ÖFB-Nationalteam von

Kollers erster Kader

Der neue Teamchef präsentiert sein Aufgebot für das Länderspiel in der Ukraine

ÖFB-Nationalteam - Kollers erster Kader

Die großen Überraschungen sind bei der Nominierung des ersten Kaders von Neo-Teamchef Marcel Koller wie erwartet ausgeblieben. Der Schweizer setzt im Fußball-Testspiel am 15. November in Lwiw (Lemberg) gegen die Ukraine größtenteils auf jene Mannschaft, die zuletzt in der EM-Qualifikation im Einsatz gewesen ist. Mit den Austrianern Florian Mader und Heinz Lindner holte Koller nur zwei Neulinge in den Kader. Dafür baute der Neo-Teamchef im Trainerstab kräftig um.

Mit der Einberufung Lindners wurde der wohl beste Beweis dafür geliefert, unter welch großem Tormann-Problem die ÖFB-Auswahl derzeit zu leiden hat. Der 21-Jährige ist bei seinem Club derzeit nur die Nummer zwei hinter dem ebenfalls fürs Team nominierten Pascal Grünwald (3 Länderspiele), der aufgrund einiger Unsicherheiten in den vergangenen Wochen seinen Stammplatz bei der Austria an Lindner verlieren könnte.

Der dritte ÖFB-Keeper Robert Almer, so wie Lindner noch ohne Länderspiel-Einsatz, sitzt in der 2. deutschen Liga bei Fortuna Düsseldorf nur auf der Bank. Rapid-Schlussmann Helge Payer steht im Gegensatz zu Jörg Siebenhandl (Wr. Neustadt) nicht einmal auf der Abrufliste, Jürgen Macho (Panionios) und Christian Gratzei (Sturm Graz) sind verletzt.

Gebauer könnte für ÖFB spielen
Eine neue Option könnte sich auftun, sobald Rieds Thomas Gebauer im Besitz des österreichischen Passes ist. Das diesbezügliche Verfahren ist auf Bestreben der Innviertler und mit Unterstützung des ÖFB bereits im Laufen. "Es ist möglich, dass er dabei ist, wenn das alles abgeschlossen ist", sagte Koller.

Der Schweizer wird sich ohnehin noch länger mit der ungelösten Einserfrage herumschlagen müssen. "Wir haben viele verletzte Tormänner und solche, die nicht spielen. Da hat man sicher eine schwierige Situation", gab Koller zu. "Aber es ist nicht immer der Goalie schuld, er kann nicht immer das ärmste Schwein sein. Alle zehn Feldspieler müssen für den Tormann arbeiten, genauso erwarte ich vom Tormann, dass er das Spiel schnell macht, wenn wir zum Ball kommen."

Wer aus dem Tormann-Trio gegen die Ukraine zwischen den Pfosten stehen wird, ließ Koller offen. "Ich schaue sie mir im Training an und werde dann entscheiden", meinte der Schweizer, der am Freitag in Düsseldorf ein Gespräch mit Almer führen wird. Grünwalds Patzer beim 2:2 am Sonntag gegen Kapfenberg bezeichnete Koller als "unglücklich", von Lindner hat der Neo-Teamchef eine hohe Meinung. "Ich habe ihn in der U21 gesehen, da hat er einen guten Eindruck gemacht. Er wird aber nicht bei mir aufgebaut, sondern beim Verein."

A-Team vor U-21
Durch die Nominierung Lindners muss U21-Teamchef Andreas Herzog in den wichtigen EM-Qualifikations-Partien gegen Bulgarien am 10. und 15. November sowohl auf seinen Stammkeeper als auch auf den ebenfalls ins A-Team berufenen Rapid-Flügelspieler Christopher Drazan verzichten. "Das ist mit Herzog abgesprochen. Grundsätzlich ist das A-Team das Entscheidende", betonte Koller.

