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Österreich verliert trotz starker
Leistung gegen Brasilien

Sehenswerter Weitschuss von Firmino entscheidet knappes Spiel zugunsten der Gäste

Österreich gegen Brasilien. © Bild: APA

Die Erfolgsserie der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ist gegen den Rekordweltmeister zu Ende gegangen. Die ÖFB-Auswahl kassierte am Dienstag vor 48.500 Zuschauern im ausverkauften Wiener Happel-Stadion eine 1:2-(0:0)-Niederlage und musste sich damit zum Abschluss des Länderspieljahres erstmals seit neun Partien wieder geschlagen geben.

David Luiz hatte die Südamerikaner in der 64. Minute - allerdings auf irreguläre Art und Weise - in Führung gebracht. Aleksandar Dragovic sorgte in der 75. Minute per Elfmeter für den Ausgleich der Österreicher, ehe Firmino per Weitschuss in der 83. Minute das entscheidende Tor gelang. Die "Selecao" gewann dadurch auch ihr sechstes Spiel unter Neo-Coach Carlos Dunga, kassierte aber erstmals ein Gegentor.

Das 0:1 durch Luiz.
© APA/Robert Jaeger Ilsanker am Boden, der Ball (gleich) im Tor - das 0:1.

ÖFB-Teamchef Marcel Koller hatte bei seiner Startformation im Vergleich zum 1:0 am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Russland nur zwei Änderungen vorgenommen: Rubin Okotie stürmte anstelle des bereits nach Australien abgereisten Marc Janko, Veli Kavlak übernahm die Rolle von Christoph Leitgeb im zentralen Mittelfeld.

Verhaltene Gäste

Die Österreicher begannen konzentriert und ambitioniert. Erster Aufreger war ein Hands-Treffer von Okotie in der 5. Minute, das dem Gold-Torschützen des Russland-Spiels die Gelbe Karte einbrachte. Danach gab es viel Leerlauf - auch deshalb, weil sich die Brasilianer zumeist mit Ballschieberei im Mittelfeld begnügten. Dies bescherte Neymar und Co. nach nicht einmal 20 Minuten erste Pfiffe.

Bei den Angriffsversuchen der Gastgeber hingegen reagierte das Publikum begeistert - so etwa in der 22. Minute, als ein Schuss von Florian Klein in der 22. Minute aus guter Position abgefälscht wurde. Die "Selecao" hatte in der Offensive mit Ausnahme eines von Robert Almer parierten Schusses von Oscar (34.) und eines Freistoßes von David Luiz knapp über die Latte (35.) vorerst nichts zu bieten, Superstar Neymar trat nur äußerst selten in Erscheinung.

Irreguläre Führung

Zu Beginn der zweiten Hälfte erhöhten die Gäste kurzfristig den Druck, ohne aber zu zwingenden Chancen zu kommen. Ausgerechnet, als die Partie wieder einzuschlafen schien, schlug der fünffache Weltmeister zu. Nach einem Corner von Oscar war David Luiz per Kopf zur Stelle, der auf der Linie postierte Zlatko Junuzovic konnte das Gegentor nicht mehr verhindern. Allerdings hatte sich der brasilianische Innenverteidiger davor im Zweikampf gegen Stefan Ilsanker regelwidrig durchgesetzt, indem er den Salzburger am Leiberl zog.

Die Österreicher ließen sich durch das unglückliche Gegentor jedoch nicht aus dem Konzept bringen, kämpften verbissen um den Ausgleich und wurden dafür in der 75. Minute belohnt. Der eingewechselte Andreas Weimann wurde im Strafraum von Oscar gelegt, den dafür verhängten Elfmeter verwandelte Dragovic sicher. Es war das erste Nationalteam-Tor des Innenverteidigers im 35. Länderspiel.

Dragovic macht den Ausgleich.
© APA/Herbert Neubauer Dragovic versenkt den Elfmeter zum 1:1.

Im Finish aber schlugen die Brasilianer noch einmal zu. Der eingewechselte Firmino traf in der 83. Minute aus rund 20 Metern unhaltbar für den für Almer eingewechselten Ramazan Özcan. Damit steht die ÖFB-Bilanz gegen Brasilien nun bei drei Remis und sechs Niederlagen in neun Duellen.

Weiter geht es für die Koller-Truppe am 27. März in Vaduz mit dem EM-Qualifikationsspiel in Vaduz gegen Liechtenstein. Vier Tage später steigt im Happel-Stadion ein Testspiel gegen Bosnien-Herzegowina.

Reaktionen

Marcel Koller (ÖFB-Teamchef) : "Ich bin absolut zufrieden. Das, was wir spielen wollten, haben sie (Anm.: die Spieler) hervorragend umgesetzt. Vielleicht waren die Brasilianer ein bisschen überrascht, dass wir sie attackiert haben. Vielleicht hat der Trainer auch gedacht, die ziehen sich gleich zurück.

Der Schiri hat ein bisschen Probleme gehabt, Kavlak hat den Ellenbogen raufbekommen. Das ist absolut ärgerlich, weil es eine sehr gute Leistung von unserem Team war. So ein Tor zu bekommen... Und Neymar geht gefühlte fünf Minuten raus, ohne dass etwas passiert. Das ist unglaublich. Das ist, als wenn es fast eine Majestätsbeleidigung wäre, ihm eine Gelbe Karte zu geben. Ich habe ihn (Schiedsrichter Collum) gefragt, ob er die Karten nicht dabei hat. Er hat nur gesagt 'Alles Gute'.

Kavlak blutet.
© APA/Robert Jaeger Veli Kavlak machte unsanfte Bekanntschaft mit Fernandinhos Ellbogen.

Es waren zwei Spieler auf der Liste (als Elfmeterschützen), Junuzovic und Dragovic. Das hat sich auch bewährt. Er (Dragovic) hatte im Training die absolute Ruhe. Das Siegestor der Brasilianer war perfekt, da kannst du nichts machen.

Es war ein fantastisches Jahr mit vielen guten Spielen, guten Ergebnissen. Leider hat das Letzte gefehlt, wir hätten gerne einen Punkt mitgenommen. Vom Ergebnis hat es nicht gepasst, aber von der Leistung. Jeder hat noch einmal alles rausgehauen."

Marko Arnautovic (ÖFB-Offensivspieler) : "Ich habe mich beim Elfer gut gefühlt, ich wollte zum Abschluss noch das Tor machen. Aber Drago (Dragovic) war auf der Liste, ich habe ihm den Ball gegeben, und er hat das Tor gemacht. Ich wollte unbedingt das Tor machen, dieses Tor schießen. Ich freue mich aber, dass Drago sein erstes Tor in der Nationalmannschaft gemacht hat."

Aleksandar Dragovic (Österreichs Torschütze zum 1:1) : "Wir haben beschlossen, dass ich ihn (Elfmeter) schießen muss. Marko (Arnautovic) hat sich gut gefühlt, aber im Endeffekt ist es egal. Wir wollten nicht verlieren, aber gegen Brasilien kann man schon einmal verlieren. Es war ein schönes Gefühl, gegen Brasilien mal ein Tor zu schießen. Wir haben gut gekämpft, haben uns vielleicht nach vor ein bisschen mehr erwartet. Aber wir können mit erhobenem Haupt dieses Jahr beenden."

David Luiz (Brasiliens Torschütze zum 0:1) : "Die Österreicher haben physisch stark gespielt, es war sehr schwierig. Wir haben beide ziemlich heftig gekämpft (zur Situation beim Elfmeter gegen Ilsanker). Ich kann mich nicht erinnern, ob ich gefoult habe. Aber es war ein Tor."

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