Occupy-Bewegung von

Protest in Wien

Aktivisten protestierten am Stephansplatz. Auch Roland Düringer mit dabei.

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    Zweiter internationaler Aktionstag der "Occupy"-Bewegung am Wiener Stephansplatz

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    Kabarettist Roland Düringer

Die "Occupy"-Bewegung hat zum zweiten internationalen Aktionstag aufgerufen. In Wien fanden sich laut Polizei rund 300 Menschen trotz klirrender Kälte und eisigem Wind am Stephansplatz ein, weitere Versammlungen fanden in Graz und Linz statt. International reichte die Liste der Protestorte laut Veranstalter von Berlin und Frankfurt bis Chicago. Das Motto der Kundgebungen war "Echte Demokratie jetzt".

Als Gastredner am Stephansplatz traten Franz Hörmann, Professor für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien, Martin Balluch, Obmann des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT) und der Kabarettist Roland Düringer auf. Die Pausen füllte der Wiener Rapper "Kilez More". Mitveranstalter Philipp Janyr zeigt sich zufrieden mit der Beteiligung.

Düringer kein "Wutbürger"
Roland Düringer stellte gleich zu Beginn seines Auftritts fest, dass er kein "Wutbürger" sei. Die Rede, die Düringer Anfang Dezember in der letzten Sendung von "Dorfers Donnerstalk" gehalten hatte, ging in den vergangenen Wochen durch das Social Web. Düringer nützte die Einladung zu seiner - wie er selbst betonte - ersten öffentlichen Rede, um sich davon zu distanzieren, als Aushängeschild der "Occupy"-Bewegung zu gelten.

Die Angst vor etwas, das noch gar nicht eingetreten ist, sei sehr gefährlich, warnte Düringer angesichts des "Occupy"-Slogans "Wir sind 99 Prozent": "Wenn wir die 99 Prozent sind, dann muss 1 Prozent schuldig daran sein, dass wir Probleme haben." Der Kabarettist forderte statt Schuldzuweisungen die Entwicklung vom "Wutbürger" zum "Mutbürger", der selbstkritisch ist: "Wir sind das System - durch das, was wir jeden Tag machen. Der Mensch ändert sich durch das System nicht, der Mensch selbst muss sich ändern."

Plattform für zahlreiche Anliegen
Die Veranstaltung bot vielen anderen Aktivisten eine Plattform, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen: Paul Weitzer von der Plattform "Wir sind Kirche" bat im "Speaker's Corner" um Unterstützung beim innerkirchlichen Protest, Erwin Mayer sprach für die Initiative "mehr demokratie", und junge Menschen mit "Anonymous"-Masken verteilten Flyer für "du-bist-anonymous.de".

Unter den Teilnehmern befanden sich großteils junge Erwachsene aber auch Familien mit an den Kinderwagen befestigten Transparenten und ältere Menschen. Eine 51-jährige Wienerin erklärte, was sie auf den Stephansplatz trieb: "Ich bin noch nie auf Demonstrationen gewesen, aber ich finde diese Bewegung gut und möchte die Jugend unterstützen. Die Ungerechtigkeit trifft alle, auch die Alten. Aber vor allem geht es mir darum, wie wir die Welt den Jungen hinterlassen."

Antisemitismus-Aufregung im Vorfeld
Im Vorfeld hatte Gastredner Franz Hörmann für Aufregung gesorgt. Facebook-User warfen Hörmann vor, als Mitglied der Partei "HuManWeg Bewegung Österreich" antisemitisches Gedankengut zu unterstützen. "Wir sind eine tolerante Organisation und lassen alle zu Wort kommen, solange das, was sie sagen, wissenschaftlich ist. Wir distanzieren uns von sämtlichen Parteien und politischen Organisationen", erklärte einer der Veranstalter. Eine Absage des Auftritts stand für die Organisatoren, die sich generell bewusst im Hintergrund halten, nicht zur Diskussion.

Hörmann erklärte in seiner Rede die Theorien, die man in seinem mit Otmar Pregetter verfassten Buch "Das Ende des Geldes" nachlesen kann: Zinsen seien systemintern gar nicht bezahlbar, eine auf Geld basierende Ökonomie sei daher ein Enteignungssystem, das alle paar Jahre zusammenbrechen muss. Hörmann forderte ein neues System, das auf Wissen und Bildung basiere, an erster Stelle müsse dabei die "Herzensbildung" stehen.

Balluch spricht über Menschenrechte
Martin Balluch sprach über Menschenrechte und berichtete aus eigener Erfahrung: Vor vier Jahren wurde er als Verdächtiger festgenommen. Er betonte, dass er es der Öffentlichkeit verdanke, die sich solidarisiert und für ihn eingesetzt habe, dass er aus dem Gefängnis entlassen und später freigesprochen wurde.