Der zweite Neuling im aktuellen ÖFB-Kader empfahl sich mit einer starke Leistung im Derby gegen Rapid für das Nationalteam. "Mader hat sich in diesem Match als auffälliger Spieler präsentiert, der technisch gut ist und den Ball gut verteilen kann", meinte Koller. Bereits am Donnerstag im Europa-League-Match zwischen Austria und Alkmaar wird der Nationaltrainer wieder in der Generali Arena Platz nehmen, um sich von Maders Qualitäten zu überzeugen.

Im Gegensatz zum Austria-Mittelfeldspieler hat so mancher Legionär bei seinem Club keinen Stammplatz - dennoch ist ein Reservistendasein beim Verein nicht unbedingt ein Ausschließungsgrund vom Nationalteam. "Wenn man sagt, es müssen alle spielen, kann man bei jedem Lehrgang ein neues Team zusammenziehen", sagte Koller.

Lob für Arnautovic
Die Ersatzbank droht unter anderem Marko Arnautovic, der in den vergangenen Wochen wegen seiner Sperre ohnehin zum Zuschauen verurteilt war. Dennoch kam es für Koller nicht infrage, auf den eigenwilligen Werder-Stürmer zu verzichten. "Ich habe mit ihm in Bremen gesprochen. Es war wichtig, ihn als Mensch kennenzulernen. Er ist ein hervorragender Fußballer, der eine große spielerische Qualität hat. Solche Spieler brauchen wir."

Arnautovic ist laut Koller ein "angenehmer Mensch, der seine Linie hat". Genau diese Linie sorgte zuletzt mannschaftsintern aber oft für Spannungen. "Es wird meine und unsere Aufgabe sein, ihn so führen zu können, dass wir sagen können, es ist okay", formulierte es der Nationaltrainer.

Beim Treffen mit Koller bekam Arnautovic einen achtminütigen DVD-Zusammenschnitt seiner gelungenen Aktionen zu sehen. "Ich habe ihm nur positive Dinge gezeigt. Vielleicht braucht er jemanden, der ihm sagt, was er gut macht", vermutete der Teamchef.

Garics wird beobachtet
Zuspruch gab es auch für György Garics - der von Dietmar Constantini aus dem Team geworfene Bologna-Legionär, der erst kürzlich nach einem Kreuzbandriss sein Comeback gab, steht bei Koller unter Beobachtung. Für eine Einberufung sei es allerdings noch zu früh gewesen, meinte der Teamchef.

Da auch Ekrem Dag wegen einer Verletzung nicht zur Verfügung steht, scheinen mit Christian Fuchs und Florian Klein nur zwei klassische Außenverteidiger, dafür aber sechs Innenverteidiger im Kader auf. "Wir werden den einen oder anderen auf einer anderen Position probieren", kündigte Koller in diesem Zusammenhang an.

Kapitänsfrage offen
In der Kapitänsfrage ließ sich der Schweizer nicht in die Karten blicken. "Im Moment ist das nicht die wichtigste Sache. Marc Janko ist derzeit Kapitän und wird das auch in nächster Zeit sein", sagte Koller. Der Schweizer wird sich während des achttägigen Lehrgangs selbst seine Meinung bilden, wen er als Spielführer am geeignetsten hält.

Auf wen auch immer die Wahl fällt - der betreffende Kicker hat mit einem hohen Maß an Verantwortung umzugehen. "Der Kapitän ist der verlängerte Arm des Trainers. Er soll seine Philosophie tragen und vorne weggehen", lautet das Anforderungsprofil Kollers an den Schleifenträger.

Es könnte aber auch eine Situation wie unter Constantini eintreten, als Janko als Kapitän des öfteren nicht zur Startformation zählte. "Es heißt nicht, dass der Kapitän immer spielt", betonte Koller.

