Österreich geht über 15 km leer aus: Eder verpasst die Bronzemedaille nur hauchdünn

Schlechtwetter-Chaos: Viertem fehlen 6 Sekunden Top-Stars chancenlos: WM-Titel an Norweger Berger

Österreich geht über 15 km leer aus: Eder verpasst die Bronzemedaille nur hauchdünn

So wetterfest die Langläufer auch sind, vor den Kapriolen in Sapporo mussten im 15-km-Skating-Rennen der Nordischen WM fast alle Favoriten kapitulieren. Starker Schneefall, der nach der ersten Hälfte einsetzte und vor dem Ende wieder nachließ, hat die Ergebnislisten durcheinander gewirbelt.

Christian Hoffmann war in dem Startnummernrennen so wie viele Medaillenanwärter chancenlos (Rang 19/1:50,1 zurück), Johannes Eder profitierte hingegen von Nummer zwei, schien sensationell Edelmetall zu holen, wurde aber vom Deutschen Tobias Angerer, der als letzter Läufer im Finish wieder bessere Bedingungen vorfand, noch um 5,9 Sekunden auf Rang vier verdrängt.

Der Norweger Lars Berger (Nummer 55), vor zwei Jahren mit der Staffel erfolgreich, sicherte sich als erster Biathlet einen Langlauf-Einzeltitel - vor dem mit Nummer drei laufenden Weißrussen Leanid Karnejenka (+35,8) und Angerer (Nummer 121/+52,4).

Johannes Eder wusste nicht, wie ihm geschah. Im zweiten Rennen und wenige Tage nach Ablauf seiner einjährigen Sperre, fand er sich plötzlich in der Zwischenreihung auf dem Bronzerang. "Ich hab' schon Rennen gehabt, in denen ich besser gelaufen und 37. geworden bin", war der Salzburger ehrlich. Als aus der Roten Gruppe der Besten Läufer um Läufer an seiner Zeit scheiterte, begann er an die Sensation zu glauben, doch Angerer holte ihn zurück.

"Leider hat der Schneefall zehn Minuten zu früh aufgehört. Und die paar Sekunden hätte ich schon noch gefunden, wenn ich das vorher gewusst hätte", meinte Eder, blieb aber Realist. "Ich bin zwar besser gelaufen als früher, aber so gut bin ich auch nicht."

Jahrhundert-Chance verpasst
Ausgestochen wurde der 27-jährige Student just vom früheren Schützling des neuen ÖSV-Trainers Bernd Raupach. Immerhin gab Eder nach der Sperre ein deutliches Lebenszeichen. "Ich hab das Glück etwas gezwungen, andere hätten in meiner Situation schon aufgegeben", sagte er. ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler, der zwischenzeitlich selbst schon Bronze prophezeit hatte, meinte, dies wäre Eders Jahrhundert-Chance gewesen. "Es war ein Startnummernrennen, aber man muss erst einmal Vierter werden, denn 60 andere haben auch noch gute Bedingungen gehabt."

Während Jürgen Pinter (Nummer 64) nach rund vier Kilometern vom Schneefall eingeholt und gebremst wurde (Rang 29), musste Hoffmann über die gesamte Distanz mit den widrigen Verhältnissen kämpfen. Der 30-km-Olympiasieger von 2002 war nach der dritten verpatzten WM in Serie frustriert. "Im Prinzip hätte man gar nicht starten brauchen", erklärte der 32-Jährige. "Es kam feuchter Neuschnee, das ist so wie wenn man anstatt auf einer Autobahn auf einem Feldweg fährt", beschrieb Hoffmann die während des Rennens wechselnden Verhältnisse. Man habe in den Abfahrten nicht in die Hocke gehen können, sondern anschieben müssen, sagte Pinter.

Angerer als moralischer Sieger
Biathlet Berger hätte auch bei "normalen" Bedingungen Edelmetall holen können und gab zu, dass er durch das Wetter einen großen Vorteil hatte. "Auf der ersten Hälfte war es noch superschnell, erst dann hat es gepickt", sagte der 27-Jährige, der bei der WM in Oberstdorf Vierter gewesen war. Und hob bei der Pressekonferenz den Arm des neben ihm sitzenden Angerer in die Höhe. "Er ist der moralische Sieger." Sein Landsmann und Berufskollege Ole Einar Björndalen, im WM-Winter bereits Sieger im Langlauf-Weltcup, kam über Rang 16 nicht hinaus, Mitfavorit Vincent Vittoz (FRA) gab in aussichtsloser Position auf.

Angerer kämpfte sich hingegen durch den Neuschnee. Bei Halbdistanz war er nur Elfter, 22 Sekunden hinter Eder, doch im Finale stand ihm Fortuna zur Seite. "Ich wollte diese Medaille unbedingt, darum bin ich glücklich, aber auch traurig, weil es ein perfektes Rennen war. Vom Kopf her habe ich mich sehr stark gefühlt", meinte der 29-jährige Bayer für den bei normalem Verlauf der erste Titelgewinn Realität hätte werden können.

15 km Skating - Endergebnis:
1. Lars Berger (NOR) 35:50,0 Min.
2. Leanid Karnejenka (BLR) + 35,8 Sek.
3. Tobias Angerer (GER) 52,4
4. Johannes Eder (AUT) 58,3
5. Axel Teichmann (GER) 1:14,6
6. Alexander Legkow (RUS) 1:16,4
7. Franz Göring (GER) 1:17,9
8. Johan Olsson (SWE) 1:19,3
9. Marcus Hellner (SWE) 1:23,0
10. Pietro Piller Cottrer (ITA) 1:24,3

Weiter:
16. Ole Einar Björndalen (NOR) 1:36,8
19. Christian Hoffmann (AUT) 1:50,1
29. Jürgen Pinter (AUT) 2:23,6

Nicht gestartet u.a.: Michail Botwinow (AUT)

Aufgegeben: Vincent Vittoz (FRA)

(apa/red)