Ö-Radrundfahrt gerät in ernste Gefahr:
Dopinggeständnisse verunsichern Verband

Radverband sieht Veranstaltung an der Kippe Auch der ORF stellt sein Engagement in Frage

Ö-Radrundfahrt gerät in ernste Gefahr:
Dopinggeständnisse verunsichern Verband © Bild: APA/Neubauer

Wenn Dopingsünder Bernhard Kohl in aller Öffentlichkeit zum Doping-Generalverdacht im Radsport meint, dass man in diesem Sport mit "Doping aufwächst" und dass "Doping ab dem U23-Bereich im Radsport ein Thema wird", dann schadet dies freilich dem Ruf enorm. Nicht nur dem Spitzensport, auch dem Breitensport. Ob es vom 5. bis 12. Juli 2009 tatsächlich die 61. Auflage der Österreich-Radrundfahrt geben wird, scheint nach den Ereignissen der letzten Tage mehr denn je infrage gestellt.

Selbst Rudolf Massak, Generalsekretär des österreichischen Radsportverbandes, sieht die Veranstaltung an der Kippe: "Sie ist auf jeden Fall in Gefahr, wenn die Entwicklung so weitergeht, das kann sich jeder ausrechnen. Es ist frustrierend und schwer derzeit, den Job zu erledigen, man kann nicht gescheit planen", gestand Massak.

Auch im ORF wird man aufgrund der letzten Entwicklungen weitere Überlegungen anstellen, wie auch ORF-Sportchef Hans Huber gegenüber der APA - Austria Presse Agentur bestätigte. "Ich kann Ihnen sagen, es gibt Pläne, die aber noch nicht abgesegnet sind. Es wird auf keinen Fall eine Live-Übertragung geben, sondern Aufzeichnungen und Zusammenfassungen sind in Planung." Doch auch dies könnte wackeln. "Wir werden aufgrund der neuen Situation, die sich in den letzten Tagen so dramatisch neu entwickelt hat, noch einmal mit dem Radsport-Verband darüber reden. Es kommen ja jetzt fast stündlich Neuigkeiten."

"Radsport ist natürlich sehr problematisch geworden"
Die Tour de France sei jedenfalls kein Thema. "Erstens haben wir niemanden, und wenn wir wen hätten, könnten wir nicht vertrauen. Radsport ist natürlich jetzt sehr problematisch geworden", so Huber, der eine Entscheidung für die Woche nach Ostern erwartet. Sicher ist, überträgt der ORF nicht, dann ist die Österreich-Rundfahrt 2009 gestorben.

Dies bestätigte auch Tour-Direktorin Ursula Riha, die noch am gleichen Tag einen weiteren Termin im ORF hatte. Ob sie nicht Angst hat, dass der ORF, ähnlich wie die ARD im Jahr 2007 nach Dopingvorfällen mit der Tour de France, ein Exempel statuieren könnte? "Der Ausstieg der ARD ist für mich eigentlich unverständlich gekommen. Weil gerade dort, wo sehr viel Geld von Veranstaltern investiert wird und sehr viele Tests gemacht werden, - und das ist bei uns hier nicht anders -, glaube ich, dass das der falsche Weg ist."

"Es gehört aufgeräumt"
Riha unterstützt Sportminister Norbert Darabos aber "voll und ganz" in seinen Maßnahmen. "Es gehört einfach einmal reiner Tisch gemacht, es gehört aufgeräumt. Da stehe ich voll dahinter." Die Vorgangsweise im Kampf gegen Doping sei aber besser so, als wenn alle paar Monate etwas durchsickere. Die Lust an der Austragung der Österreich-Radrundfahrt ist ihr aber noch nicht vergangen. "Es ist irgendwo ein Auftrag für mich an die Jugend", meint sie und erklärt es näher.

"Geplant war für die diesjährige Tour nicht nur eine Aufklärungskampagne, sondern auch, im Zuge der Ö-Rundfahrt, Kinderrennen zu veranstalten. Man muss den Eltern die Angst nehmen, dass man die Kinder nicht mehr in Sportverbände schicken kann. Das ist das Schlimmste, was uns passieren kann." Darum, glaubt Riha, wäre es der falsche Weg, auf die Österreich-Rundfahrt zu verzichten. "Erstens ist es ein Monument, zweitens ist es noch immer so, dass Jugendliche mitgefiebert haben."

Daher wird sie sich weiter nach Kräften für die Veranstaltung einsetzen. "Ich kämpfe nach wie vor dafür, dass es die Österreich-Rundfahrt gibt, und ich bin nicht alleine. Ob das im Zuge dessen noch alle so sehen und natürlich auch die Medien, muss man abwarten."
(apa/red)