Ab Dienstag mit der Mannschaft
Diese und andere Ansichten wird Koller vor versammelter Mannschaft ab Dienstag kundtun, wenn - um einen Tag früher als ursprünglich unter Constantini mit den Bundesliga-Trainern vereinbart - in Wien der Lehrgang für das Ukraine-Match beginnt. Dabei will Koller seine neuen Schützlinge nicht überfordern. "Ich werde die Spieler nicht mit Informationen vollpacken, und dann gehen sie ins Match und wissen nicht, wo vorne und hinten ist."

Gegen die Ukrainer sei vor allem ein kompaktes Auftreten gefragt. "Sie sind gut organisiert und haben gute Spieler. Es wird wichtig sein, dass wir uns als Einheit präsentieren."

Das Duell mit dem WM-Viertelfinalisten von 2006 in der neu errichteten EURO-2012-Arena bedeutet die erste Nagelprobe für den neuen Teamchef, der schon vorweg um Geduld bat. "Ich bin kein Wunderwuzzi, wir brauchen Zeit. Ich kann in der Ukraine keinen Sieg versprechen, aber wir werden in der Vorbereitung alles dafür tun, um ein gutes Spiel und ein gutes Ergebnis hinzukriegen. Wenn wir verlieren, geht die Welt auch nicht unter. Dann wird es wichtig sein, dass nicht gleich alles infrage gestellt wird", erklärte Koller.

Spätestens bis zum Beginn der WM-Qualifikation im Herbst möchte der Coach eine schlagkräftige Truppe geformt haben. "Wir wollen auf jeder Position doppelt besetzt sein und einen Kader von 30, vielleicht 40 Spielern aufbauen", erklärte Koller wenige Stunden vor seiner Abreise nach München, wo er das Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern (David Alaba) und Napoli beobachtete.

Der Kader
Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/0 Länderspiele), Pascal
Grünwald (Austria/3), Heinz Lindner (Austria/0)

Abwehr: Aleksandar Dragovic (FC Basel/14), Christian Fuchs
(Schalke/46/1 Tor), Florian Klein (Austria/10), Georg Margreitter
(Austria/0), Manuel Ortlechner (Austria Wien/7), Emanuel Pogatetz
(Hannover/46/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/31/3), Franz Schiemer
(Salzburg/21/4)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/15), Julian Baumgartlinger
(Mainz/17), Christopher Drazan (Rapid/3), Andreas Ivanschitz
(Mainz/51/8), Zlatko Junuzovic (Austria/16/1), Veli Kavlak
(Besiktas/14), Florian Mader (Austria/0), Christopher Trimmel
(Rapid/3)

Angriff: Marko Arnautovic (Werder Bremen/15/5), Martin Harnik
(Stuttgart/27/6), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt/27/4), Marc Janko
(Twente Enschede/23/9)

Auf Abruf: Jörg Siebenhandl (Wiener Neustadt/0) - Christopher Dibon (Admira/1/1), Markus Suttner (Austria/0), Jakob Jantscher
(Salzburg/9/1), Stefan Kulovits (Rapid/5), Daniel Royer (Hannover/6),
Stefan Schwab (Admira/0), Manuel Weber (Sturm Graz/1), Philipp
Hosiner (Admira/1), Roman Kienast (Sturm Graz/11/1), Stefan
Maierhofer (Salzburg/19/1)

Kommentare

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Kader interessant... von den Spielern, die in Österreich spielen, wurden nur Spieler der Austria und von Rapid genommen.... bei denen auf Abruf auch nur von 2 anderen Mannschaften...

huginator melden

Re: Kader Den Franz Schiemer hast du übersehen.

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Re: Kader stimmt! hast recht ;-) trotzdem find ich es a bissel komisch...

Tormänner? Die Goalie-Auswahl kann aber bestenfalls dazu dienen, die Verteidiger zu motivieren.

Ich halte dem Markus Suttner alle Daumen das er endlich sein erstes Länderspiel spielen darf.

Er hätte durch wirklich konstant gute Leistungen diesen Einsatz wirklich verdient.

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