Öl-Gipfel uneinig über neue Fördermengen:
Nur Saudi-Arabien dezidiert für Erhöhung

Großteil der OPEC will reguläres Treffen abwarten Spekulationgeschäfte hinter Preisanstieg vermutet

Öl-Gipfel uneinig über neue Fördermengen:
Nur Saudi-Arabien dezidiert für Erhöhung © Bild: APA/Ernesto

Mehrere arabische Golfstaaten haben am Sonntag beim Öl-Krisengipfel in Saudi-Arabien ihre Bereitschaft signalisiert, noch mehr Öl zu fördern als bisher. Gleichzeitig wiesen sie eine Schuld an den derzeit hohen Ölpreisen zurück und warnten vor überzogenen Erwartungen. Verantwortlich für die Preisexplosion beim Rohöl seien Spekulation, steigende Nachfrage und hohe Steuern in den Industrieländern.

König Abdullah von Saudi-Arabien kündigte offiziell die bereits erwartete Steigerung der Öl-Produktion seines Landes auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag an. Saudi-Arabien sei zudem zu einer weiteren Erhöhung der Förderung bereit, falls die Nachfrage steigen sollte, sagte der Monarch in Jeddah. Zuvor hatten bereits Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Bereitschaft bekundet, mehr Öl zu fördern.

Dies lehnen andere Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ab, darunter Algerien und Venezuela. Sie wollen über höhere Förderquoten nicht vor dem nächsten regulären OPEC-Ministertreffen im September sprechen.

Die USA hatten vor Beginn des Öl-Krisengipfels eine Steigerung der Produktion als Mittel gegen den hohen Ölpreis angemahnt. US-Energieminister Samuel Bodman sagte: "Die Marktdaten zeigen uns, dass die Produktion nicht mit der wachsenden Nachfrage Schritt gehalten hat, was zu höheren und immer instabileren Preisen geführt hat."

Spekulation Grund der Krise
Der König von Saudi-Arabien erklärte, die aktuell hohen Preise von mehr als 130 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) seien unter anderem das Ergebnis des "Egoismus" von Spekulanten und der hohen Mineralölsteuer in einigen Import-Staaten. Mehrere Öl produzierende Staaten hatten im Vorfeld der eintägigen Konferenz in Dschidda erklärt, der Ölpreis sei vor allem deshalb so hoch, weil Finanz-Investoren auf eine Verknappung des Angebots und daraus resultierende weitere Preissteigerungen in der Zukunft spekulierten.

Brown auf der Suche nach Alternativen
Der britische Premierminister Gordon Brown sagte in Jeddah, angesichts der hohen Energiepreise und wegen der steigenden Nachfrage seien mehr Investitionen in Atomkraft und erneuerbare Energien notwendig. Bis zum Jahr 2050 müssten weltweit 1.000 neue Atomkraftwerke und 700.000 weitere große Windturbinen gebaut werden, erklärte er. Außerdem müsse sechs Mal mehr Energie aus Sonnen- und Wasserkraft sowie Biomasse gewonnen werden als bisher. Er forderte die Öl produzierenden Länder auf, einen Teil ihrer durch die steigenden Preise erzielten Milliardenprofite dafür zu investieren. (apa/red)