ÖFB-Arzt hofft auf Eigenverantwortung:
Spry-Programm fungiert als Hilfestellung

Schopp: "Es liegt an der persönlichen Einstellung" Teamspieler erfreut über Auswertung ihrer Daten

ÖFB-Arzt hofft auf Eigenverantwortung:
Spry-Programm fungiert als Hilfestellung

"Big Brother" hat Einzug gehalten im österreichischen Fußball-Teamcamp in Schruns. Auf Schritt und Tritt werden die ÖFB-Internationalen im Training überwacht, und das sogar mittels Peilsendern. Jeder Kicker trägt auf dem Platz ein GPS-Gerät, mit dem genau festgestellt werden kann, wie viele Kilometer er in der jeweiligen Einheit zurücklegt, und bekommt eine Pulsuhr umgeschnallt, die den Grad der Belastung anzeigt.

Spielerproteste gegen die Kontrollmaßnahmen gibt es freilich keine, ganz im Gegenteil: Ivanschitz und Co. sind erfreut über die Auswertung ihrer Daten, schließlich weisen die Ergebnisse den Weg zu einer Leistungs-Optimierung für jeden Einzelnen. Teamarzt Dr. Ernst Schopp weiß über die Schwellenwerte der Kicker Bescheid und erkennt dank der Pulsuhren, die er schon seit dem Amtsantritt von Teamchef Josef Hickersberger Anfang 2006 verwendet, inwieweit ein Spieler beansprucht wurde.

Weitere Erkenntnisse liefern auch die Leistungstests, denen sich die Kicker fast in jedem längeren Teamcamp unterziehen müssen. Die daraus gewonnen Daten geben Aufschluss über die körperliche Entwicklung der Internationalen, bleiben aber geheim. Über den genauen Fitnesszustand einzelner Spieler wollen sich sowohl Hickersberger als auch Schopp nicht äußern.

"Man darf das nicht überbewerten"
Schopp wehrt sich auch dagegen, der körperlichen Verfassung der Spieler zu viel Bedeutung beizumessen. "Man darf das nicht überbewerten. Der physische Bereich ist nur ein Teil des Gesamtzustandes", betonte der Sportmediziner aus dem Burgenland, der schon 1983 erstmals für den ÖFB im Einsatz war. Wichtig sei viel mehr, dass jeder Einzelne die Notwendigkeit erkenne, an sich selbst zu arbeiten. "Es ist ja im ganzen Leben so, dass es an der persönlichen Einstellung liegt", meinte der 52-Jährige.

Spry-Programm als Hilfestellung von ÖFB-Seite
Vor diesem Hintergrund müsse man auch die Trainingsprogramme sehen, die Roger Spry den Teamspielern wöchentlich verordnet. Für Schopp sind diese Übungen eine "Hilfestellung von ÖFB-Seite", zu kontrollieren, ob das Programm auch absolviert wurde, sei ohnehin unmöglich. Dies sei aber auch nicht der entscheidende Punkt. "Es geht nicht darum, dass ich heute 20 und morgen 30 Kniebeugen mache. Es geht darum, dass jeder für sich selbst erkennt, worum es geht. Wir müssen bei den Spielern das Bewusstsein schaffen, dass sie sagen: 'Ich will alles.'"

(apa/red)