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Österreich-Rundfahrt als Chaos-Tour

Streckenführung noch unklar, keine Liveübertragungen und ein fettes Finanz-Minus

Oliver Zaugg bei der Österreich Rundfahrt im Jahr 2012 am Kitzbüheler Horn © Bild: GEPA pictures/Hoermandinger

Kühtai am Ende der 1. Etappe, Kitzbüheler Horn als Gustostückerl für die zweite und den Großglockner als Krönung des vierten Teilstücks - das ist der Horror-Auftakt der 65. Österreich-Radrundfahrt, wie er am Montag in Wien präsentiert wurde. Ein Horror für sich ist aber auch die Finanzierung, der Verband gibt buchstäblich sein letztes Hemd für ein Rennen ohne Liveübertragung im Fernsehen. Zum Drüberstreuen ist die Streckenführung wegen der Probleme am Felbertauernpass noch immer nicht fix.

Nach Ausfall von Sponsoren fehlt den Tour-Veranstaltern, einer Tochter-Firma des Radsportverbandes (ÖRV), für 2013 ein sechsstelliger Betrag. Riha erhielt vom ÖRV, der das Minus trägt, dennoch die Genehmigung zur Durchführung. Wie und ob es nächstes Jahr weitergeht, soll im September entschieden werden. "Die Verbandsreserven sind aufgebraucht", weiß Riha. Wie tief man heuer in die roten Zahlen rutscht, sei noch nicht absehbar. Denn die Kosten der Exekutive für die Absicherung der rund 1.200 km langen Strecke stehen erst im Nachhinein fest.

Die ÖRV-Fahrer sind bei dem Etappenrennen der höchsten Europa-Kategorie seit 2008 sieglos, was oft auch an der starken Besetzung lag. Damals gewann Thomas Rohregger die Gesamtwertung und Rene Haselbacher eine Etappe. Ob Rohregger, der stärkste heimische Kletterer, nach der für ihn unglücklichen Konstellation im Vorjahr (sein Teamkollege Jakob Fuglsang/DEN gewann) einen weiteren Anlauf unternimmt, steht frühestens nächste Woche fest, wenn sein Team RadioShack das Aufgebot für die Tour de France benennt. Der Tiroler hofft natürlich auf sein Debüt in der bedeutendsten Rundfahrt der Welt. Bernhard Eisel hat gute Karten für einen Frankreich-Start im Team Sky.

Sollte dieses Duo fehlen, ruhen die heimischen Hoffnungen auf einen Etappensieg - der erste Gesamtrang dürfte außer Reichweite sein - vor allem auf den Auslands-Profis Stefan Denifl, Matthias Brändle (beide fahren im neuen Schweizer Team IAM), Marco Haller (Katjuscha), Georg Preidler (Argos) und dem die heimische Szene dominierenden Riccardo Zoidl (Gourmetfein Wels). Sprinter Daniel Schorns Rennstall NetApp wird diesmal wohl nicht am Start sein.

Mehr heimische Rennställe
Dafür sind diesmal alle fünf ÖRV-Rennställe der Continental Tour startberechtigt (bisher nur vier). Für sie wurde laut Riha ein "Werbepackage" geschnürt (Präsentationsmöglichkeit für Sponsoren) - es kostet 4.000 Euro. Je nach Ranglisten-Platzierung können die Teams diesen Betrag ganz bzw. teilweise wieder hereinbringen (4.000, 3.000, 2.000, 1.000 Euro).

Das enge finanzielle Korsett hat auch zu einem Verzicht auf TV-Live-Übertragungen geführt. Zuletzt waren bis zu drei Etappen live im ORF gesendet worden. "Das war nicht mehr finanzierbar", erklärte Riha. Und fügte hinzu: "Mit einem neuen großen Sponsor wäre alles anders." Sehr froh sind die Veranstalter, dass Langzeitpartner wie u.a. Tchibo, Wiesbauer und Osttirol die Rundfahrt weiterhin unterstützen.

13 Kilometer bergauf
Die Grafik der einzelnen Etappen weist steile Zacken auf (insgesamt rund 13.000 m Gesamtsteigung), Riha spricht aber dennoch von einer ausgewogenen Strecke. "Ich will es nicht übertreiben", betonte die Tour-Direktorin. "Wir versuchen, ein gutes Mittelmaß zu finden, es ist für alle etwas dabei." So habe man die Distanz der schwierigen Etappen von Innsbruck ins Kühtai (1.705 m) und auf das Kitzbüheler Horn (1.690 m) mit 135 bzw. 157 km relativ gering gehalten. Eine Ersatzstrecke nach Osttirol wird wegen der Sperre des Felbertauern noch gesucht. Auf der vierten Etappe hofft man auf der Fahrt von Matrei nach St. Johann/Alpendorf auf eine schneefreie Glocknerstraße. Andernfalls gäbe es neue Probleme.

Nach dem vierten Tag liegen die hohen Berge hinter den 144 Teilnehmern. Der längste Abschnitt führt mit steilem Schlussanstieg nach Sonntagberg im Mostviertel. Auf der Fahrt nach Poysdorf (6. Etappe) haben endlich auch die Sprinter Gelegenheit, ihre Qualitäten zu zeigen. Das Einzelzeitfahren in Podersdorf wird wie schon in den vergangenen acht Jahren die Entscheidung über den Gesamtsieg bringen, ehe es am achten Tag zum Finale mit der erwarteten Sprintankunft vor dem Burgtheater in Wien kommt.

Alle Etappen

  • 30.6.: 1. Etappe (Start 11.30 Uhr): Innsbruck - Kühtai (135 km)
  • 1.7.: 2. Etappe (11.00): Innsbruck - Kitzbüheler Horn (157 km)
  • 2.7.: 3. Etappe: Streckenführung nach Osttirol wegen Felbertauern-Sperre noch nicht fixiert
  • 3.7.: 4. Etappe (11.00): Matrei/Osttirol - St.Johann/Alpendorf (171)
  • 4.7.: 5. Etappe (11.00): St. Johann/Pongau - Sonntagberg (228 km)
  • 5.7.: 6. Etappe (11.00): Maria Taferl - Poysdorf (182 km)
  • 6.7.: 7. Etappe (13.00): Einzelzeitfahren Podersdorf (24,1 km)
  • 7.7.: 8. Etappe (11.30): Podersdorf - Wien/Burgtheater (123 km)

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