Österreich feiert Doppelsieg in Whistler:
Gruber gewinnt den Super-G vor Reichelt

Nur drei Hundertstel trennen ÖSV-Teamkollegen Plus: Hermann Maier und Bode Miller schieden aus

Christoph Gruber hat in Whistler Mountain/Kanada und damit erstmals außerhalb von Garmisch einen Weltcup-Super-G gewonnen. Der Tiroler siegte vor seinem Zimmer- und Fischer-Markenkollegen Hannes Reichelt, der sich nach einem Fehler im Zielhang um nur 3/100 geschlagen geben musste und so beim Olympia-Test den ÖSV-Doppelsieg perfekt machte. Hermann Maier schied ebenso aus wie Bode Miller, wodurch Benjamin Raich in der Weltcup-Gesamtwertung 24 Punkte gut machte.

Die Olympia-Generalprobe auf der Dave-Murray-Piste wurde zu einer spektakulären Angelegenheit. Entgegen aller Prognosen ging sie bei Prachtwetter und vor bemerkenswert vielen Zuschauern in Szene und lieferte damit eine perfekte Showbühne für ein aufregendes Rennen. Der von Andi Evers schnell gesetzte Kurs verlangte wegen seiner vielen Wellen, Kompressionen und "blind" zu fahrenden Übergänge den Fahrern alles ab, fast keiner kam fehlerfrei ins Ziel. Der Italiener Peter Fill stürzte sogar spektakulär.

Gruber am fehlerfreisten
Am wenigsten Fehler machte Gruber, der damit nach über zwei Jahren zu seinem fünften Weltcupsieg kam. Seinen vierten Sieg im Super-G feierte er erstmals nicht in Garmisch, aber wie dort nun auch im kanadischen Küstengebirge auf frühlingshaftem Schnee. "Das kommt mir einfach entgegen, wenn der Schnee nicht so schnittig ist, weil ich nicht so ein Gefühlsfahrer bin" gestand der 31-jährige Tiroler, der auch von Freundin Julia als Glücksbringer angefeuert worden war.

Eigentlich hätte das Duell der seit drei Jahren im Weltcup zusammen wohnenden Zimmerkollegen wie in dieser Saison schon in Beaver Creek und Adelboden einmal mehr an Reichelt gehen müssen. Aber der Nordamerika-Spezialist aus Salzburg, die er noch nie außerhalb der USA gewonnen hat, verpasste im spektakulären und rennentscheidenden Zielhang mit zwei anzuspringenden Rechtskurven die Ideallinie deutlich. "Ein totaler Blödsinn von mir. Ich hatte beim Besichtigen zu wenig Zeit und habe mich im Rennen von den Spuren verleiten lassen", seufzte Reichelt.

Der Radstädter Reichelt hat seine beiden Siege in Beaver Creek gefeiert. "Und wie dort habe ich am Start mitbekommen, dass der Ritchie führt und gewusst, dass unsere (Fischer-) Ski ausgezeichnet gehen", erzählte Gruber später schmunzelnd. "Es freut mich jedenfalls total, dass ich auch außerhalb von Garmisch einen Super-G gewinnen kann." Die Olympia-Generalprobe gewonnen zu haben sei zwar schön. "Wichtiger ist aber, dass ich überhaupt wieder gewonnen habe." Im Zimmerduell sei jetzt wohl ein Bier fällig, so Gruber.

Maier und Miller out
Daneben ging der Test für die Spiele 2010 hingegen für Maier und Miller. Der Salzburger rutschte nach 55 Sekunden auf dem Skischuh aus, das ist dem Ski-Superstar noch selten passiert. "Ich war oben zu vorsichtig, deshalb wollte ich dann etwas probieren und das ist schief gegangen", erzählte der Salzburger, der nach seinem zweiten Platz von Kitzbühel zu den Mitfavoriten gezählt hatte. Auf Olympia angesprochen meinte er: "In Nagano bin ich auch ohne Generalprobe hingekommen und habe gleich gewonnen. Eine verpatzte Generalprobe ...", ließ Maier den Satz unvollendet.

Drittbester ÖSV-Fahrer war Mario Scheiber als Neunter. "Ich hab den Speed total unterschätzt. Ein sehr schwieriger Super-G", sagte der Tiroler. Benjamin Raich wurde nur Elfter, profitierte aber davon, dass Didier Cuche über Platz sieben nicht hinauskam und Miller seine dritte Nullnummer in Folge ablieferte. "Ich hatte auf mehr gehofft. Aber wie man sieht, hatten auf dieser schwierigen Piste auch die anderen Probleme", war der Tiroler nicht unzufrieden."

Endstand
1. Christoph Gruber AUT 1:26,60 Min.
2. Hannes Reichelt AUT +0,03
3. Ales Gorza SLO +0,11
4. Erik Guay CAN +0,29
4. Patrick Staudacher ITA +0,29
6. Didier Defago SUI +0,40
7. Didier Cuche SUI +0,41
8. Ivica Kostelic CRO +0,42
9. Mario Scheiber AUT +0,57
10. Marco Büchel LIE +0,69
11. Benjamin Raich AUT +0,70
12. Georg Streitberger AUT +0,71
13. Francois Bourque CAN +0,79
14. Robbie Dixon CAN +0,87
15. John Kucera CAN +0,93
16. Ambrosi Hoffmann SUI +1,16
17. Manfred Mölgg ITA +1,26
18. Daniel Albrecht SUI +1,29
19. Stephan Görgl AUT +1,39
20. David Poisson FRA +1,43
21. Manuel Osborne-Paradis CAN +1,52
22. Andrej Jerman SLO +1,53
23. Matthias Lanzinger AUT +1,54
24. Tobias Grünenfelder SUI +1,55
25. Carlo Janka SUI +1,60
25. Steven Nyman USA +1,60
27. Beni Hofer SUI +1,68
28. Andrej Sporn SLO +1,71
28. Christof Innerhofer ITA +1,71
28. Michael Walchhofer AUT +1,71


(apa/red)