Ölpest an US-Küste immer bedrohlicher:
In vier Bundesstaaten Notstand ausgerufen

Mineralölkonzern BP übernimmt 'volle Verantwortung' Tag für Tag fließen knapp 800.000 Liter Öl ins Meer

Ölpest an US-Küste immer bedrohlicher:
In vier Bundesstaaten Notstand ausgerufen © Bild: AP/Fitzhugh

Die Größe des Ölteppichs im Golf von Mexiko hat sich innerhalb eines Tages fast verdreifacht. Das Öl breite sich weit schneller aus, als bislang gedacht, hieß es aus der Universität von Miami nach der Auswertung von Satellitenbildern. Hatte der Ölteppich am Donnerstag noch eine Größe von fast 3.000 Quadratkilometern, so sind es nun rund 9.900 Quadratkilometer.

Die Ölkatastrophe wird immer bedrohlicher. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen nun auch Alabama und Mississippi den Notstand aus. Die US-Regierung bereitet sich auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor.

"Vollständige Aufklärung"
US-Präsident Obama forderte eine "vollständige Aufklärung" des Desasters. Er rief in Washington die Regierungsmitglieder zusammen, um über die Koordinierung der nationalen Maßnahmen im Kampf gegen die Ölpest, die er als "nationale Katastrophe" bezeichnet hatte, zu beraten.

Das Pentagon genehmigte unterdessen den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana. Gouverneur Bobby Jindal hatte zuvor die Entsendung von 6.000 Reservisten angefordert.

Verheerende Ölpest
Seit in der vergangenen Woche eine von dem britischen Ölkonzern BP betriebene Ölplattform im Golf von Mexiko sank, fließen täglich knapp 800.000 Liter Öl ins Meer. In den USA wächst die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers "Exxon Valdez" im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Damals waren fast 40.000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten eine beispiellose Umweltkatastrophe ausgelöst.

Wegen des sich ausbreitenden Ölteppichs wurde die Produktion auf zwei Bohrinseln vorsichtshalber gestoppt. Die Betreiber der Bohrinseln befürchten, dass der Ölteppich durch einen Funken in Brand geraten und dann die Bohrinseln gefährden könnte. Die beiden Bohrinseln fördern Gas aus dem Erdinnern.

Gouverneur Jindal bezweifelte öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten. Er und von Präsident Obama in die Katastrophenregion entsandte Minister verstärkten den Druck auf das Unternehmen, das nach Auffassung der US-Regierung alle Kosten zu tragen hat. BP müsse "härter, schneller, schlauer" arbeiten, sagte Innenminister Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die sprudelnde Ölquelle geschlossen und "jeder Tropfen Öl" beseitigt sei.

BP übernimmt Verantwortung
BP-Chef Suttles bezifferte die Kosten für den Konzern auf täglich sechs bis sieben Millionen Dollar. Je näher das Öl an die Küste komme, desto teurer werde der Einsatz, sagte er. Der Energiekonzern erklärte aber, man wolle die "volle Verantwortung" für den Ölteppich übernehmen.

(apa/red)