ÖFB-Team verlässt Paris mit erhobenem Haupt: Österreich unterliegt Frankreich 0:1

Gegen Vize-Weltmeister achtbar aus Affäre gezogen Entscheidender Treffer aus fragwürdigem Freistoß

ÖFB-Team verlässt Paris mit erhobenem Haupt: Österreich unterliegt Frankreich 0:1

Die österreichische Nationalmannschaft hat im Testspiel gegen Frankreich ihre Haut teuer verkauft, aber dennoch eine 0:1-Niederlage kassiert. Frankreichs Team-Debütant Benzema besiegelte in St. Denis mit seinem Treffer in der 50. Minute den Heimsieg, der zum Tor führende Freistoß war allerdings umstritten.

Der "zweite Anzug" von Vizeweltmeister Frankreich agierte zwar technisch stark und feldüberlegen, kam jedoch aus dem Spiel heraus nur zu wenigen klaren Möglichkeiten. Die Österreicher, Josef Hickersberger agierte zum insgesamt 40. Mal als Teamchef, präsentierten sich im Stade de France, WM-Final-Stadion 1998, defensiv solide und "brav", im Spiel nach vorne ging jedoch erneut nicht viel. Die beste Chance vergab Kapitän Ivanschitz (10.).

Seit dem 0:1 in Basel am 6. September 2006 gegen Venezuela war die ÖFB-Truppe zuletzt in fünf Spielen gegen Liechtenstein (2:1), die Schweiz (2:1), Trinidad und Tobago (4:1), Malta (1:1) und Ghana (1:1) ungeschlagen geblieben. Der bis dato letzte Österreich-Sieg gegen die Franzosen bleibt weiterhin das 1:0 im Oktober 1970 in Wien.

Die Franzosen befinden sich spätestens seit dem Vize-Weltmeistertitel 2006 endgültig im Umbau Richtung EM 2008 und WM 2010. Von den "großen Namen" waren im Test gegen Österreich lediglich Coupet, Thuram, Cisse oder Anelka zu sehen, dennoch bot Raymond Domenech eine sehr brisante und vor allem hoch motivierte jungen "zweiten Anzug" auf. Debütanten gab es bei den Franzosen drei zu sehen, nämlich den "neuen Zidane" Nasri sowie nach der Pause Torschütze Benzema sowie Piquionne. Bei den Österreichern debütierte der Mattersburger Atan in den letzten zehn Minuten.

Frankreich geht auf Fuchs-Jagd
Im Gegensatz zum äußerst mühevoll erkämpften 1:0 in der EM-Quali in Litauen, wo Anelka die einzige Spitze war, trat man im heimischen Stade de France mit einem klassischen und offensiv ausgerichteten 4-4-2-System an. Dementsprechend schwungvoll ging es auch los. Ein Escude-Kopfball (1./daneben) eröffnete die Sturm- und Drangphase gegen die wie erwartet tief stehenden Österreicher, die allerdings die erste Großchance der Partie vorfanden: Nach Linz-Pass zog Ivanschitz davon, seinen Schuss fischte Barthez-Nachfolger Coupet aus dem langen Eck (10.). Referee Briakos entschied jedoch auf Abstoß.

Gefährlich wurde es für Macho und Co. vor allem immer wieder über die linken Defensivseite der Österreicher. Linksverteidiger Fuchs erwischte einerseits einen schwachen Tag, andererseits wurde er auch vom viel zu offensiv werkenden Leitgeb mehrmals im Stich gelassen. Der immer wieder aufrückende rechte französische Außenverteidiger Clerc hatte seine "Gaudi" und wurde dabei vom starken Anelka unterstützt.

Umstrittene Entscheidung führt zum Tor
Hiden rettete bei einem Clerc-Stanglpass (von rechts/4.), Nasri kam nach Clerc-Hereingabe (von rechts) zum spektakulären Seitfallzieher-Schuss (19.) und Cisse zog nach Anelka-Pass (von rechts) ab (23./jeweils daneben). Wirklich eingreifen musste Macho gegen die kombinationssicheren Franzosen jedoch erst bei einem zentral geschossenen Diarra-Hammer aus 25 Metern (36.). Die Österreicher kombinierten zwar recht gefällig, kurz vor dem Strafraum der "Blauen" verließ sie jedoch meist der Mut.

Ein umstrittener Freistoß ermöglichte den Hausherren die ersehnte Führung. Nach einer Attacke von Fuchs an Clerc entschied der Referee ursprünglich auf Abstoß, ließ sich jedoch von seinem Assistenten "overrulen". Debütant Nasri spielte den Freistoß nahe der Toroutlinie in den Rücken der ÖFB-Abwehr, dort wartete Debütant Benzema und dieser schoss trocken und flach ins rechte Eck ein (50.).

Den Treffer zum 2:0 hatten die Franzosen bei Schüssen von Anelka (63.) und Nasri (64./jeweils knapp am kurzen Eck vorbei) auf dem Fuß. Österreich hatte hingegen offensiv überhaupt nichts mehr zu bestellen.

(apa/red)