Obama will sich als Staatsmann profilieren: US-Senator auf Reise nach Europa & Nahost

Hat außenpolitisch noch keine große Erfahrung Experten rechnen mit warmen Empfang für Obama

Obama will sich als Staatsmann profilieren: US-Senator auf Reise nach Europa & Nahost © Bild: Reuters/Young

Ein aufstrebender Polit-Star macht der Welt seine Aufwartung. Oder ist es vielleicht sogar andersherum, die Welt hofiert den Gast aus Amerika? Mit seiner Europa- und Nahostreise trägt Barack Obama den US-Wahlkampf hinaus in die Welt, die ihn mit freundlicher Neugier erwartet. Offiziell tritt Obama als Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten auf, inoffiziell ist ihm längst die Rolle des globalen Hoffnungsträgers zugewachsen.

Zu Beginn steht der Nahe und Mittlere Osten auf dem Programm, dann Berlin, gefolgt von Paris und London. Überall kann er sich des guten Willens sicher sein. Die Erwartungen an einen möglichen Präsidenten Obama sind dermaßen hoch, dass Enttäuschungen absehbar sind.

Bisher kaum Kontakt mit Europa
Obamas Reise zielt nicht auf das neugierige Publikum an Themse, Spree und Jordan ab, sondern auf die Wähler daheim. Ihnen will er sich vor internationaler Kulisse als Mann präsentieren, der das Zeug zum Oberkommandierenden in schwieriger Zeit hat. Seine Gastgeber werden zumindest die Möglichkeit bekommen, Maß an den Kandidaten anzulegen, der bisher kaum politische Kontakte nach Europa gepflegt hat. Obamas rasanter Aufstieg vom Provinzpolitiker zum Anwärter aufs Weiße Haus hat wenig Anhaltspunkte hinterlassen, aus denen sich Rückschlüsse auf außenpolitische Entscheidungsprozesse unter seiner Regierung ableiten ließen. Jeder Schritt, jedes Wort Obamas wird Beachtung finden.

"Für Obama birgt die Reise ein großes Risiko, aber er hat keine andere Wahl", sagt Politikprofessor Julian Zelizer von der Universität Princeton (New Jersey). Ein Risiko deshalb, weil jede ungenaue oder unbedachte Äußerung den Kandidaten vor der Wählerschaft als außenpolitischen Dilettanten bloßstellen könnte. Alternativlos ist der Trip deshalb, weil Obamas außenpolitische Unerfahrenheit laut Umfragen seine größte Schwachstelle im Vergleich zum Republikaner John McCain ist. Aus diesem Grund wird in Washington auch damit gerechnet, dass Obama die Reise zu Überraschungsbesuchen in den Krisenländern Irak und Afghanistan nutzt.

"Lichtgestalt Obama"
Seine Gastgeber werden es Obama wohl leichtmachen. Aus der Irritation vieler Europäer über die Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush ergibt sich für Obama fast automatisch ein Vertrauensvorschuss, der ihm den Start erleichtern dürfte. Unter Bush haben die USA vieles eingebüßt, was in Deutschland und Europa über lange Zeit gereift war: Vertrauen, Respekt, die Rolle als Leitbild. Das Lager Guantanamo, Entführungen durch die CIA, Misshandlungen von Gefangenen und das Missmanagement im Irak wurden zu hässlichen Flecken auf dem Bild Amerikas. Aus dem Schatten der Bush-Jahre tritt Obama in den Augen vieler Europäer als Lichtgestalt hervor.

"Wenn er zum Präsidenten gewählt wird, wird das Bild der USA nicht länger bestimmt durch Guantanamo, Folter, Irak", sagt Politikexperte Derek Chollet vom Institut Center for a New American Security in Washington voraus. "Man kann sich kaum etwas Besseres als einen Präsidenten Obama vorstellen, was das Image der USA im Rest der Welt angeht." Daraus ergebe sich für Obama selbst wie für seine Bewunderer ein Risiko, warnt Chollet - das Risiko überzogener Erwartungen, die sich nicht erfüllen lassen: "Europäer und Amerikaner müssen ihre Erwartungen vernünftig managen."

Abschied vom Cowboytum
Vor seiner Abreise hat Obama in Washington eine außenpolitische Grundsatzrede gehalten, aus der sich Reibungspunkte gerade mit europäischen Verbündeten herauslesen ließen. Schwerpunkt seiner Anti-Terror-Politik soll der Militäreinsatz in Afghanistan sein, den Verbündeten in Europa verspricht er enge Zusammenarbeit. Daraus könnten sich unwillkommene Pflichten ableiten: Dem Amtsinhaber Bush hat Berlin den Wunsch nach einer Verstärkung der deutschen Bundeswehr in Afghanistan noch abschlagen können. Doch wird Deutschland dies auch auch einem wohlmeinenden Präsidenten Obama abschlagen können, über dem anders als bei Bush nicht der Verdacht leichtsinnigen Cowboytums schwebt? (apa/red)