"Österreich keine juristische Insel": Flick fordert nach GAK-Chaos europaweite Reform

Dimensionen wie im "Fall Bosman" nicht unmöglich

Dem österreichischen Fußball droht etwas mehr als ein Jahr vor der Europameisterschaft im eigenen Land ein Rechtsstreit, der europaweite Folgen haben könnte. Deshalb hat der Grazer Sportrechtsanwalt Christian Flick nach der Einstweiligen Verfügung, die dem GAK zunächst zur Rückerstattung der abgezogenen 28 Punkte in der laufenden Meisterschaft verholfen hat, für eine "dringende Reform" plädiert. Flick regt eine über Österreich hinaus gehende Lösung an, die vermehrte Rechtsstabilität bringen soll.

Der Advokat hatte zuletzt rund um die Causa GAK mehrmals auch über diesen Einzelfall hinaus gehende, juristische Szenarien aufgezeigt, die nun auf den österreichischen Fußball hereinbrechen könnten. Es sei daher eine Entwicklung, die ihn nicht überrasche und der er im Ergebnis juristisch zustimme, teilte Flick aus seinem Grazer Sportrechtsanwalts-Büro mit. Der Bundesliga empfehle er zwecks Schadenbegrenzung nun ein gutes Krisenmanagement.

Die Konsequenz aus dem "Fall GAK" könne nun aber nur eine ganz große Reform sein, um nachhaltige Rechtsstabilität in der Zukunft zu erzeugen, so Flick. Für den Anwalt geht der Fall weit über Österreich hinaus. Er rate daher dringend, europarechtliche Fragen miteinfließen zu lassen, zumal Österreich Vollmitglied der EU sei.

Flick ortet diesbezüglich - wie auch beim Thema Doping - eine gewisse Realitätsverweigerung. "Wir dürfen uns nicht auf eine juristische Insel zurückziehen. Wer sich von Europa abkapselt, muss mit Konsequenzen rechnen." Er werde deshalb auch alle sportpolitischen Hebel in Bewegung setzen, um zu einer europaweiten Lösung beizutragen.

Denn, so Flick: "Nur eine über die Grenzen Österreichs reichende Lösung bringt vermehrte Rechtsstabilität, die für alle am Fußball Interessierten von Bedeutung ist. Dabei wird es auch notwendig sein, UEFA- und FIFA-rechtliche Gesichtspunkte auf deren Rechtsbeständigkeit einer eingehenden Prüfung zu unterziehen." Flick hat deshalb bereits ein Team gebildet, das sich diesen Aufgaben stellen wird.

Zu überprüfen sei auch, ob das Lizenzierungs-Verfahren insgesamt überhaupt noch zeitgemäß sei. Flick ist nicht überzeugt, ob die "Allmacht der UEFA und der FIFA" überhaupt noch haltbar ist.

Für Flick ist zwar auf der einen Seite der Fall GAK und die österreichische Liga, "aber insgesamt ist das kein rein österreichischer Fall. Wir liegen damit auch im Fokus von Europa." Speziell im Blickfeld der Großveranstaltungen, die Österreich in den kommenden Jahren austrage bzw. sich darum bewerbe, sei Aufmerksamkeit geboten. "Wir sind ein tolles Sportland, nehmen gewisse Dinge aber zu sehr auf die leichte Schulter", so Flick. "Wir müssen EU-rechtlich denken, sonst fliegt irgendwann alles durcheinander."

Zwölf Jahre nach dem richtungweisenden EU-Urteil bezüglich des belgischen Fußballers Jean-Marc Bosman kommen wegen der Europa-Dimension des Falles in Graz nun natürlich Vergleiche auf. Dazu Flick: "Ohne sofort mit dem Fall Bosman um die Ecke kommen zu wollen. Aber auch damals war das ein simpler Arbeitsrechtsfall zwischen Frankreich und Belgien und dann hat das ganze die Welt des Sports zum Einsturz gebracht. Das kann jetzt auch hier passieren." Für Flick steht fest: "Wir müssen den Sport insgesamt besser aufstellen."

(apa/red)