ÖFB Aleksandar Dragovic von

Zur Schweizer "Staatsaffäre"

Marcel Koller im Teamcamp zu "unglücklichen Aussagen" von Aleksandar Dragovic

ÖFB Aleksandar Dragovic - Zur Schweizer "Staatsaffäre" © Bild: GEPA/Pranter

ÖFB-Teamchef Marcel Koller hat große Erwartungen in das Trainingscamp in Seefeld, das hat der Schweizer auf seiner ersten Pressekonferenz in Tirol noch einmal bestätigt. Mit 25 Spielern bereitet sich der 51-Jährige auf die kommende WM-Qualifikation vor, auf dem Programm stehen auch zwei Testspiele gegen die Ukraine (1. Juni) und Rumänien (5. Juni) in Innsbruck. Über die Schweizer "Staatsaffäre" um seinen Abwehrspieler Aleksandar Dragovic wollte der Teamchef nicht wirklich Stellung beziehen. Die neue Aufregung habe Koller nach eigenen Aussagen noch gar nicht mitbekommen, er erklärte jedoch: "Wenn er diese Aussage gemacht hat, dann ist sie etwas unglücklich." Dragovic hat sich unterdessen beim Schweizer Sportminister Ueli Maurer persönlich entschuldigt.

Bei der Übergabe des Pokals nach dem Cupfinal-Sieg in der Vorwoche hatte der Basel-Verteidiger den Bundesrat von hinten auf den Kopf geschlagen. Doch damit nicht genug: Bei der offiziellen Meisterfeier am Mittwoch machte der 21-Jährige klar, dass dies kein versehentlicher Faux-pas war. Er müsse sich zwar wegen seines Clubs entschuldigen, sagte er, aber innerlich habe es sehr viel Spaß gemacht. Danach hat laut Medienberichten ein Teil der Spieler den Spruch "Hau dr Ueli um" skandiert.

Nun trat der Wiener, begleitet von Basel-Präsident Bernhard Heusler, bei Maurer zum Rapport an. "Dragovic hat sich persönlich beim Sportminister für sein fehlerhaftes Verhalten bei der Übergabe des Pokals nach dem Cupfinal 2012 sowie seine unangemessenen Äußerungen zum Vorfall anlässlich der offiziellen Meisterfeier entschuldigt", hieß es in einer anschließenden Mitteilung.

Maurer habe die Entschuldigung akzeptiert und seinem Wunsch Ausdruck verliehen, dass damit ein Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen werden kann.

"Wo Kahle sind..."
Dass Dragovic erst am Samstag in das Teamcamp in Seefeld einrückt, habe aber mit dieser Aktion nichts zu tun. "Das war schon vorher abgesprochen, weil er am Mittwoch noch einen Termin hatte", bestätigte Koller. "Grundsätzlich ist es etwas anderes, ob man dies im Team macht. Bei einem Staatsoberhaupt ist das etwas anderes, da muss man überlegen, denn wo Kahle sind, sind meistens Politiker in hoher Position", meinte der Eidgenosse.

ÖFB-Team übt Defensivverhalten ein
Koller konzentrierte sich stattdessen voll und ganz auf das kommende Trainingscamp. Nach den ersten Trainingseinheiten bestätigte er, dass alle Spieler hochmotiviert seien. "Ich hoffe, wir können dieses hohe Niveau halten." In den zwölf Tagen werde viel im taktischen Bereich gearbeitet, besonderes Augenmerk werde auf das Defensivverhalten gelegt, individuell und in der Gruppe. "In den beiden Testspielen werden wir sehen, wie weit wir sind, ob wir das eine oder andere schon umsetzen können", betonte der Teamchef.

Dass er nun fast zwei Wochen mit der Mannschaft arbeiten könne, sieht Koller als einen Luxus an. "Es ist ein gutes Gefühl, mit den Spielern am Platz zu arbeiten", meinte Koller und hoffte, dass seine Spieler auch das eine oder andere mitnehmen werden.

Einige Absagen lassen Zeit für Privates
Dass für das Camp gleich zehn Spieler wegen Verletzungen oder privater Termine (Franz Schiemer heiratet) abgesagt haben, berührte Koller zumindest offiziell nicht besonders. "Wir wollten auch andere Spieler kennenlernen. Ich kann jetzt mit diesen über Fußball, aber auch Privates sprechen. Es ist eine Chance für diese Spieler", sagte der Teamchef.

Und Koller hat noch drei weitere "Problemkinder". Christoph Leitgeb kann aufgrund seiner Knieprobleme nicht trainieren. Ob für den Salzburger Mittelfeldspieler noch ein neuer Mann nachnominiert wird, ist offen. Sein Vereinskollege Jakob Jantscher leidet an Schulterproblemen. "Für Trainingseinheiten fitspritzen, das zahlt sich aber nicht aus", betonte Koller. Auch Robert Almer kann aufgrund seiner Oberschenkelblessur nicht mitmachen. In den nächsten Tagen wird entschieden, ob er weiter im Team gepflegt wird, damit er zumindest im zweiten Test gegen Rumänien eingesetzt werden kann.