EM 2016 von

ÖFB-Teamspieler nutzen auch in Frankreich soziale Medien

"Social-Media-König" David Alaba © Bild: APA

Seit der Ausbreitung der sozialen Medien müssen sich Fußball-Profis nicht nur auf dem Rasen gut präsentieren. Ein starker Auftritt auf Twitter, Facebook und Co. ist für einen im Rampenlicht stehenden Kicker fast genauso wichtig geworden. An gewisse Regeln müssen sich aber auch die ÖFB-Teamspieler bei der EM in Frankreich halten. Das hat diese Woche bereits David Alaba zur Kenntnis nehmen müssen.

Der Bayern-Star ist Österreichs mit Abstand meistgeklickter Sportler in der Online-Welt. Mehr als 3,3 Mio. Usern gefällt seine Facebook-Seite, fast eine Million User folgen Alaba auf Twitter. Seinen im Instant-Messaging-Dienst Snapchat versendeten Fotos und Videos aus dem EM-Teamhotel "Moulin de Vernegues" schob der ÖFB aber einen Riegel vor.

Inhalte aus sensiblen Bereichen wie etwa der "Players Lounge" oder den Zimmern sollen nicht an die Öffentlichkeit dringen. Eine dahingehende Besprechung mit den Spielern fand nach der Ankunft in Frankreich statt. "Es gibt einen Kodex", hatte Teamchef Marcel Koller bereits im Vorfeld angekündigt. Auf Details wollte er aber nicht eingehen.

Prinzipiell hat der Schweizer kein Problem mit dem Mitteilungsbedürfnis seiner Schützlinge - immerhin ist er selbst in den sozialen Medien äußerst aktiv. So viele Menschen wie Alaba erreicht Koller über diese Kanäle zwar noch lange nicht. Allerdings hat auch die Facebook-Seite des 55-Jährigen bereits rund 100.000 Likes.

Koller postet im sozialen Netzwerk fast täglich Fotos, Videos oder Informationen rund um seine Trainertätigkeit - von Beobachtungsreisen bis hin zu offiziellen Terminen. Seit Bildern von der Ankunft in Frankreich hat er bisher aber nur Beiträge der offiziellen Nationalteam-Seite geteilt. Die Vorbereitung auf das erste EM-Spiel am Dienstag gegen Ungarn steht offensichtlich im Mittelpunkt.

Auch seine Spieler scheinen sich zurückzuhalten. Selbst Christian Fuchs, ein passionierter Onliner, hat das bisher letzte Foto bereits bei der Abreise gepostet. In den vergangenen Monaten aber versorgte der Teamkapitän seine Fans mit zahlreichen Beiträgen aus seiner Wahlheimat Leicester - zumeist unter dem Motto "No Fuchs given", was sinngemäß so viel wie "sich nichts pfeifen" bedeutet.

Via Social Media informiert der ÖFB-Kapitän nicht nur über die Erlebnisse bei den "Foxes", sondern bewirbt auch seine Modelinie oder Fußball-Camps. Am 2. Mai schaffte es ein Twitter- und Facebook-Eintrag des Niederösterreichers sogar auf die größten Nachrichten-Portale der Welt. Unmittelbar nachdem der Sensationsmeistertitel festgestanden war, veröffentlichte Fuchs ein Jubel-Video der im Haus von Teamkollege Jamie Vardy feiernden Leicester-Mannschaft.

Alaba ist noch einen Schritt weiter. Der 24-Jährige setzt mittlerweile verstärkt auf den vor allem bei der jungen Generation beliebten Dienst Snapchat, bei dem sich die Inhalte nach einer gewissen Zeit selbst löschen. Mehrmals waren dort für seine Abonnenten zuletzt kurze Videos verfügbar - etwa von der Busfahrt zum ÖFB-Training.

Der Wiener bedient aber auch Facebook und Twitter. In seinem Titelbild prangt jeweils prominent die Internet-Adresse seines persönlichen Online-Shops. Die Inhalte sind vielfältig. Sie reichen von Schnappschüssen vom Trainings- und Spielbetrieb der Bayern über Fotos mit Werbepartnern bis hin zu Bibelsprüchen.

Marc Janko geht etwas anders vor. Der Stürmer ist zwar ebenfalls starker Social-Media-Nutzer. "Aber ich probiere, die ganzen Postings nur auf den Sport zu beziehen. Über mein Privatleben wird man nahezu nie etwas lesen", erklärte der 32-jährige Familienvater. "Ich werde nie posten, wenn ich aufs Klo gehe oder Pizza mache. Das ist mir einfach zu intim, das möchte ich auch nicht preisgeben."

Für das allzu große Mitteilungsbedürfnis mancher Kicker hat Janko nur wenig Verständnis. "Es gibt Spieler, die posten zu jedem Rülpser etwas, das möchte ich nicht." Der Goalgetter hat mit seiner Strategie immerhin etwas mehr als 100.000 Facebook-Fans. Die Nummer zwei im ÖFB-Team ist Marko Arnautovic. Der Stoke-Legionär kommt auf über 300.000 Likes.

Bei Spielmacher Zlatko Junuzovic sind es nicht ganz 120.000. Über Gebühr ist Junuzovic zwar nicht aktiv. "Aber es gehört auch dazu. Die Fans wollen auch einen Teil davon mitkriegen, wie es im Hintergrund abläuft, wie wir Erfolge feiern und auch mit Niederlagen umgehen", meinte der 28-Jährige von Werder Bremen.

Dass die Präsenz in sozialen Medien auch negative Seiten haben kann, ist ihm bewusst - etwa bei bösartigen Postings. "Ab und zu ist es schon grenzwertig und geht auch unter die Gürtellinie", sagte Junuzovic. "Da muss man schon aufpassen und kontrollieren. Es ist ja nicht so, dass alles super ist, und dass alle glücklich sind, wenn du etwas postest."