Österreich liegt bei Firmenpleiten vorne: Privatinsolvenzen um elf Prozent gestiegen

Belegt nach Luxemburg europaweit den zweiten Platz Durchschnittlich 83 von 10.000 Betrieben insolvent

Österreich liegt bei Firmenpleiten vorne: Privatinsolvenzen um elf Prozent gestiegen © Bild: APA/DPA/May

In ganz Europa schlägt sich die Wirtschaftskrise in steigenden Insolvenzzahlen nieder, auch Österreich ist stark betroffen: Mit 224 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen liegt Österreich europaweit auf Platz 2, nur Luxemburg steht mit 233 Insolvenzen pro 10.000 Firmen noch schlechter da, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag mit. Die Zahl der Unternehmenspleiten in den EU-15 Staaten, Norwegen und der Schweiz stieg 2008 um knapp 11 Prozent auf rund 150.000 Fälle. Der Ausblick ist besonders für den CEE-Raum nicht gut: Die höchsten Insolvenzrisiken für 2009 sehen die von der Creditreform befragten Unternehmen in Osteuropa, speziell im Baltikum.

Der seit 2005 anhaltende Trend sinkender Unternehmensinsolvenzzahlen hat sich in Europa 2008 umgekehrt. Lediglich in drei der 17 von der Creditreform untersuchten Länder sind die Insolvenzzahlen im Jahresverlauf rückläufig: Die durchschnittliche Insolvenzquote Westeuropas liegt bei 83 insolventen Betrieben pro 10.000 Unternehmen.

Niederlande, Luxemburg, Schweiz gut unterwegs
Verzerrt wird das Bild allerdings laut Creditreform durch Länder wie Spanien, Griechenland und Italien, deren Insolvenzstatistik nicht mit denen der anderen Länder vergleichbar ist. Die Niederlande, Luxemburg und die Schweiz verzeichneten 2008 noch einmal weniger Unternehmenspleiten als im Jahr zuvor. Den höchsten Anstieg weist mit einem Plus von 138,6 Prozent auf 2.100 Fälle Spanien auf.

Es folgen Irland mit einer Zunahme von 120,8 Prozent auf 700 Insolvenzen und Dänemark, wo die Firmenpleiten um 54,5 Prozent auf 3.710 stiegen. "In der Mehrzahl der westeuropäischen Länder ist die Insolvenzwelle allerdings noch nicht mit voller Wucht angekommen", so die Creditreform.

21.6000 Konkurse in Osteuropa
Auch in den mittel- und osteuropäischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Lauf des Jahres 2008 zu. Für 2009 rechnen die von der Creditreform befragten Unternehmen mit einem starken Anstieg von Insolvenzen in Osteuropa. Im Jahr 2008 gab es knapp 21.600 Konkurse in Osteuropa, das entspricht einem Anstieg von 11,6 Prozent.

Einen überdurchschnittlichen Anstieg der Insolvenzmeldungen verzeichneten Slowenien (plus 17,3 Prozent auf 657 Fälle) und Ungarn (plus 16,4 Prozent auf 11.322 Fälle). Auf 10.000 Unternehmen kommen in den baltischen Staaten Litauen (115), Estland (108) und Lettland (99) die meisten Firmenzusammenbrüche.

Zahl betroffene Arbeitnehmer steigt
Die Zahl der Privatinsolvenzen war im Jahr 2008 europaweit leicht rückläufig. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend verzeichnete Österreich eine Zunahme der Privatinsolvenzen um 11 Prozent auf 9.500 Fälle. Insgesamt meldeten in Westeuropa 291.380 (2007: 302.392) natürliche Personen ihren wirtschaftlichen Zusammenbruch den zuständigen Stellen.

Die Zahl der durch die Insolvenz des Arbeitgebers bedingten Arbeitsplatzverluste stieg laut Creditreform im Jahresverlauf 2008 parallel zur Zunahme der Unternehmensinsolvenzen und liegt europaweit bei 1,4 Millionen. 2007 waren 1,2 Millionen Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. (apa/red)