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Kind erstochen: Anstalt

Mutter die ihr Kind erstach wurde eingewiesen - Entscheidung bereits rechtskräftig

Polizeiauto © Bild: APA/Neubauer

Der Linzer Mordprozess gegen eine 31-jährige Oberösterreicherin, die im März 2012 ihren vierjährigen Sohn erstochen hatte, ist Freitagnachmittag mit der Einweisung der Frau in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher zu Ende gegangen. Die Geschworenen erklärten sie einstimmig für unzurechnungsfähig. Wäre sie zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen, wäre der Tatbestand des Mordes erfüllt gewesen. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig, sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger verzichteten auf Rechtsmittel.

Am 6. März des Vorjahres verabreichte die Mühlviertlerin ihrem Sohn einen in Fruchtsaft aufgelösten Medikamentencocktail, der bereits tödlich gewesen wäre. Um sicher zu gehen, stach sie dem Vierjährigen mit einem Skalpell noch sechsmal in die Brust. Der Bub verblutete. Anschließend wollte sich die Frau selbst das Leben nehmen, indem sie ebenfalls Tabletten schluckte und sich Verletzungen zufügte. Sie wurde aber rechtzeitig von ihrer Mutter entdeckt. In einem Abschiedsbrief stand: "Ich konnte David nicht einfach alleine lassen." Der Staatsanwalt sprach von einem "unfassbar tragischen Verbrechen" und betonte, dass es nicht um Bestrafung gehe, sondern um die Verhängung einer vorbeugenden Maßnahme.

Auch der Verteidiger stellte fest, dass eine geschlossene Anstalt für die 31-Jährige die einzige Chance sei, weiterleben zu können und irgendwann wieder Lebenswillen zu erlangen. "Die Hölle, die meine Mandantin jetzt durchlebt, ist wahrscheinlich unvorstellbar. Das Schlimmste ist, das eigene Kind zu verlieren und selbst daran schuld zu sein." Er beschrieb die Frau als "eine sehr liebevolle Mutter", die ihr Leben voll auf ihren Sohn ausgerichtet, aber letztendlich keine Alternative gesehen habe. Die Tat hätte man verhindern können, das Gesundheitssystem trage zumindest eine Mitschuld, so der Anwalt. Eine sehr seltene Nebenwirkung des Antidepressivums, das sie seit längerer Zeit einnahm, sei Neigung zu Suizid und erweitertem Selbstmord. Darüber informiert habe die Frau aber niemand.

Depressionen und Persönlichkeitsstörung

"Ich habe mich ständig um meinen Sohn gekümmert, ich wollte ihm immer das Beste ermöglichen", betonte sie. Bereits in einer früheren Einvernahme hatte die Alleinerziehende erklärt, dass David "ihr Ein und Alles" gewesen sei. Die Frau, die seit Jahren mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen hat und offenbar den Tod ihrer Großmutter nicht verarbeiten konnte, schämte sich laut eigener Aussage für ihre Erkrankung und sprach weder mit ihren Eltern noch mit Freunden darüber. Sie habe schließlich einen Zwang verspürt, sich umzubringen, und wisse auch, dass sie den Vierjährigen getötet hat, an den genauen Hergang könne sie sich aber nicht erinnern. "Es tut mir unendlich leid, was passiert ist", sagte sie unter Tränen.

Er sehe kein Motiv, das in eine böswillige Richtung reicht, aber eine ganze Reihe von Gründen, die einen starken Verzweiflungszustand erklären können, so Gutachter Reinhard Haller, der der 31-Jährigen zum Tatzeitpunkt eine depressive Störung und eine Persönlichkeitsstörung attestierte. Für ihr Umfeld sei es aber schwierig gewesen, ihre Krankheit zu erkennen. Es handle sich um einen Menschen, "bei dem man ausnehmend schwer ins Innere schauen kann". Die Frau sei in ihrem Verhalten ein Stück weit unkalkulierbar und daher eine mögliche Gefahr für andere. Ihre Zukunftsprognose bezeichnete der Gerichtspsychiater entsprechend schlecht, die Bedingungen für eine Unterbringung sah er eindeutig erfüllt.

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