Österreich verfehlt EU-Vorgabe: Wifo für deutlichen Ausbau der Kinderbetreuung

Mehr Kindergartenplätze auch für unter Dreijährige Karenzzeit verkürzen für höhere Beschäftigungsquote

Österreich verfehlt EU-Vorgabe: Wifo für deutlichen Ausbau der Kinderbetreuung © Bild: APA/Fohringer

Trotz des verpflichtenden letzten Kindergartenjahres ist Österreich drauf und dran, die EU-Vorgaben bei der Kinderbetreuung zu verfehlen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut empfiehlt nun einen deutlichen Ausbau der Kindergärten - auch für unter dreijährige Kinder. Außerdem schlägt eine Studie Maßnahmen zur Verkürzung der Babypause von Frauen und zur Förderung der Frauenbeschäftigung vor.

Die von der Regierung geplanten Einsparungen im Familienbereich von 235 Mio. Euro hält Studien-Coautorin Margit Schratzenstaller für "problematisch". Sie sieht derzeit "relativ wenig Kürzungspotenzial" in der Familienpolitik. Grund: Im EU-Vergleich investiert Österreich zwar viel Geld in die Familienförderung, die familienpolitischen Ziele (also eine hohe Frauenbeschäftigung, Armutsvermeidung und hohe Geburtenraten) würden trotz des großen Mitteleinsatzes aber nur "unzureichend erreicht".

Konkret heißt das: In Österreich stehen mit 68,6 Prozent zwar vergleichsweise viele Frauen im Beruf, allerdings können 41,1 Prozent nur Teilzeit arbeiten. In einem Viertel der Familien ist der Mann überhaupt Alleinverdiener. Familienförderungen würden Armut häufig erst im Nachhinein bekämpfen, anstatt die Entstehung von Armut gleich im Ansatz zu verhindern.

Die Wifo-Expertinnen schlagen daher vor, Geld innerhalb der Familienförderung umzuschichten - weg von der finanziellen Unterstützung von Familien hin zu mehr Kindergartenplätzen. Derzeit sind in Österreich nämlich nur 14 Prozent der unter Dreijährigen in Kinderkrippen. Laut dem vor zehn Jahren vereinbarten "Barcelona-Ziel" der EU sollten es heuer 33 Prozent sein.

(apa/red)