ÖGB-Präsident Hundstorfer kündigt an:
Bei Herbstlohnrunde wird hart verhandelt

Gewerkschaften wollen sich kräftigen Anteil holen Keine Rücksicht auf Inflation & Konjunkturschwäche

 ÖGB-Präsident Hundstorfer kündigt an:
Bei Herbstlohnrunde wird hart verhandelt © Bild: Reuters/Bader

Für die kommenden Herbstlohnrunden zeichnen sich harte Verhandlungen ab. Die Gewerkschaften wollen sich trotz steigender Inflation und Konjunkturschwäche einen kräftigen Anteil holen, kündigte ÖGB-Chef Hundstorfer an. Die Inflation werde die Verhandlungen beeinflussen, so der stellvertretende Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Proyer.

"Lohnrunden sind kein Kuschelkurs", meint Hundstorfer laut den Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN). Die Gewerkschaften werden versuchen, bei den Lohnrunden einen "kräftigen Anteil" zu holen. Die guten Lohnrunden des vergangenen Jahres würden von der Steuerpolitik und der Teuerung geschluckt, der Reallohnverlust betrage 0,7 Prozent. "In so einer Zeit kann man von den Gewerkschaften nicht erwarten, dass sie vornehme Zurückhaltung üben", sagt Hundstorfer. Dass damit die Inflationsspirale weiter gedreht wird, will Hundstorfer so nicht sehen.

Neben der hohen Inflation gebe aber auch eine Reihe anderer Faktoren, die bei den Lohnverhandlungen zu berücksichtigen seien, so GPA-Mann Proyer, wie die Frage des Industriestandortes Österreich und eine möglichst hohe Beschäftigtenzahl. Die besten Kollektivvertragsverhandlungen könnten aber die mangelnde Bereitschaft der Politik in der Lohnsteuerfrage und in der Preisgestaltung, z. B. bei den Energiekosten etwas zu tun, nicht ersetzen. "Entscheidend werden aber die Verhandlungen sein und am Ende ist das wichtig, was den Beschäftigten tatsächlich in der Geldbörse bleibt", so Proyer.

Peter Rosner, Vorstand des Instituts für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien, sieht die Obergrenze der heurigen Lohnabschlüsse aus volkswirtschaftlicher Sicht bei 5 bis 5,5 Prozent, die Untergrenze bei 3,5 bis 4 Prozent.

Zum Vergleich: Im Vorjahr erhielten die Metaller 3,6 Prozent mehr Lohn Plus Einmalzahlungen, die Handelsangestellten bekamen 3,1 Prozent mehr, die Beamten inklusive Einmalzahlungen um 2,7 Prozent mehr. Die Eisenbahner bekamen sogar 4,5 Prozent Plus, allerdings für die nächsten eineinhalb Jahre. (apa/red)