Österreich fehlen 10.000 Wohnungen pro Jahr: Grund genug für erhöhtes Bauvolumen

Priorität: Mehr sozialer und barrierefreier Wohnraum WIFO-Expertin Czerny plant Pflegedienst-Wohnungen

Österreich fehlen 10.000 Wohnungen pro Jahr: Grund genug für erhöhtes Bauvolumen

In Österreich sind aus Sicht von Wifo-Wohnbauexpertin Margarete Czerny in Zukunft mittelfristig jedes Jahr rund 10.000 Wohnungen zusätzlich nötig, um dem Bedarf auf Grund der veränderten Bevölkerungsentwicklung und der Zuwanderung Rechnung zu tragen. Die Wohnbauleistung von rund 43.000 fertig gestellten Einheiten pro Jahr sollte in etwa fünf bis zehn Jahren auf rund 55.000 Wohnungen angehoben werden, erklärt die Wifo-Expertin in einer neuen Studie.

Die österreichische Wohnbauförderung eigne sich durchaus als Instrument der sozialen und ökologischen Wohnungspolitik, stellt Czerny in der Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums weiter fest. Der Bunde überweist jährlich 1,78 Mrd. Euro an Zweckzuschüssen an die Bundesländer. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre betrugen die Ausgaben für die Wohnbauförderung 2,3 Mrd. Euro im Jahr. "Das Fördersystem bietet eine Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten, die in Zukunft verstärkt genutzt werden sollten", so Czerny.

Sozialer Wohnraum für alle muss her!
Um den Wohnungsbedarf decken zu können, sollte die Wohnbauförderung durch neue Förderprogramme als Lenkungsinstrument mittelfristig einen neuen Stellenwert erhalten, verlangt die Wifo-Wohnbauexpertin. Dabei sei verstärkt auf die Bereitstellung von sozialem Wohnraum zu achten. Darüber hinaus wären Innovationen im Bereich der Wohninfrastruktur und im Bereich der wohnungsbezogenen Dienstleistungen anzustreben. Eine zentrale Rolle werde eine geeignete Reaktion auf die Alterung der Gesellschaft spielen - etwa in Bezug auf eine Anpassung der Wohnbauförderungs-Programme für Ältere oder auf eine Forcierung von barrierefreiem Bauen, wie auch im Regierungsprogramm vorgesehen - und auf die ökologischen Herausforderungen. Durch gezielte Anreizfinanzierung sollte in Österreich flächendeckend ein Standard für Niedrigenergie- und Passivhäuser gesetzt werden.

Kombi-Paket: Wohnen und Arbeiten
Teil einer Entwicklung von neuen Formen der Altenpflege könnte ein Angebot von Pflegedienst-Wohnungen sein: Vor allem im gemeinnützigen Wohnbau, aber auch im privaten Wohnbau könnte dieses Konzept laut Czerny helfen, Älteren die Pflege in der eigenen Wohnung zu erleichtern, da das Pflegepersonal in unmittelbarer Nähe wohnen könnte. (APA/red)