OECD-Bildungsstudie von

Bekannte Mängel aufgezeigt

Nach wie vor verfügt Österreich über niedrige Akademikerquote und Aufwärtsmobilität

Eine Lehrerin steht vor einer Volksschulklasse. © Bild: APA/Georg Hochmuth

Geringe Chancen auf Bildungsaufstieg, eine extrem niedrige Akademikerquote, hohe Abschlussraten im Sekundarbereich II (Matura bzw. Lehre), hohe Ausgaben pro Schüler und eine geringe Unterrichtsverpflichtung für Lehrer - das sind einmal mehr einige der wichtigsten Österreich-Resultate der jährlichen OECD-Studie "Bildung auf einen Blick". Und auch heuer wieder sieht sich die Regierung - je nach Detailresultat - am richtigen Weg.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied sah Österreich "auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel", Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle sich in seinem Wunsch nach mehr privaten Mitteln für die Uni bestätigt.

Tatsächlich ist in der 700-Seiten-Studie für jeden etwas dabei: So verfügen in Österreich etwa 82 Prozent der Erwerbsbevölkerung mindestens über einen Abschluss der Sekundarstufe II (OECD-Schnitt: 72 Prozent) - für Schmied ein Beleg für das hohe Bildungsniveau der Bevölkerung. Der Umstand, dass zuletzt der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am BIP fast wieder auf das Niveau des Jahres 1995 gesteigert wurde, ist für sie ein ökonomisch richtiges Reagieren in der Krise. Töchterle wiederum pocht auf mehr private Mittel für die Hochschulen und zieht dafür die OECD-Statistik heran, die Österreich einen extrem niedrigen Anteil bei der privaten Hochschulfinanzierung attestiert.

Keine Verbesserung bei der Akademikerquote

Einige der zentralen Befunde der OECD bleiben jedoch seit Jahren schon gleich: Bei der Akademikerquote hinkt Österreich seit Jahren hinterher und erreicht im Verhältnis auch bei den Jüngeren keine Verbesserung: Vielmehr ortet die OECD die Gefahr, dass Österreich "weiter hinter andere OECD-Länder zurückfallen wird". Bei den 25- bis 34-Jährigen ist dabei die Fallhöhe bereits recht gering: In Österreich verfügen nur 21 Prozent dieser Altersgruppe über einen Hochschulabschluss - schlechter liegt in der OECD (Schnitt: 38 Prozent) nur die Türkei (17 Prozent).

Den Verweis auf ohnehin steigende Absolventenzahlen in Österreich hält OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher für zu kurz gegriffen: "Österreich bewertet sich da aber nur selbst in der eigenen Zeitreihe, ohne zu schauen, was sonst in der Welt passiert: Jeder wird hier besser, Österreich ist da eher langsamer. Man muss sich heute mit den globalen Trends vergleichen."

Teure Schule, geringe Aufstiegschancen

Ebenfalls zum wiederholten Mal zeigt die Studie, dass Österreichs Lehrer im Vergleich mit ihren Berufskollegen in anderen OECD-Ländern kürzer in der Klasse stehen, gleichzeitig aber mehr verdienen. Die allgemein hohen Ausgaben pro Schüler in Österreich begründete Schmied mit der guten Ausstattung der Schulen, dem günstigen Betreuungsverhältnis von Schülern pro Lehrer, dem mittlerweile hohen Durchschnittsalter der Lehrer und der hohen Schuldichte. "Ein Teil dieser Ausgaben ist bewusst gesetzt", so die Ministerin. Umgekehrt belegen die Daten aber auch auf, dass Pädagogen hierzulande im Vergleich mit Akademikern aus anderen Bereichen schlechter bezahlt werden.

Neuer ist der Befund, dass die Chancen auf einen Bildungsaufstieg in Österreich nur gering sind. Hierzulande erreichen nur 26 Prozent aller 25- bis 34-jährigen, die nicht bzw. nicht mehr studieren, einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern - damit liegt Österreich in der OECD an siebentletzter Stelle. Der OECD-Schnitt liegt bei 37 Prozent, in Polen und Irland sind es gar gar 64 bzw. 57 Prozent.

Reaktionen

Die Grünen sehen darin einen weiteren Beleg für die soziale Ungerechtigkeit im österreichischen Schulsystem, die HochschülerInnenschaft (ÖH) hofft auf ein Schrillen der Alarmglocken bei der Regierung, und die Arbeiterkammer fordert die Einführung der Gesamtschule und mehr ganztägige Betreuung. Der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, sieht in einer Aussendung das Festhalten am freien Hochschulzugang bei gleichzeitig ansteigenden Studierendenzahlen ohne deutliche Erhöhung der öffentlichen Universitätsfinanzierung als Ursache für die ungelösten Probleme an den Hochschulen, die Industriellenvereinigung forderte Studiengebühren und Zugangsregeln für die Unis.

Kommentare

Franz Lengauer

am richtigen Weg?
So wie ich das sehe, sind wir weit davon entfernt, diesen Weg auch zu gehen. Das heißt: Wir treten auf der Stelle, weil unsere Vertreter wieder einmal nicht wissen welches die Spreu und welcher der Weizen ist.

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