfahrt ein Thema
Mit Carlos Garcia Quesada hatte die Hervis Tour 2006 bereits vor dem Start einen ihrer Mitfavoriten verloren. Der Spanier war in Gars am Kamp nicht am Start, nachdem ihn sein Team Unibet.com bereits am Wochenende wegen seiner Verwicklung in den spanischen Dopingskandal suspendiert hatte. Auch über Österreichs wichtigstem Radrennen hängt das Damoklesschwert Doping.

"Die aktuellen Entwicklungen sind schlecht für den gesamten Radsport", meinte Tour-Direktorin Ursula Riha. "Denn sie rücken viele Unbetroffene ins falsche Licht." Bei der Rundfahrt werden täglich zumindest der Etappensieger und der Gesamtführende sowie zwei weitere, per Los ermittelte Fahrer zur Dopingkontrolle gebeten. Zudem ist ein unangekündigter Besuch von Kontrolloren der Welt-Anti-Doping -Agentur (WADA) möglich.

Der Sport muss sein schwer angeschlagenes Image neu aufbauen. "Unmittelbar hat der Skandal in Spanien für uns aber nichts geändert", erklärte Riha in der Hoffnung, dass sich die Doping- Schlagzeilen nicht negativ auf das öffentliche Interesse an der parallel zur ersten Woche der Tour de France verlaufenden Österreich- Rundfahrt auswirken.

Quesada war in einem Untersuchungsbericht der spanischen Polizei als einer von insgesamt 50 Fahrern mit verbotenen leistungssteigernden Methoden in Verbindung gebracht worden. "Es ist eine Schande, ihn zu verlieren, denn er ist ein fantastischer Fahrer", meinte Unibet-Teamkollege Baden Cooke. Der Australier ist der renommierteste Sprinter im 155-köpfigen Starterfeld der Hervis Tour.

Österreichs Staatsmeister Bernhard Kohl hat durch die Dopingaffäre ebenfalls einen prominenten Teamkollegen verloren - Jan Ullrich. Vom Topfavoriten mutierte der Deutsche vom Team T-Mobile bei der Tour de France zum Zuschauer. "Wir haben selbst alles nur aus den Medien erfahren", versicherte Kohl.
(APA/red)