ÖGB will nach Verzetnitsch-Aus Neustart: Erich Foglar zum neuen Finanzchef ernannt

Metaller übernimmt von Weninger u.a. Streikfonds Alle ÖGB-Vertreter in BAWAG-Aufsichtsrat gehen

Der ÖGB-Vorstand hat nach dem Doppelrücktritt von Präsident Fritz Verzetnitsch und Finanzchef Günter Weninger rasch die erste personelle Weichenstellung getroffen und Metaller-Zentralsekretär Erich Foglar (50) einstimmig zum Herren über die Finanzen des Gewerkschaftsbunds gemacht. Pikant an der Sache: Foglar saß im Aufsichtsrat der BAWAG, deren riskante Karibik-Geschäfte der bisherigen ÖGB-Spitze den Kopf gekostet hatten. Zum leichten Favoriten für das Amt des Präsidenten mutiert nach der Berücksichtigung des Metallers Foglar nun der Vorsitzende der anderen Großgewerkschaft, GPA-Chef Wolfgang Katzian.

Wann der neue Präsident feststeht, ist weiter unklar. Interimspräsident Rudolf Hundstorfer erwartet, dass innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen intern eine einhellige Meinung gefunden werde. Eine Kampfabstimmung beim für den 19. Juni im Wiener Austria Center angesetzten Gewerkschaftstag lehnt er ab. Hundstorfer selbst hält sich durchaus weiter im Rennen, betonte der Vorsitzende der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft doch nach dem Vorstand, dass ihn der verantwortungsvolle Posten reize. Für sich warb Hundstorfer, in dem er seine Dialog-Fähigkeit hervorstrich.

Wahrscheinlicher ist freilich, dass der ambitionierte GPA-Chef Katzian zum Präsidenten gewählt wird. Denn mit dem Nationalratsmandat für ihn werden sich die Privatangestellten wohl kaum abspeisen lassen, meint man in der Gewerkschaft. Sollte also der Widerstand der Arbeiter-Gewerkschaften gegen einen Angestellten-Präsidenten nicht doch zu stark werden, stehen Katzians Chancen nicht schlecht. Ist er nicht durchzubringen, will man dem Vernehmen nach nochmals (den derzeit beruflich in Moskau weilenden) Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl beknien, dem seinerseits eher Ambitionen nachgesagt werden, 2007 von Metaller-Chef Nürnberger den Vorsitz der sozialdemokratischen Gewerkschafter zu übernehmen.

Zumindest bei den Finanzen ist der ÖGB bemüht, einen Schlussstrich unter die Bawag-Affäre zu ziehen. Foglar wird wie sämtliche bisher dort tätigen Funktionäre des Gewerkschaftsbunds nach Auslaufen der Mandate im April aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Auch legte Hundstorfer neuerlich fest, dass der nächste Präsident des Gremiums und damit Nachfolger Weningers nicht aus dem ÖGB stammen werde. Potenzielle Kandidaten nannte der Interims-Chef nicht. Dass der neue Finanzreferent auch in der Bawag war, stört den Interimspräsidenten nicht. Es gebe hier keine Verquickung. Foglar selbst betonte, von den Verlusten der Bank erst in der Vorwoche erfahren zu haben.

Keine Änderung ist hingegen beim Streikfonds geplant. Eine größere Transparenz als bisher plane er nicht, betonte Foglar. Er selbst wird statt Weninger in die ÖGB-Stiftung einziehen, die den Fonds verwaltet. Wer sonst noch in den Stiftungsvorstand kommt, wollte oder konnte der neue ÖGB-Finanzchef am Mittwoch noch nicht sagen - ebenso wenig, welche Aufsichtsratsmandate er von Weninger übernimmt.

Zumindest nach außen volle Rückendeckung der Gewerkschaftsspitze gibt es für Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel - "sicher" sei er der Meinung, dass dieser trotz seiner früheren Tätigkeit als Bawag-Aufsichtsratschef während der Karibik-Geschäfte im Amt bleiben sollte, meinte Hundstorfer. Foglar hob hervor, dass Tumpel seinen Job in der BAWAG "hervorragend erfüllt" habe. Nicht ganz so sieht das offenbar Drucker-Chef Franz Bittner, dem nichts auf die Frage einfallen wollte, warum Verzentitsch aber nicht Tumpel Konsequenzen aus der Sache habe ziehen müssen. Das BZÖ forderte neuerlich den Rücktritt des AK-Präsidenten, die SPÖ verteidigte ihn.
(apa/red)