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Vermisster U-Häftling verurteilt

Nach Polizeipanne: 19-Jähriger erhält wegen versuchten Diebstahls drei Monate bedingt

Oberösterreich - Vermisster U-Häftling verurteilt

Seine Familie hat ihn als vermisst gemeldet, dabei ist der 19-jährige Oberösterreicher die ganze Zeit in U-Haft gesessen - Jetzt ist der junge Mann im Wiener Straflandesgericht wegen versuchten gewerbsmäßigen Diebstahls verurteilt worden. Richter Norbert Gerstberger verhängte eine dreimonatige Freiheitsstrafe, die dem jungen Mann bedingt nachgesehen wurde.

Der 19-Jährige, der drei Wochen in U-Haft verbracht hatte, wurde unmittelbar nach der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Am 23. April und am 25. Mai hat der Oberösterreicher in drei Elektronik-Märkten sieben Computerspiele im Gesamtwert von rund 500 Euro zu stehlen versucht. Er hat sich mit der Strafe einverstanden gezeigt.

Polizeipanne: Eltern nicht über Inhaftierung verständigt
Nachdem sich der Angeklagte zu den wider ihn erhobenen Vorwürfen umfassend geständig zeigte, stand in der Verhandlung die Frage im Vordergrund, wie es passieren konnte, dass der 19-Jährige über zwei Wochen als vermisst galt und Eltern und Freunde um sein Leben fürchteten. Von seiner Inhaftierung erfuhren diese erst, nachdem der junge Mann in seiner Zelle mitbekommen hatte, dass in einer TV-Sendung über sein Verschwinden berichtet wurde. Er ergriff daraufhin die Initiative und ließ die Angehörigen beruhigen.

Der junge Mann war am 25. Mai unmittelbar nach dem letzten missglückten Diebstahl von zwei Polizeibeamten festgenommen worden. "Direkt bei der Verhaftung ist mir von einem der Beamten angeboten worden, ob sie jemanden anrufen sollen", erzählte der 19-Jährige in seiner Verhandlung. Er habe dem Beamten die Telefonnummern seiner Mutter und eines Mitbewohners genannt. Der 19-Jährige, der ab kommendem Herbst Jus studieren möchte, lebt seit einigen Monaten in einer 3-er-WG in Wien-Brigittenau.

Er sei davon ausgegangen, dass zumindest eine der beiden Personen von der Polizei über seinen Verbleib verständigt wurde: "Die haben gesagt, sie benachrichtigen."

Verteidiger spricht von Fehlleistung
Für seinen Verteidiger Manfred Ainedter liegt eine "Fehlleistung der Polizei" vor. Dass es der Polizei bis zum heutigen Tag nicht möglich war, öffentlich darzulegen, weshalb im Zuge des Bearbeitens der Abgängigkeitsanzeige der Name des 19-Jährigen in der Haftdatei nicht gefunden wurde, obwohl eine Haftanfrage gestellt wurde, nannte Ainedter befremdlich.