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OECD: Höhere Zölle könnten Lebensstandard stark senken

Wirtschaftsleistung pro Kopf um 14 Prozent niedriger als bei unveränderten Zöllen

Der Handelskonflikt zwischen den USA und ihren wichtigsten Handelspartnern könnte langfristig zu deutlichen globalen Wohlstandseinbußen führen, zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Werden Zölle erhöht, könnte der Lebensstandard im Jahr 2060 in den am stärksten betroffenen Staaten um bis zu ein Viertel niedriger sein als derzeit erwartet.

Sollten die Zölle etwa auf das Niveau von 1990 steigen, würde die globale Wirtschaftsleistung pro Kopf den OECD-Berechnungen zufolge im Jahr 2060 um 14 Prozent niedriger ausfallen, als wenn es zu keinen Änderungen käme. Am stärksten betroffen wären dabei die Schwellenländer: In der Gruppe der BRIICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika würde das Wirtschaftswachstum mit den eingerechneten Handelsbarrieren um durchschnittlich 18 Prozent tiefer ausfallen. Indien würde den Prognosen zufolge im Jahr 2060 - verglichen zum Szenario mit Zöllen auf heutigem Niveau - sogar um rund ein Viertel ärmer sein.

Auch die Industriestaaten würden mit höheren Zöllen durchwegs schlechter aussteigen. Die Eurozone müsste mit einer um 4,5 Prozent niedrigeren Wirtschaftsleistung rechnen. Österreich liegt mit einem Minus von rund 5 Prozent sogar etwas über dem Schnitt der Währungsunion. Die vergleichsweise niedrigeren Wohlstandseinbußen erklären die OECD-Wirtschaftsforscher damit, dass in den Industriestaaten Handelsbarrieren 1990 bereits weitgehend abgebaut gewesen seien - im Gegensatz zu den Schwellenländern. Aber selbst Länder, deren Einfuhrzölle schon niedrig waren, müssten mit negativen Effekten rechnen, heißt es in der Studie - weil sie über ihre Handelspartner indirekt betroffen wären.

Die Studie zeigt außerdem, dass China im Handelskonflikt deutlich mehr zu verlieren hat als die USA: Während höhere Zölle den erwarteten Lebensstandard in der größten Volkswirtschaft Asiens um 15 Prozent dämpfen dürfte, rechnen die OECD-Ökonomen für die USA mit einem deutlich geringeren, aber immer noch klar negativen Effekt von knapp über fünf Prozent.

In der Realität könnten die Lebensstandards aber noch stärker beeinträchtigt werden als die Studie nahelegt. Das von der OECD berechnete Szenario würde nicht alle möglichen Auswirkungen berücksichtigen, schreiben die Autoren. Tatsächlich würde das Wachstum "wahrscheinlich noch schneller und stärker sinken", weil sich zusätzlich zum in der Studie berücksichtigten Rückgang des internationalen Handels auch niedrigere Investitionen negativ auswirken würden.

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