Österreich will der Automobilkrise trotzen:
Verschrottungsprämie als Zauberformel

1.500 Euro Prämie für Fahrzeuge über 13 Jahren Starker Einbruch beim Markt der Nutzfahrzeuge

Österreich will der Automobilkrise trotzen:
Verschrottungsprämie als Zauberformel © Bild: APA/DPA/Wolfgang Weihs

Mit Schrott soll jetzt die Wirtschaft angekurbelt werden - oder genauer mit einer Verschrottungsprämie. In den letzten Tagen wurde noch fieberhaft zwischen Wirtschaftsministerium und Handel über die genauen Bedingungen gestritten. Nun sind die Details der Vereinbarung öffentlich. Gleichzeitig zeigen sich immer deutlicher die genauen Konturen der Krise in der Autobranche.

Die Details der Verschrottungsprämie zur Ankurbelung des Neuwagenkaufs in Österreich sind fix. Prämienbegünstigt sind Autos, die mindestens 13 Jahre alt sind und aus dem Verkehr gezogen werden. Für sie soll es ein Anrecht auf eine Prämie von 1.500 Euro beim Kauf eines Neuwagens geben, davon die Hälfte vom Bund, die andere Hälfte vom Handel.

45 Millionen Kosten
Die Aktion startet mit 1. April 2009 für die Erstzulassung des Neuwagens. Ende der Frist ist der 31. Dezember 2009. Kosten soll die Aktion in Summe 45 Mio. Euro. Ziel ist es, 30.000 Fahrzeuge der Schadstoff-Klasse Euro 0 und 1 durch umweltfreundlichere Neuwagen mit mindestens Euro-4-Standard zu ersetzen.

Parallel zu den Vereinbarungen werden die genauen Ausmaße der Krise in der Autobranche bekannt. Doch nicht nur im Bereich des privaten Konsums, sondern vor allem bei den Unternehmen wird gespart. Der Nutzfahrzeug-Markt in Europa ist im vergangenen Jahr um neun Prozent eingebrochen. 2008 seien nur noch 2,52 Millionen neue Vans, Transporter, Lkw und Busse verkauft worden, teilte der Herstellerverband ACEA in Brüssel mit. Der Rückgang sei der stärkste seit 1993 gewesen. Der Abwärtstrend hat sich zum Jahresende beschleunigt.

24 Prozent weniger Nutzfahrzeuge
Allein im Dezember wurden im Jahresvergleich 24 Prozent weniger Nutzfahrzeuge in den EU- und EFTA-Staaten verkauft, obwohl die Händler zwei Tage länger öffnen konnten als ein Jahr zuvor. Am stärksten von der Absatzkrise betroffen waren Vans und Kleintransporter bis zu 3,5 Tonnen, deren Verkaufszahlen 2008 um 10,4 Prozent zurückgingen. Sie stellen mit 2,04 Millionen Stück in absoluten Zahlen weiter die Mehrheit unter den Lkw. Während ihr Absatz in Osteuropa um 5,1 Prozent stieg, wurden im Westen zwölf Prozent weniger verkauft. Deutschland trotzte mit einem Plus von 0,8 Prozent dem Negativtrend.

Europas größter Autobauer Volkswagen droht zu Jahresbeginn angesichts der Autokrise in die roten Zahlen zu rutschen. "In der jetzigen Situation können wir für das erste Quartal auch einen Verlust nicht ausschließen", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch der "Börsen-Zeitung". VW rechnet für das laufende Jahr konzernweit mit einem Absatzeinbruch um rund zehn Prozent und drosselt die Produktion.
(apa/red)