ÖGB auch ohne BAWAG-Skandal in Krise: Mitgliederzahl ging 2005 weiter nach unten

Überdurchschnittlicher Verlust im ÖGB bei Frauen Tendenz gebremst. Trendwende aber nicht absehbar

Schon vor Ausbrechen der BAWAG-Krise hat sich im ÖGB der Mitgliederschwund kaum gebremst fortgesetzt, ergibt die Statistik für das Jahr 2005. Demnach waren im Vorjahr 1,335.421 Arbeitnehmer im ÖGB organisiert, was einem Minus von 22.512 Personen oder 1,66 Prozent entspricht. Insgesamt hat der Gewerkschaftsbund damit alleine in den letzten fünf Jahren etwa 86.000 Mitglieder verloren.

Einziger Trost für die Gewerkschaft: Im Vergleich zu 2004 hat sich der Schwund ein klein wenig gebremst. Vor zwei Jahren waren dem ÖGB mehr als 27.000 Mitglieder oder zwei Prozent abhanden gekommen.

Gut ist das Jahr 2005 für die Privatangestellten-Gewerkschaft verlaufen. War die GPA noch 2004 der Hauptverlierer, hat man im vergangenen Jahr um etwa 700 Mitglieder zulegen können und ist mit einem Gesamtstand von 277.015 weiter klare Nummer eins. Ein zartes Plus von etwa 380 Mitgliedern verzeichnete auch die Beamtengewerkschaft, damals mit 229.879 GÖDlern noch die Nummer zwei in der Hierarchie. Der dritte große Block, die Metaller, verlor rund 350 Mitglieder, blieb mit 202.477 aber noch über der magischen 200.000er-Marke. Der Fusionspartner ANG verlor im letzten Jahr des Bestehens gleich fünf Prozent und endete statistisch bei 34.194 Mitgliedern.

Noch schlechter als für die ANG sah es nur für die Mini-Gewerkschaft Kunst-Medien-Sport-Freie Berufe aus, die 7,8 Prozent verlor und gerade noch 10.191 Mitglieder hatte, sich also der Vierstelligkeit nähert, sollte der Trend anhalten. Einbußen von mehr als drei Prozent gab es auch noch bei der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft (minus 4,1), der Bau/Holz (minus 3,5), der Post (minus 3,1), der HTV (Hotel-Transport-Verkehr) (minus 3,1) sowie bei den Eisenbahnern (minus 3,1) und den Druckern (minus 3,0).

Überdurchschnittlich fiel der Verlust im ÖGB auch bei den Frauen aus. Mehr als 9.000 kehrten der Gewerkschaft den Rücken, was einem Minus von zwei Prozent entspricht. Die 441.135 Frauen machen damit nur noch 33 Prozent der Gesamtmitglieder aus.

Die Leitende ÖGB-Sekretärin Roswitha Bachner konnte der Statistik trotz der Einbußen etwas Positives abgewinnen, nämlich dass der Verlust "etwas gebremst" worden sei. Als Hauptgrund für die anhaltenden Einbußen sieht sie den Jobabbau vor allem im öffentlichen Dienst. Hinzu käme, dass es noch immer weiße Flecken gebe, in denen es keine entsprechenden gewerkschaftlichen Strukturen gebe. Um dieses Problem anzugehen, werde man die ganze Kraft aufwenden, versicherte Bachner gegenüber der APA.

Insgesamt sieht die Zentralsekretärin die Situation für die Zukunft allerdings nicht allzu rosig. Die Arbeitswelt verändere sich, es gebe immer weniger Betriebe im großindustriellen Bereich, wo die Organisation leichter falle, zusätzlich steige die Zahl der atypisch Beschäftigten. Trotzdem glaubt Bachner daran, dass es in den nächsten Jahren machbar wäre, wieder einmal ein Plus bei den Mitgliedern zu lukrieren. 2006 mit dem BAWAG-Skandal scheint freilich auch der Zentralsekretärin nicht unbedingt der Zeitpunkt zu sein, um solche Hoffnungen zu pflegen: "Da wäre ich Utopistin."

Zahlen für 2006 zu bekommen gestaltete sich bei einem APA-Rundruf durch die Gewerkschaftszentralen als unmöglich - gemauert wird im "ÖGB neu" ebenso gut wie im alten ÖGB. Bachner sprach von "massiven Einbrüchen" in einzelnen Bereichen. Die meisten Gewerkschaften schwiegen überhaupt, die Beamten empfinden die Entwicklung als "eher normal", auch bei der Tourismus-Gewerkschaft sieht man sich "am gleichen Stand wie im letzten Jahr". (apa/red)