ÖGB-Haftung für BAWAG-Verluste: Leitl nimmt überraschend Verzetnitsch in Schutz

Hätte Haftungserklärung wohl auch übernommen Hundstorfer: Ex-Chef hätte Vorstand befassen müssen

Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl hat überraschend den ehemaligen ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch wegen dessen Haftungsübernahme für die BAWAG in Schutz genommen. Mit einer eigenmächtigen Garantieerklärung begründet der ÖGB die fristlose Entlassung Verzetnischs. Diese wird vom ehemaligen Chef des Gewerkschaftsbundes vor dem Arbeitsgericht bekämpft.

In einer Beantwortung einer eher abstrakten Frage nach einer Neuregulierung der Wirtschaftsprüferbranche schilderte Leitl ein offenbar vor kurzem geführtes Gespräch mit Verzetnitsch, in dem der geschasste ÖGB-Chef die Situation der Haftungsübernahme folgendermaßen geschildert habe: Der damalige BAWAG-General Direktor Elsner habe Verzetnitsch über die gravierenden Verluste informiert, aber erklärt, die Probleme binnen drei Jahren wieder lösen zu können. Als Voraussetzung habe Elsner aber eine Haftungsübernahme durch den Eigentümer verlangt. Vezetnitsch habe ihn gefragt, was er, Leitl, in diesem Fall gemacht hätte. "Wahrscheinlich hätte ich die Haftungserklärung auch abgegeben", hat Leitl dann nach eigener Aussage geantwortet.

Verzetnitschs Frage, was er über das Wissen von Aufsichtsrat, Wirtschaftsprüfer und Bankenaufsicht hinaus hätte wissen können, habe er auch nicht beantworten können, sagte der Wirtschaftskammerchef. Es war dies das erste Mal, dass sich Leitl öffentlich zur Rolle seines ehemaligen Sozialpartner-Gegenübers geäußert hat.

Der aktuelle ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer, der mit Leitl zusammen in Alpbach bei einem Kamingespräch aufgetreten war, sagte nach dem Hintergrundgespräch, er könne "das nicht nachvollziehen". Der ÖGB sei der Auffassung, dass Verzetnitsch für die Garantie das Placet des ÖGB-Bundesvorstands hätte einholen müssen. Dies sei durch die Einbringung eines Teils des ÖGB-Vermögens in eine Stiftung kurze Zeit danach untermauert worden, die vom Bundesvorstand abgesegnet worden ist.

(apa/red)