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Sturm Graz bangt um Europa

Fans stinkesauer, Trainer Foda verbittert: "War noch nie so enttäuscht"

ÖFB-Cup - Sturm Graz bangt um Europa © Bild: GEPA

Der Selbstfaller von Sturm Graz im Viertelfinale des österreichischen Fußball-Cups hat für große Ernüchterung beim Meister gesorgt. Nach der 2:4-Schlappe gegen Erstliga-Schlusslicht Hartberg droht den in der Bundesliga nur fünftplatzierten "Blackies" die Saison völlig zu entgleiten, der Missmut der Fans ist derzeit garantiert. Dem im Sommer scheidenden Trainer Franco Foda blieb nichts anderes als von einem "bitteren Moment" zu sprechen.

Der Sturm-Anhang war auf eine Darbietung ohne Herz offenbar vorbereitet. Und so wurde bereits gegen Ende der regulären Spielzeit ein Transparent mit eindeutigem Aufforderungscharakter affichiert. "11 Hydranten raus, 11 Löwen rein" hieß es da, zudem hallten "Ihr solltet arbeiten gehen"-Sprechchöre durch die heimatliche UPC-Arena. Allein, die Parolen kamen zu spät. Das vorentscheidende Elfer-Tor durch Lukas Mössner in der 113. Minute bedeutete das K.o.

"Die Fans sind völlig zurecht sauer", erklärte der in der 53. Minute eingewechselte Stürmer Rubin Okotie, der sich als einziger Kicker den Medien stellte. "Wir sind Bundesligist und spielen gegen einen Zweitligisten, und der war heute besser als wir." Sturms neuer sportlicher Geschäftsführer Paul Gludovatz erlebte nur einen Tag nach seinem Amtsantritt ein Trauerspiel. "So darf man sich nicht präsentieren. Mich stört die Körperhaltung, die Emotionslosigkeit. Wenn es nach mir geht, hat sowas am Platz nichts verloren", betonte der Ex-Ried-Trainer.

Foda: "Beschämend"
Eine vergleichbare Cup-Pleite - wenn auch gegen einen noch unterklassigeren Gegner - hatte Sturm zuletzt am 12. September 2006 kassiert. Damals unterlagen die "Blackies" unter Neo-Coach Foda in der ersten Runde dem Landesligisten Kalsdorf mit 0:1 - Foda fand die Vorstellung "beschämend".

Ähnliches kam dem Deutschen auch am Mittwoch über die Lippen. "Das war Sturm unwürdig. Wir haben vom Torwart bis zum Stürmer zu wenig in das Spiel investiert. Ich bin jetzt sechs Jahre Sturm-Trainer, aber so enttäuscht wie heute hat mich die Mannschaft nie. Ich muss mich bei allen entschuldigen", erklärte der 45-Jährige, der die Schlappe bis Samstag aus den Köpfen bekommen muss. Da ist ein Heimsieg gegen Salzburg fast Pflicht, wenn man noch in den Europacup kommen will.

Moniz mit "lauten Worten" zur Halbzeit
Salzburg wiederum blieb wie der Wiener Austria dank eines hart erarbeiteten Sieges eine Blamage erspart. Trainer Ricardo Moniz musste beim letztlich klaren 4:1 über die eigenen Amateure bis zum Finish bangen. "Ich kann nur mit der letzten Phase des Spiels zufrieden sein", erklärte der Niederländer, sein Mittelfeldmann Georg Teigl sah es ähnlich. "Die erste Hälfte war einfach mies", sagte der Niederösterreicher, der vor einem Jahr selbst noch ein "Junior" gewesen war. In der Pause hätten "laute Worte" aber die Mannschaft aufgerüttelt. "Dann haben wir teilweise die richtige Antwort gegeben."

Die Wiener Austria setzte sich beim Vorjahresfinalisten Austria Lustenau mit 2:1 durch, musste nach einer 2:0-Führung aber fast eine halbe Stunde lang zittern - immerhin steht der Rekordcupsieger (27) erstmals seit drei Jahren wieder im Halbfinale. "Wir haben gewusst, dass das Spiel auch nach einer 2:0-Führung noch nicht entschieden ist. Das Wichtigste für mich war, dass wir weiterkommen", stellte "Veilchen"-Coach Ivica Vastic vier Tage vor dem Wiener Derby gegen Rapid lapidar fest.

Während die Gäste spielerisch kaum zu gefallen wussten, setzten sich die Vorarlberger, die in der Erste Liga im Aufstiegskampf mitmischen, immer wieder gut in Szene und bedauerten folglich auch die vergebene Chance. "Die Austria hat cleverer und effizienter gespielt", sagte Trainer Helgi Kolvidsson. Antreiber Sascha Boller machte auch ein mentales Problem aus: "Wir haben am Anfang ein bisschen zu viel Respekt gehabt."