ÖBB fuhren 340 Mio. Euro Verlust ein: Kern legt härtere Sanierungsmaßnahmen vor

FORMAT: Vorläufige Zahlen für Vorjahresabschluss RCA muss Zahl ihrer Beteiligungen auf 56 halbieren

ÖBB fuhren 340 Mio. Euro Verlust ein: Kern legt härtere Sanierungsmaßnahmen vor © Bild:

Die Rail Cargo Austria (Güterverkehr) hat 2010 einen Verlust von rund 350 Millionen Euro eingefahren. Das berichtet das Magazin FORMAT in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich dabei auf die vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss 2010. Personenverkehr und Infrastruktur AG kommen zusammen auf einen Gewinn (vor Steuern) von zehn Millionen. Das Gesamtergebnis des ÖBB-Konzerns wird daher bei ungefähr 340 Millionen Verlust liegen - ein paar Millionen auf oder ab hängen noch von Bewertungsfragen mit den Wirtschaftsprüfern ab.

ÖBB-Boss Christian Kern hat aufgrund dieser Situation dem Aufsichtsrat auch ein Sanierungsprogramm für den Güterverkehr mit noch härteren Maßnahmen vorgelegt. "Die ÖBB zu sanieren heißt, die RCA zu sanieren", sagt Kern, der offenbar entschlossen ist, sich mit seinen Plänen auch mit Politik, Gewerkschaft und der eigenen Führungsmannschaft anzulegen. Denn das Programm birgt eine Menge Sprengstoff.

Verlagerung auf die Straße
Der brisanteste Punkt laut FORMAT: Die ÖBB werden sich von 40 Prozent des besonders defizitären Stückgut-Transports trennen - und auf die Straße verlagern. In den nächsten Tagen wird eine Ausschreibung für sieben Millionen LKW-Straßenkilometer an Frächter hinausgehen. Bislang lag das ÖBB-Volumen in diesem Bereich bei 18 Millionen Kilometern.

Die Verlagerung auf die Straße widerspricht zwar den Intentionen der Regierung, doch Kern argumentiert, in der RCA gehe es jetzt nicht um verkehrspolitische Entscheidungen, sondern um "das Überleben des Unternehmens". Die zuständige Ministerin Doris Bures ist zwar wenig erfreut, räumt FORMAT gegenüber aber ein, "dass die RCA ihre Kosten senken und ihre Ertragssituation verbessern muss".

Job-Abbau
Bis 2016 werden im Güterverkehr und bei Technischen Services 3.000 von derzeit 16.500 Stellen abgebaut. 600 Leute werden in den ÖBB-internen Arbeitsmarkt verschoben. Das Äquivalent von 700 Vollzeitkräften wird in Form von Überstunden reduziert. 150 Leasingkräfte müssen das Unternehmen verlassen. Der große Rest wird über natürlichen Abgang wegfallen. 2011 wird die RCA, inklusive Ungarn, 520 Stellen streichen.

Halbierung der Beteiligungen
Laut dem FORMAT-Bericht muss die RCA die Zahl ihrer 108 Beteiligungen mehr als halbieren. 56 Töchter werden liquidiert, verkauft oder fusioniert. Zwei Beispiele: Die Wiener Dolphin Shipping (Seefracht) steht zum Verkauf, die chronisch defizitäre Intercontainer Austria wird in die RCA eingegliedert.

Noch mehr Infos zum Thema finden Sie in FORMAT 7/2011!

Kommentare

christian95 melden

Geht´s noch ein wenig blöder? Lopatka (ÖVP) verlangt rasche Kostensenkungen von der Bahn. Daher transportiert die Bahn in Zukunft 40% ihres Güterverkehrs auf der Straße! Damit wird wiederum viel schädliches CO2 und Feinstaub produziert! Später drohen uns Strafzahlungen in Mio Höhe nach Brüssel...

Weiß diese SPÖ/ÖVP Bundesregierung überhaupt noch was sie tun?

Berndorferbaer melden

Re: Geht´s noch ein wenig blöder? christian, ich kann da nur den kopf schütteln. was kommt jetzt auf die schiene? was auf die straße? oder was kommt überhaupt wo hin?
die einen schreien, den gütertransport auf die schiene, die bahn, von der schiene auf die straße!
also, wenn das die neue führung wird, oder ist, na prost malzeit.
da gehören wirklich alle in den arsch getreten!

christian95 melden

Das erinnert mich an einen Beitrag vor ein par Tagen: "Alles was nur ein wenig nach Arbeit riecht wird bei der ÖBB ausgegliedert". Da dürfte jemand die ÖBB ganz gut kennen.

Berndorferbaer melden

Re: Geht´s noch ein wenig blöder? sehr sehr gut!!!

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Re: Geht´s noch ein wenig blöder? ich warte nur noch ab, bis die regierung eine öbb steuer bei den steuerzahlern einhebt, aber nur bei den steuerzahlern die maximal 2500 netto pro monat verdienen.

Berndorferbaer melden

Re: Geht´s noch ein wenig blöder? @obersklave!
i mein, daß so ein betrieb geld kostet, und das nicht zu wenig, ist klar.
aber das rad rennt net rund, da eckt\'s auf allen ecken und enden. der güterverkehr bringt\'s, das geld. ich versteh den ganzen führungsstab nimmer. was will man mit dem betrieb machen? mit 500 leuten die ganze ÖBB betreiben? mir kommt vor, daß der güterverkehr nicht rechnen kann, der tonnenpreis auf der schiene ist eklatant hoch, so transportiert man keine güter und bekommt keine kundschaft. die kundschaft, die man hat, wird mit langen und teuren transportzeiten, wieder vergrausigt. das nächste das ich anprangere, sind die fahrkarten-automaten. da brauchst wirklich viel geduld und wissen. wann wird endlich begriffen, das kundennähe zählt, und nicht vollautomatisierung!!!

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