Sebastian Kurz: "Es ist was es ist, eine Pandemie"

Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach im Ö3-Interview mit Robert Kratky über Schulschließungen, die Folgen des Lockdowns und Fehler der Regierung.

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Ö3-Interview - Sebastian Kurz: "Es ist was es ist, eine Pandemie" © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Seit heute, Dienstag, befindet sich Österreich im zweiten "harten Lockdown". Die Maßnahmen sollen bis zum 6. Dezember andauern. Ziel ist es, so die Regierung, die Infektionszahlen zu senken.

Bundeskanzler Sebastian Kurz stellte sich im Ö3-Wecker den Fragen der Zuhörer und Zuhörerinnen, sowie denen des Moderators Robert Kratky. Bereits im Mai diesen Jahres - rund drei Monate nachdem der erste Corona-Fall in Österreich gemeldet wurde - gab Kurz Ö3 in "Frühstück bei mir" ein Interview. Damals sagte der Bundeskanzler alle großen Entscheidungen – auch die des Lockdowns – würde er wieder fällen, obwohl Österreich in der größten Wirtschaftskrise der Zweiten Republik steckt: "Wir wissen, dass Gesundheit und Wirtschaft kein Widerspruch sind. Die Länder, die auch wirtschaftlich gut durch diese Krise kommen, sind die Länder, die früh und hart reagiert haben."

So geht Kurz privat mit der Krise um

Auf die Frage eines Zuhörers, ab wann der Lockdown als Erfolg gelte, sagte Kurz dieses Mal: "Der Lockdown hat dann etwas gebracht, wenn wir es schaffen, dass unsere Spitäler und Intensivstationen nicht übergehen. Darüber hinaus gilt: Je weiter wir mit den Zahlen hinunterkommen, desto stärker können wir am 7. Dezember auch Öffnungsschritte setzen."

»Ein Dauerlockdown ist nicht nur schlecht fürs Gemüt, sondern hätte auch die Wirtschaft zerstört«

Es sei wichtig, so Kurz, dass die Zeit zwischen den Lockdowns möglichst lang sei - "Wir hatten zwischen dem ersten und zweiten Lockdown fast fünf Monate, in denen wir fast uneingeschränkt leben konnten. Die Wirtschaft ist in dieser Zeit auch gut gelaufen. Ein Dauerlockdown ist nicht nur schlecht fürs Gemüt, sondern hätte auch die Wirtschaft zerstört."

Ö3-Moderator Robert Kratky wollte von Sebastian Kurz wissen, welche Learnings aus dem ersten Lockdown gezogen wurden. Man lerne ständig dazu, so Kurz. "Es braucht Sonderregelungen für gewisse Bereiche, das haben wir aus dem ersten Lockdown gelernt" und verweist auf die Regelungen bezüglich Begräbnisse.

Die Schulen im Lockdown

Ein viel diskutiertes Thema sind die Schulen und die Frage nach Betreeung und Unterricht. Bis zuletzt wurde dieses Thema innerhalb der Regierung disktuiert. Experten und Expertinnen rieten von Schulschließungen ab. Warum wurden die Schulen doch geschlossen, wollte eine Hörerin wissen. "Wenn wir die Ansteckungszahlen nicht runterbringen, dann kommen wir aus dem Teil-Lockdown nicht mehr raus, weil wir nicht mehr öffnen können."

Die Schulen seien auf Fernunterricht umgestellt worden, so der Kanzler. "Sie sind aber dennoch für alle geöffnet, die einen Bedarf haben. Die Lehrer sind dort für die Betreuung, aber auch um mit den Kindern in Kleingruppen durchzugehen, was im Home Schooling zu machen ist. Generell würde ich alle ersuchen - Lehrer, Schüler, Eltern - diese zwei Wochen bestmöglich durchzustehen und nicht allen Stoff reinzupressen, den man sonst in dieser Zeit vermitteln würde"

»Es ist was es ist, eine Pandemie«

"Es ist was es ist, eine Pandemie", sagte Kurz auf die Frage, warum die Infektionsrate in Österreich so hoch sei und was die Regierung falsch gemacht hätte bzw verabsäumt habe. "Die zweite Wellt trifft derzeit viele Länder hart. Vor zwei Wochen war die Situation noch eine andere, wer weiß, wie die Situation in zwei Wochen sein wird. In Israel, aber auch in Tschechien, Slowenien und der Slowakei war ein harter Lockdown notwendig, heute stehen diese Länder besser da als wir. Es ist was es ist, eine Pandemie. Wenn wir jetzt die Zahlen senken, müssen wir schauen, dass sie wieder langsam und nicht zu schnell ansteigen und bis zur Impfung 2021."