Österreich gibt Posthorn weiter den Ton an:
Unternehmen bleibt im Besitz des Staates

Aufsichtsrat Michaelis will nicht weiter privatisieren Die 300 kleinsten Ämter werden zu Post-Partnern

Österreich gibt Posthorn weiter den Ton an:
Unternehmen bleibt im Besitz des Staates © Bild: APA/Schneider

Die Österreichische Post bleibt mehrheitlich im Besitz des Staates, an eine weitere Privatisierung wird "derzeit" nicht gedacht, stellte Post-Aufsichtsratschef Peter Michaelis bei der ordentlichen Post-Hauptversammlung klar. Zeitgleich hatte die Deutsche Post bekanntgegeben, dass sie kein Interesse an den Österreichern hat. Derzeit hält der Bund gut 52 Prozent des börsenotierten Unternehmens.

Die Diskussion über einen strategischen Partner läuft vor dem Hintergrund der vollständigen Öffnung des Postmarktes Anfang 2011, wobei ein in Begutachtung befindliches Postmarktgesetz die rechtlichen Rahmenbedingungen regeln soll. Das Gesetz sorgt aber nach Postmeinung nicht für einen fairen Wettbewerb, da die Post de facto auf den Kosten für den Universaldienst sitzen bleiben würde. Zwar müssen laut dem in Begutachtung befindlichen Gesetz alle konzessionierten Mitbewerber in den Universaldienst - je nach Marktanteil - einzahlen, aber es sei eben so, dass die Post hier nahezu den kompletten Markt abdecke, so Post-Vorstand Rudolf Jettmar auf der Hauptversammlung.

Ernüchternd zeigte sich Jettmar auch zur Chance auf einen Kollektivvertrag für den Postsektor. Dieser soll verhindern, dass die Mitbewerber Dumpinglöhne zahlen, stößt aber bei der Konkurrenz auf heftigen Widerstand. In Deutschland wurde ein Mindestlohn eingeführt, was wiederum zu einer Insolvenzwelle bei den Mitbewerbern der Deutschen Telekom geführt hatte. Deutlich forderte Jettmar die Einrichtung einer ÖIAG-Arbeitsagentur, in die die 600 beamteten Mitarbeiter des "Karriere- und Entwicklungs-Center" (KEC) verlagert werden könnten. Die Kosten für diese Jobagentur müssten indirekt die Steuerzahler tragen.

Glückliche Post-Aktionäre
Während sich das Postmanagement mit dem Gesetzgeber unzufrieden gab, waren die Aktionäre mit ihrer Post recht glücklich. Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger sieht die Post im Vergleich zur AUA und zu den ÖBB als eine "Insel der Glückseligen". Das Unternehmen habe eine zufriedenstellende Bilanz 2008 gelegt, unerfreulich sei hingegen die Dividendenpolitik. Man solle nicht mehr ausschütten, als man erwirtschafte, betonte Rasinger. Jettmar stellte klar, dass die Dividendenausschüttung jedenfalls nicht die Investitionen schmälere.

Für 2009 hat der Vorstand beschlossen, die Sachkosten mit einem 12-Monats-Einsparungsziel von 30 Mio. Euro festzusetzen. Die Anlageinvestitionen werden um 20 Prozent reduziert. "Wir setzen als ersten Schritt ein Programm der Kostenoptimierung auf", so Jettmar.

Unter diese Summe fällt nicht das "Restrukturierungsprogramm" bei den Postämtern. Filialchef Herbert Götz präzisierte, dass die 300 kleinsten Postämter in Post-Partner umgewandelt werden sollen. Mittlerweile habe man 1.380 Bewerbungen im Haus, gesucht werden 450 Post-Partner.
(apa/red)