Österreich-Gruppe für Sicherheit brisant: Minister Platter bleibt trotzdem optimistisch

Experten: "Hätte kaum schlimmer kommen können" Deutschland gegen Polen bei WM 2006 ein Risikospiel

Österreich-Gruppe für Sicherheit brisant: Minister Platter bleibt trotzdem optimistisch

Sportlich mag die Gruppe C mit den Niederlanden, Frankreich, Italien und Rumänien die "Horrorgruppe" sein. Vom Sicherheitsstandpunkt ist wohl die Gruppe B mit Österreich, Deutschland, Kroatien und Polen die Interessanteste. Innenminister Günther Platter blickte in einer ersten Einschätzung gegenüber der APA dennoch optimistisch auf die Spiele im Juni.

"Wir sind sicher nicht benachteiligt", meinte Platter zur APA, auf die Sicherheitseinschätzung in der Österreich-Gruppe angesprochen. Man müsse aber Spiele bei der EM von regionalen Matches unterscheiden. "Prinzipiell freue ich mich über die ausgelosten Mannschaften. Unser Ziel ist es, friedliche, freundschaftliche und unvergessliche Spiele zu bieten." Die Sicherheitsplanung werde jedenfalls nun angepasst an die Auslosung.

Gute Sicherheitsvorbereitungen
Man sei in der glücklichen Lage, sowohl in der Schweiz als auch in Österreich bereits detailliert auf die EURO vorbereitet zu sein. Am Rande der Auslosung habe es außerdem Gespräche mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und dem Schweizer Bundesrat Samuel Schmid gegeben. Nun gehe es um eine genaue Risikoanalyse und die konkrete Einsatzplanung. "Unsere Botschaft lautet: Freut euch auf die EURO, wir kümmern uns um die Sicherheit", sagte Platter.

Skeptisch fiel die Einschätzung von Experten in Sachen Fußballfans in Europa aus: "Es hätte vom Sicherheitsaspekt her kaum schlimmer kommen können für uns", meinte einer zur APA. Nicht nur die Zusammensetzung der Gruppen, auch die am selben Tag stattfindenden Spiele stellen die Exekutive wohl vor echte Herausforderungen. Deutschland spielt etwa am selben Tag gegen Polen in Klagenfurt wie Österreich gegen Kroatien in der Bundeshauptstadt. Ob daher zum Beispiel Spezialkräfte aus Wien in die Kärntner Landeshauptstadt abgezogen werden können, bleibt abzuwarten.

Schlechte Erfahrungen mit kroatischen Fans
An kroatische Fans gibt es aus der jüngsten Vergangenheit in Klagenfurt unangenehme Erinnerungen, und Deutschland gegen Polen war im Vorjahr bei der WM in Dortmund nicht zu Unrecht ein Risikospiel. Erst im November kam es zu Ausschreitungen kroatischer Fußballfans am Klagenfurter Flughafen: Rund 170 mussten vor dem Qualifikationsmatch gegen England in London wegen Verspätung längere Zeit am Airport warten. Einige von ihnen nutzten die Zeit dazu, um reichlich Alkohol zu konsumieren. Rund 30 Personen begannen schließlich zu randalieren, der Pilot verweigerte einigen von ihnen deshalb den Zutritt zur Maschine.

Heftige Randale gab es auch im Sommer in Kapfenberg, allerdings auf Klubebene: Als Rapid Wien gegen Dinamo Zagreb ein Freundschaftsspiel in der obersteirischen Gemeinde austrug, gingen Dinamo-Anhänger kurz vor Ende der Partie auf die Einsatzkräfte los. Später beteiligten sich auch Rapid-Anhänger an den Auseinandersetzungen. Rund 30 Polizisten und einige Fans wurden verletzt und neun Randalierer festgenommen. Drei sind mittlerweile verurteilt.

Risikospiel Deutschland - Polen
429 Festnahmen gewaltbereiter Fußball-Fans lautete die Bilanz beim WM-Spiel im Juni 2006 in Dortmund: Zu Auseinandersetzungen war es gekommen, als die deutsche Polizei im Bereich des Alten Marktes in Dortmund eine Gruppierung von einschlägig bekannten 148 deutschen Hooligans mit einem starken Aufgebot einkesselte. Als diese abtransportiert werden sollten, griffen umstehende deutsche Fans, die offensichtlich nicht mit den polizeilichen Maßnahmen einverstanden waren, die Beamten massiv mit Steinen, Leuchtraketen, Tischen und Stühlen an. Darüber hinaus kam es in Nebenstraßen zu Reibereien zwischen deutschen und polnischen Fans.

Ein Spiel mit besonderer Brisanz ist auch die Begegnung Schweiz gegen die Türkei, die am 11. Juni in Basel stattfinden wird: Die Schweiz hatte das WM-Playoff-Rückspiel am 16. November 2005 in Istanbul mit 2:4 verloren, buchte nach dem 2:0-Hinspiel-Erfolg aber dank der Auswärtstorregel das Ticket für die Weltmeisterschaft in Deutschland. Nach dem Abpfiff hatte es gewalttätige Szenen zwischen Spielern und Betreuern beider Mannschaften gegeben.

(apa/red)

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