OECD-Wirtschaftsbericht von

Schwarze Löcher

OECD-Wirtschaftsbericht - Schwarze Löcher © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Der OECD-Wirtschaftsbericht bescheinigt Österreich eine stabile Wirtschaft. Bei der digitalen Transformation und im integrativen Arbeitsmarkt gibt es allerdings noch einiges aufzuholen.

„Österreich hat eine stabile und florierende Wirtschaft.“ Auf den ersten Blick meint es die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchaus gut mit uns: „Auch das Wachstum des Landes hat - bedingt durch die Umsetzung der Steuerreform 2016 und die Erholung des Exportmarktes – weiter zugenommen.“ Doch ganz ohne Kritik kann kein anständiger Bericht auskommen, selbst wenn sie noch sehr vorsichtig beginnt: „Wie in den meisten anderen OECD-Ländern (Anm.: Die OECD hat 35 Mitgliedstaaten, von denen fast alle zu den hochentwickelten Ländern zählen) sinkt jedoch das Wachstumspotenzial bereits seit den 1990-er Jahren.“

116 Punkte

Wenn einmal im Jahr der OECD-Wirtschaftsbericht für Österreich vorgestellt wird, geschieht das mit einigem Aufwand: Der 144-seitige Bericht ist in 116 Punkte gegliedert und mit insgesamt sieben wissenschaftlich ausgewerteten Zahlengruppen garniert. Immerhin will man nichts weniger als einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung und die Wirtschaftspolitik des jeweiligen Landes geben.

Dazu kommen die Empfehlungen der OECD-Experten, die auch „zur Förderung von Wirtschaftsdynamik und Wettbewerb sowie zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts“ dienen sollen, so die stellvertretende OECD-Generalsekretärin, Mari Kiviniemi, bei der Präsentation der Studie am Montagvormittag in Wien. Assistiert wird ihr dabei - entsprechend der Schwerpunktsetzung „Digitalisierung“ des diesjährigen Berichts - von den dafür zuständigen Regierungsmitgliedern, Innovationsminister Jörg Leichtfried und Digitalisierungs-Staatssekretärin Muna Duzdar (beide SPÖ).

Problemfall kleine Unternehmen

Genau diese digitale Transformation ist es aber auch, die bei der OECD dann aber doch Stirnrunzeln erzeugt. Denn in diesem Zusammenhang scheint es aus Sicht der Wirtschaftsforscher in Österreich noch einiges an Handlungsbedarf zu geben: „Die digitale Revolution verläuft weit langsamer als in anderen entwickelten Ländern, vor allem bei kleineren Unternehmen.“ Hier greift die OECD sogar zu Beispielen und erwähnt den Hagenberg Software Park sowie die Österreich-Ableger von Airbnb und Uber als Beispiele für einen entsprechenden Zugang zum Thema.

Aber auch die privaten Haushalte verwenden nach Ansicht der OECD-Experten Informationstechnologie in einem eher unausgewogenem Ausmaß. So hätten Junge und Gutausgebildete keine Probleme, den globalen Trends zu folgen, während die ältere Generation, Schlechtausgebildete sowie Immigranten nachhinken: „Dabei würde eine breite Förderung von State-of-the-art-Technologie auch neue Geschäftsmodelle und Arbeitspraktiken schaffen.“ Dies wiederum hätte Produktivitätsschübe, Wohlstand und einen besseren sozialen Zusammenhalt zur Folge.

Work-Life-Balance

Ähnliches gilt für die angedachte Verbesserung des integrativen Arbeitsmarktes: „Die digitale Transformation verändert auch die Produktionsprozesse und damit die uns bisher bekannten Parameter in der Work-Life-Balance, bei Kapital und Arbeitern, Fach- und Hilfskräften, Reichen und weniger Reichen.“ Auch hier könne die Digitalisierung einiges zur Chancengleichheit beitragen.

Dafür sei es aber notwendig, schreiben die OECD-Experten „schon in der Schule zusätzlich zu traditionellen auch digitale Fähigkeiten zu fördern“. Selbst für Arbeiter sollte lebenslanges Lernen selbstverständlich sein, so die Empfehlung. Außerdem sollte das, was in der Schule gelehrt werde, den Anforderungen des Arbeitsmarktes weit stärker als bisher angepasst werden

Zu diesem Zweck müsste sich allerdings „die Zusammenarbeit der vielen Beteiligten am Bildungssystem deutlich verbessern“, so der mehr als deutliche Hinweis der OECD auch auf die Unstimmigkeiten zwischen den politischen Parteien und Interessenvertretungen. Denn selbst außerhalb unserer Grenzen ist offenbar schon aufgefallen, dass hie und da noch deutliche schwarze Löcher im heimischen Wirtschaftssystem zu sehen sind.

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