Ölpest viel schlimmer als bisher gedacht:
Fast 6,4 Mio. Liter Öl fließen täglich ins Meer

Bisherige Annahme ging von lediglich der Hälfte aus US-Präsident Obama zitiert BP-Bosse ins Weiße Haus

Ölpest viel schlimmer als bisher gedacht:
Fast 6,4 Mio. Liter Öl fließen täglich ins Meer © Bild: APA/EPA

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat offensichtlich deutlich größere Ausmaße als bisher angenommen: Die US-Behörden gehen inzwischen davon aus, dass täglich bis zu 6,4 Millionen Liter (40.000 Barrel) ins Meer fließen. "Die niedrigste auf wissenschaftlichen Analysen beruhende Schätzung liegt bei 20.000 Barrel, die höchste glaubwürdige um die 40.000 Barrel", so eine Expertengruppe.

Damit tritt aus dem Leck im Golf von Mexiko deutlich mehr Öl aus als bisher angenommen: Bisher war die von der Regierung eingesetzte Expertengruppe von 12.000 bis 19.000 Barrel pro Tag (1,9 bis drei Mio. Liter) ausgegangen, die ins Meer fließen.

Der Ölkonzern BP gerät wegen der Ölpest wirtschaftlich und politisch immer mehr unter Druck. Der Konzern erwägt wegen der hohen Kosten für den Kampf gegen die Umweltkatastrophe nun eine Kürzung der Dividende, wie BP-Chef Hayward dem "Wall Street Journal" sagte. US-Präsident Obama bestellte zudem den Vorsitzenden des BP-Aufsichtsrates, Svanberg, ins Weiße Haus ein.

BP erwäge "alle Optionen bezüglich der Dividende", sagte Hayward der Zeitung. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Sie soll laut Bericht am 27. Juli verkündet werden. Demnach könnte die Dividende, die BP quartalsweise auszahlt, für das zweite Quartal entweder gekürzt werden oder sogar ganz ausfallen. Die Aktionäre könnten dann statt Geld Anteile am Unternehmen bekommen.

Vorsprechen bei Obama
Aber auch der politische Druck wächst: Barack Obama forderte den BP-Aufsichtsratschef Svanberg nun auf, ihm wegen der Naturkatastrophe Rede und Antwort zu stehen. Über den BP-Chef Hayward sagte der US-Präsident, er hätte diesen schon längst gefeuert. Zudem setzte die US-Regierung dem britischen Konzern ein Ultimatum für neue Vorschläge im Kampf gegen die Ölpest.

Die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem fließen Millionen Liter Öl ins Meer, zahlreiche Küsten in den USA sind bereits verschmutzt. BP hat nach eigenen Angaben bisher umgerechnet 1,2 Mrd. Euro für den Kampf gegen die Ölpest und Entschädigungen ausgegeben.

(apa/red)