ÖGB-Demo: 100.000-160.000 am Heldenplatz

Im strömenden Regen: Sallmutter fordert zum Kampf auf DIE BILDER: Die Demo zum DURCHKLICKEN! (Kasten)

ÖGB-Präsident Verzetnitsch hat bei der Gewerkschafts- Demonstration am Dienstagabend erneut Bundeskanzler Schüssel kritisiert. Dieser wolle nicht auf den so genannten "Druck der Straße" reagieren, meinte Verzetnitsch, "Wer ist denn diese Straße? Das ist dieser Platz. Das sind mehr als 100.000 Menschen mit Gesichtern. Diese Menschen haben auch eine Stimme und diese Stimme sagt klar und deutlich: So nicht, Herr Bundeskanzler."

Nach der Demonstration trat Fritz Verzetnitsch in der Zeit im Bild II Vize-VP-Chefin Gehrer gegenüber. Sie warf ihm vor, den Menschen "mit Halbwahrheiten und verdrehten Tatsachen Angst" zu machen. "Ich bedaure den Stil," meinte sie: "Sie sagen immer wieder die selben Schlagworte vor sich hin." Auch sie selbst brachte freilich nur wenig Neues in die Diskussion ein: Sie wiederholte, es handle sich um eine Sicherungsreform und bestand darauf, dass dem ÖGB Monate lang alle Türen für Einwände und Vorschläge offen gestanden hätten. Verzetnitsch wollte sich seinerseits nicht festlegen, welche Teile des ÖVP-Vorschlags für ihn akzeptabel seien und welche nicht.

ÖGB selbstbewußt
"Nehmen Sie diese kraftvolle Demonstration, die Wind, Wetter und Hagel getrotzt hat, als ein deutliches Zeichen. Regieren Sie mit dem Volk und nicht gegen das Volk", rief Verzetnitsch dem Bundeskanzler unter dem Jubel der Demonstranten zu. Die Nationalratsabgeordneten forderte Verzetnitsch auf, gegen den "Pensionsraub" zu stimmen. Man werde die Menschen über das Abstimmungsverhalten ihrer Abgeordneten informieren, kündigte der ÖGB-Präsident an.

Verzetnitsch betonte erneute, zu einer Teilnahme am Runden Tisch zu einer Pensionsreform bereit zu sein, allerdings nicht zu einem Runden Tisch, "wo man uns im Kreis schicken will. Dazu stehen wir nicht zur Verfügung". Dem Bundespräsidenten spendete Verzetnitsch Lob: "Wir brauchen Zeit, wir brauchen die Einladung von allen. Recht haben Sie, Herr Bundespräsident."

Nach der Verzetnitsch-Rede löste sich die Demonstration binnen Minuten auf. Kurz nach Ende der Veranstaltung stoppte allerdings auch der Regen, der den Demonstranten zuvor stundenlang zu schaffen gemacht hatte. Zwischenfälle waren vorerst nicht bekannt. Insgesamt hatten über 100.000 Menschen an der Demonstration teilgenommen.

Frauen verärgert
"Diese Regierung sagt von sich, sie sei die familien-freundlichste Regierung, die Österreich je hatte - und dann kassiert sie bei ihrer sogenannten 'Pensionssicherung' am meisten bei den Müttern ab", leitete ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits ihr Statement ein. Die Ausweitung des Durchrechnungszeitraums von den besten 15 auf 40 Jahre - ohne entsprechende Aufwertung weiter zurückliegender Arbeitsjahre und von Phasen der Teilzeitarbeit - habe zur Folge, dass Frauen zu den größten VerliererInnen der sogenannten "Pensionssicherung" der Regierung zählen.

Sallmutter ruft zum Kampf auf
GPA-Chef Sallmutter forderte bei der Auftaktveranstaltung am Westbahnhof Bundeskanzler Schüssel auf, den Pensionsentwurf zurückzuziehen, "sonst werden wir geschlossen kämpfen".

Bei seiner Rede erhielt der GPA-Chef auch noch Unterstützung von "oben": seinen kämpferischen Worten folgte ein heftiger Donnerschlag. Sallmutter zeigte sich überwältigt, dass trotz des "Sauwetters" so viele Demonstranten "gewissenhaft" den Weg ins Freie gefunden hätten. Dieses Zusammenstehen ist für den GPA-Chef auch Voraussetzung dafür, dass man die Regierung zum Einlenken bringen kann.

Verkehrschaos in Wien
Nicht nur die Gewerkschaftsproteste und die begleitenden Straßensperren lösten am Dienstagabend in Wien ein veritables Verkehrschaos aus: Die Hagelschauer, starker Regen und die darauf folgenden Überflutungen - Straßen und Unterführungen standen stellenweise unter Wasser - taten das Ihrige dazu. (red, ögb, apa)