ÖHB-Team fliegt zur Frauen-WM in Paris:
"Wir fliegen mit Freude und Spaß zur WM"

Altersschnitt seit EM um fast zehn Jahre gesunken Gruppenspiele gegen DomRep, Angola und Norwegen

ÖHB-Team fliegt zur Frauen-WM in Paris:
"Wir fliegen mit Freude und Spaß zur WM"

Im heimischen Frauen-Handball hat auf Teamebene endgültig die neue Generation Einzug gehalten, die Jugend nach dem Umbruch das Zepter übernommen. Der Altersschnitt der Kaderspielerinnen ist gegenüber der jüngsten EM 2006 in Schweden um fast zehn Jahre auf 21 Lenze gesunken, dafür ist aber viel frischer Wind und Unbekümmertheit dazu gekommen. "Wir fliegen mit Freude und Spaß nach Frankreich zur WM", sagte ÖHB-Teamchef Herbert Müller in Wien.

Österreichs "schwaches Geschlecht" ist im Alpenrepublik-Handball seit langer Zeit die dominante Komponente. Mit zwei Siegen gegen Slowenien gelang ihm zum 16. Mal in Serie die Teilnahme an einem WM- oder EM-Turnier. "Es macht Sinn, auf ein junges Team zu bauen, langfristig eine Mannschaft aufzubauen und diese Schritt für Schritt an das internationale Niveau heranzuführen", sprüht auch Müller vor dem Turnier, das am Sonntag, Montag und Dienstag in Lyon die Dominikanische Republik, Angola und Europameister Norwegen als Gegner der Gruppe C bringt, neue Begeisterung und Kraft aus.

Seit dem Lösen der WM-Karte ist viel passiert. Im Südstädter IMBS wurde ein wöchentliches Stützpunkt-Training absolviert, das laut dem Teamchef "in athletischer, physischer, psychischer Hinsicht und im technisch-taktischen Bereich enorme Fortschritte gebracht" hat. "Die jungen, talentierten Spielerinnen honorieren mit ihrem Ehrgeiz, dass man sie schätzt", so Müller.

Junges Team ohne Druck
Freilich sei seine Mannschaft von der internationale Klasse meilenweit, so wie die Erde vom Mond, entfernt. "Allzu große WM-Erwartungen zu haben, wäre vermessen. Ich setze mein Team nicht unter Druck, es soll mit einem Lächeln nach Frankreich reisen und dort das Maximale erreichen", meint der 45-jährige Teamchef. Ziel in Lyon ist es jedoch, den Pool als Zweiter hinter dem Titel-Co-Favoriten Norwegen zu beenden und damit in die Haupt-Gruppe aufzusteigen.

Das wird schwer genug für die rot-weiß-roten "Greenhorns". Im ersten Spiel gegen die Dominikanische Republik, gegen die Österreich noch nie ein Länderspiel bestritten hat, sollte ein Sieg gelingen, das Treffen mit Angola ist für den ÖHB-Teamchef das Schlüsselspiel, für das man einen guten Tag benötige und alles stimmen müsse, um zwei weitere Punkte zu holen. Gegen Norwegen heißt die Devise: Niederlage in Grenzen halten.

Der gebürtige Rumäne, der den 1. FC Nürnberg heuer als deutscher Meister in die Champions League führte, setzt in Frankreich auf Teamwork, Emotion und Kampfgeist. "Das war früher nicht so, das habe ich vermisst. Aber diese Eigenschaften haben sich inzwischen durchgesetzt", erzählt der Dozent für Mathematik am Institut Nürnberg. Sollte der Aufstieg in die Haupt-Gruppe nicht geschafft werden, wartet ein neu eingeführter Trostbewerb.

Die Vierten und Fünften der ersten Gruppen-Phase spielen im sogenannten "Präsidenten-Cup" die Endränge 13 bis 24 aus. Um eine Chance für eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 zu wahren, wird voraussichtlich der zehnte Platz notwendig sein. Im März 2008 werden in drei Vierer-Turnieren sechs Fahrkarten nach Peking ausgespielt.

Norwegen Titelfavorit
Bisher fix für das olympische Turnier sind Veranstalter China sowie die Kontinent-Meister Norwegen (Europa), Kasachstan (Asien) und Brasilien (Panamerika) qualifiziert. Direkt nach China fahren auch der Weltmeister von Frankreich und der Afrika-Champion. Die sechs weiteren Olympia-Plätze für das Zwölfer-Feld in Peking werden in den drei Quali-Turnieren vergeben.

Die Favoriten auf den WM-Titel zu nennen, fällt nicht allzu schwer. Neben dem Österreich-Gegner und Europameister Norwegen sind das Titelverteidiger Russland und der Vize-Weltmeister Rumänien. Hoch und als Geheimtipp gehandelt werden auch die gastgebenden Franzosen. Optimistisch ans Werk gehen die Deutschen, die zehn Monate nach den "vergoldeten" Männer auch mit den Frauen eine Medaille wollen. "Ich traue der Mannschaft alles bis zum WM-Titel zu", posaunte DHB-Präsident Ulrich Strombach.

ÖHB-KADER (Teamchef Herbert Müller/Deutschland/45 Jahre):

Tor: Natalja Rusnatschenko (246 Länderspiele/6 Tore), Natascha Schilk (13/0), Petra Blazek (alle Hypo NÖ/60/0)
Feld: Gorica Acimovic (3/12), Katrin Engel (109/248), Isabel Plach (49/34), Katharina Reingruber (41/21), Nina Stumvoll (20/10), Sabrina Thurner (46/19), Lina Simkunaite (alle Hpyo NÖ/10/5), Simona Spiridon (Eto Györ/53/212), Tamara Bösch (HC Lustenau/15/17), Marina Budecevic (vereinslos/39/72), Laura Magelinskas (Wr. Neustadt/32/61), Alexandra Materzog (WAT Fünfhaus/38/34), Beate Scheffknecht (SSV Dornbirn-Schoren/6/14)

(apa/red)