ÖIAG-Aufsichtsrat neu besetzt: Ex-IV-Chef Peter Mitterbauer wird neuer Vorsitzender!

Zapotocky, Pfarl und Bernhard ziehen in Gremium ein SPÖ kritisiert: "Keine Spur von Entpolitisierung"

Die Staatsholding ÖIAG hat in ihrer Aufsichtsratssitzung vier neue Aufsichtsräte gewählt. An die Spitze des Gremiums tritt nach einem einstimmigen Votum erwartungsgemäß den frühere Chef der Industriellenvereinigung (IV), Peter Mitterbauer. Er folgt dem Papierindustriellen Alfred Heinzel nach.

Weiters ziehen der frühere Vorstand der Börse Wien, Stefan Zapotocky, der Europachef des Papierkonzerns Sappi, Wolfgang Pfarl und der VW-Sanierer Wolfgang Bernhard in das Gremium ein. Ausgeschieden sind weiters Industriellenpräsident Veit Sorger, der frühere Brau-Union-Konzernchef Karl Büche, und die frühere Palmers-Managerin Astrid Gilhofer.

Mitterbauer, gegen den nach einem Verkauf von Aktien der Generali, wo er im Aufsichtsrat sitzt, Insidervorwürfe laut geworden sind, sagte, er habe in dieser Angelegenheit "nichts Unrechtes getan". Der Generali-Aufsichtsrat habe "keine Information über den Rückzug des Unternehmens von der Börse gehabt". Finanzminister Karl-Heinz Grasser erklärte bei der Vorstellung des neuen ÖIAG-Präsidenten in den Nachmittagsstunden, er habe an der Integrität Mitterbauers keinen Zweifel. "Mitterbauer genießt das volle Vertrauen und die Unterstützung der Bundesregierung."

Der scheidende ÖIAG-Präsident Alfred Heinzel sagte, er habe in dem "kollegialen und streitbaren" Gremium viel gelernt und er hoffe auf die in der Öffentlichkeit diskutierte Infrastrukturholding als Nachfolgerin der ÖIAG. Leopold Abraham, der die Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat koordiniert, bedankte sich bei Heinzel für dessen gute Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertetern.

Dass auch die fünf Belegschaftsvertreter Mitterbauer gewählt hätten, drücke die Hoffnung auf eine Fortsetzung dieses Kurses aus und sei ein "Vertrauensvorschuss".Der ÖIAG-Aufsichsrat besteht aus zehn Kapital- und fünf Arbeitnehmervertretern.

Anders als in anderen Aktiengesellschaften wird der ÖIAG-Aufsichtsrat nicht von den Aktionärsvertretern (in diesem Fall vom Finanzminister) bestimmt. Gemäß dem ÖIAG-Gesetz von 2000 wählt der Aufsichtsrat seine neuen Mitglieder selbst. Damit soll das Gremium "frei von politischem Einfluss" gehalten werden.

SPÖ kritisiert: Keine Spur von Entpolitisierung
"Von einer Entpolitisierung ist weit und breit nichts zu sehen", kommentierte SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser die personellen Änderungen im ÖIAG-Aufsichtsrat. Er sieht in der Auswahl der neuen Aufsichtsräte und des neuen Vorsitzenden eine "nicht gerade adäquate Wahl" und begründet dies mit dem wirtschaftlichen Hintergrund der neubestellten Herren.

Während die ÖIAG mit Post, OMV, AUA und Telekom nur mehr Anteile an Infrastruktur- und Energieunternehmen verwaltet, kommen die neuen Aufsichtsräte aber aus ganz anderen Branchen.

"Statt auf die gegebenen Voraussetzungen in der ÖIAG zu reagieren, werden Branchenexperten aus der Papier- und Autoindustrie sowie ein ausgeschiedener Kapitalmarktexperte in den Aufsichtsrat entsandt", so Moser.

Der SPÖ-Wirtschaftssprecher betonte aber, dass die neuen Aufsichtsräte "persönlich honorig und qualifiziert" seien. Mosers Resümee: "Die von Karl-Heinz Finanzminister Grasser angekündigte 'Selbstfindung' im Aufsichtsrat hat doch nur eine Duplizierung des Altbekannten gebracht." (apa/red)