Handball von

ÖHB-Team "mit breiter Brust"

Österreichs Teamchef Patrekur Johannesson ist zuversichtlich: "Unsere Chancen sind gut"

ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson gestikuliert im Länderspiel Österreich gegen Russland © Bild: GEPA pictures/ Witters/ Uwe Speck

Die erfolgreiche Qualifikation für die am Sonntag beginnende Handball-EM hat Österreichs Männer hungrig gemacht. In Dänemark peilt die Truppe von Patrekkur Johannesson den Aufstieg in die Hauptrunde an. Dafür ist in Gruppe A mit dem Gastgeber, Tschechien und Mazedonien zumindest Platz drei vonnöten. Wenige Tage vor dem Start gab sich der Isländische Teamchef im Interview durchaus optimistisch.

Frage: Die letzten Tests sind durchaus vielversprechend verlaufen. Hat das den Druck erhöht?

Johannesson: "Für mich ist der Druck nicht gestiegen. Wir haben in der Quali auf uns aufmerksam gemacht. Aber das ist kein Druck. Ich habe viele Spiele verloren als Spieler. Aber nie hat mich danach jemand geschlagen oder mir das Handballspielen verboten. Ich will einfach sehen, dass ich die Spieler motivieren kann, das Beste zu geben. Man soll sich nicht lange ärgern, wenn man das Tor nicht trifft. Ich glaube, das habe ich der Mannschaft beigebracht."

Frage: Wie schätzen Sie die Österreich-Gruppe ein?

Johannesson: "Vom Papier her ist Dänemark klar die Nummer eins, Mazedonien war zuletzt EM-Fünfter. Tschechien ist immer gut. Vom Papier her sind wir Nummer vier. Aber das Papier ist mir egal. Wir haben jetzt zweimal gegen Russland (in der EM-Qualifikation und beim Test-Turnier in Deutschland, Anm.) gewonnen. Und Russland ist eine große Nation. Wenn die Leute wetten würden, würden sie auf Russland setzen - wir haben trotzdem gewonnen. Wenn wir Nummer vier sind, dann soll uns das nur motivieren."

Frage: Wie stehen die Chancen auf den Aufstieg in die Hauptrunde?

Johannesson: "Unsere Chancen sind gut, wenn wir unsere Topleistung bringen. Dazu brauchen wir eine gute Torhüterleistung, eine gute Abwehr und dass ich mit unseren Mitte-Leuten die richtige Lösung im Angriff finde. Wir sollen nicht mit Arroganz, aber mit breiter Brust und ohne Angst ins Turnier gehen. Wir können gut Handball spielen, aber wir wissen, dass das auch unsere Gegner tun. Aber wir wollen etwas erreichen. Ich verlange aber nicht, dass sie gewinnen, sondern, dass sie handballerisch das zeigen, was sie können."

Frage: Gerade Mazedonien und Tschechien sind durch Duelle in der jüngsten Vergangenheit bzw. Videostudium bestens bekannt. Wo sind Überraschungen möglich?

Johannesson: "Alle Teams in Europa spielen das selbe Grundsystem, unterschiedlich von der Qualität her. Unsere Gegner sind auch nicht dumm und wissen, dass wir mit einer 5:1- oder 6:0-Deckung spielen. Aber wer weiß, vielleicht kann ein 3:2:1 so ein Überraschungsmoment sein."

Frage: Ihr Team musste den Großteil des Test-Turniers in Deutschland ohne Kapitän Viktor Szilagyi absolvieren. Hat Sie beruhigt, was Sie gesehen haben?

Johannesson: "Schade, dass Viktor sich verletzt hat, weil er ein Weltklassespieler ist. Aber ich war ganz ruhig, weil ich habe Vitas Ziura, der für mich auch Weltklasse ist. Bei ihm wundere ich mich, dass er nie in der besten Liga, in Deutschland, gespielt hat. Er wird auch viel spielen bei der EM. Egal ob das auf Mitte oder auf der linken Seite ist. Gegen Russland war ich ohne Szilagyi und ohne Ziura schon etwas unruhig. Aber auch da habe ich gesehen, dass dann Roland Schlinger Verantwortung übernommen hat und Dominik Schmid gezeigt hat, dass er in Zukunft auf dieser Position spielen kann."

Frage: In der Hauptrunde winkt ein Duell mit ihrer Heimat Island.

Johannesson: "Ich hoffe, dass das so passiert. Das wäre eine tolle Sache. Und dann bin ich zu hundert Prozent für Österreich."

Frage: Wer sind Ihre EM-Favoriten?

Johannesson: "Dänemark, Frankreich, Kroatien und Spanien. Und vielleicht eine Überraschungsmannschaft. Das könnte etwa auch Island sein."

Kommentare