Familien von

Kinderunfreundliches Österreich

Was ist nur los? Trotz Kinderwunsch zu wenige Geburten und zu viel Unsicherheit.

Trauriges Kind © Bild: Thinkstock

Österreich ist nicht besonders familienfreundlich und die Österreicher bekommen zu wenig Kinder. Mit den Ursachen hierfür hat sich das Generations & Gender Programme auseinandergesetzt, das Familienministerin Sophie Karmasin mit den Autoren vorstellte. Sie setzt sich das Ziel, das Land familienfreundlicher zu machen.

Österreich liegt im Gegensatz zu skandinavischen Ländern bei allen Faktoren der Familienfreundlichkeit im hinteren Feld. Ebenso wie die Deutschen erwartet sich die Bevölkerung hierzulande durch Kinder lediglich eine minimale Verbesserung ihrer persönlichen Lebenszufriedenheit, erklärte Norbert Neuwirth, Wissenschafter am Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) der Universität Wien, bei einem Hintergrundgespräch. Weiters erwarten sich die Österreicher wenig soziale Anerkennung, wenn man ein Kind bekommt und eine deutliche Verschlechterung der beruflichen Chancen für Frauen.

Unerfüllte Kinderwünsche

Die Erhebungen für die Studie wurden an einem Sample von 3.000 Frauen und 2.000 Männern in den Jahren 2009 und 2013 durchgeführt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass nur 43 Prozent der Befragten ihren 2009 geäußerten Kinderwunsch realisierten. Ebenso stellte sich heraus, dass bis Mitte 30 die Hälfte der Frauen ihren Kinderwunsch verwirklicht. Über 35-Jährige tun dies meist nicht mehr. Als Faktoren für unerfüllte Kinderwünsche eruierten die Wissenschafter mehrere Faktoren wie etwa die Uneinigkeit von Paaren, die ungleiche Verteilung der Kinderbetreuungstätigkeiten - 62 Prozent werden von der Mutter erledigt - oder Unsicherheit. Zwei Drittel der Paare waren sich bereits bei der ersten Befragung unsicher bezüglich ihrer Pläne.

"Hinreichend Luft nach oben"

"Die Fertilität in Österreich hätte hinreichend Raum nach oben", erklärte Maria Rita Testa, Wissenschafterin am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital. Die stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe, Isabella Buber-Ennser, verwies auch darauf, dass ein Drittel der kinderlosen Frauen im Alter von 35 bis 39 Jahren 2009 ein Kind wollte. Weniger als ein Viertel von ihnen realisierte diesen Wunsch allerdings. Der Kinderwunsch von Über-35-Jährigen bleibe meist unverwirklicht, so Testa. Mütter bekommen außerdem eher Kinder, wenn sie mit der partnerschaftlichen Aufteilung der Kinderbetreuung zufrieden sind. 2012 war eine Frau bei der Geburt ihres Kindes durchschnittlich 30,2 Jahre alt. Bei der Geburt des ersten Kindes waren es im Schnitt 28,7 Jahre.

Veränderungen notwendig

Österreich biete Familien hohe Geldleistungen, Familienfreundlichkeit habe aber nicht nur mit finanziellen Leistungen zu tun, sondern auch mit dem gesellschaftlichen Klima, schloss Karmasin aus den Daten. "Es steht außer Zweifel, dass Österreich familienfreundlicher werden muss und Anstrengungen unternommen werden müssen", so die Ministerin. Sie verwies etwa auf die Anhebung der Familienbeihilfe und den Ausbau der Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige. Notwendig sei auch die Bewusstseinsbildung, damit der Kinderwunsch nicht zu sehr auf später verschoben wird. Auch während der Studienzeit "über Kinder nachzudenken, ist nicht schädlich", meinte Karmasin. Wünschenswert wären beispielsweise auch familienfreundliche Arbeitszeiten und eine höhere Männerbeteiligung an der unbezahlten Arbeit und der Kinderbetreuung. Hier verwies sie auf die geplante Arbeitsgruppe, die etwa einen Bonus für engagierte Väter diskutieren soll.

Kooperationen mit Unternehmen

Die Ministerin räumte ein, dass auch ihr Ressort zum Sparen angehalten ist. Sie strebt daher verstärkt Kooperationen mit Unternehmen an. Firmen profitieren von familienbewusster Personalpolitik, erklärte auch Wolfgang Mazal (ÖIF): "Wenn Betriebe das liegen lassen, handeln sie kaufmännisch fahrlässig." Die guten Werte bei der Familienfreundlichkeit in Skandinavien erklärt er mit der jahrzehntelangen Entwicklung in diesen Ländern. Diese Kultur lasse sich nicht von heute auf morgen hierzulande umsetzen.

Kommentare

nita6
nita6 melden

Ich habe voriges Jahr einen Nachzügler bekommen und jetzt dazu während der Karenzzeit (obwohl ich einen geschützten Arbeitsplatz habe) die Kündigung. Werde durch die jüngere billigere Karenzvertretung ersetzt. Dies ist der Dank für über 12 Jahre Arbeitseinsatz. Soviel zum Thema über 30 Jährige. Die Mütter sollten bis zum Ende der 4. Klasse für die kinder dasein können.Zwecks Drogenkonsum etc.

wintersun melden

Könnten Sie dagegen nicht gerichtlich vorgehen? Als Dank für 12 Jahre in der Karenz die Kündigung würde ich mir sicher nicht gefallen lassen wenn ich im Recht wäre. Der Arbeitgeber wird aber eh sehen was er davon hat, in höchstens ein paar Jahren ist dann "die Junge" auch schwanger hehe ;)

Verstehe ich Sie richtig, Sie glauben doch nicht ernsthaft dass unsere Kinder im Volksschulalter zu Drogen greifen?

nita6
nita6 melden

Natürlich habe ich einen Rechtsanwalt mit dieser Angelegenheit beauftragt. Das Kinder im Volksschulalter zu Drogen greifen meinte ich nicht, sondern das die Kindern viel mehr die Eltern brauchen, damit im Teenageralter nicht der Drogenkonsum steigt, wegen seelischer Verkümmerung!

Katharina Weislein

zuerst wollen sie, dass wir bis zu 12 stunden am tag arbeiten und dann wundern sie sich, wenn keiner zeit für ein kind hat. ich finde 10-stunden-schichten schon hart. wenn mein mann keinen ganz normalen 9-to-5-job hätte und einen sehr verständnisvollen chef, ginge das eh nicht.

Wir brauchen nicht noch mehr Kinderbetreuung....Wieso sollen wir alle Kinder bekommen und dann schieben wir Sie erst recht mit dem 1. Lebensjahr in eine Krabbelstube....Die Kinder brauchen ihre Eltern und das ist fast nicht mehr leistbar..jeder der sich eine Haus oder eine Wohnung leistest muss arbeiten gehen,..Ich bin jetzt 30 Jahre alt und hatte noch das Glück nicht in den Kindergarten gehen zu müssen oder vl. eine Ganztagsschule zu besuchen...Ich konnte noch meine Kindheit genießen..Viele Kinder verkraften diesen alltäglichen Stress gar nicht und müssen teilweise mit 6 Jahren zur Psychotherapie..wundern darf das niemanden mehr....Schade für das Land Österreich! Hier wird in die falsche Richtung investiert....

Forest w.

Nur mit Liebe wird das Kind auch nicht Satt,und wir haben einfach zu hohe Steuern auf den Lohn ,Leben und Leben lassen,aber einfach 50% ++ Steuern verlangen auf einen Arbeiter so gehts auch nicht!

Seite 1 von 1