US-Wahl von

Obama tritt nach

Einen Tag nach der TV-Debatte zog der Präsident die Glaubwürdigkeit Romneys in Frage

Barack Obama spricht an der Universität von Madison, Wisconsin. © Bild: REUTERS/Kevin Lamarque

Nach dem schwachen Abschneiden bei der TV-Debatte im US-Wahlkampf zieht Präsident Barack Obama alle Register. Im Kern wirft er seinem Herausforderer Mitt Romney vor, die Wahrheit über seine Steuerpläne zu verheimlichen und die Wähler zu täuschen. Ein neuer TV-Spott versucht massiv, die Glaubwürdigkeit Romneys zu untergraben. Romney schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Zudem konnte er sich freuen: Er erhielt die Zustimmung der mächtigen Waffenlobby.

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus griff Obama einen Tag nach dem Rededuell an. "Ich traf diesen sehr schneidigen Typen, der behauptet Mitt Romney zu sein", rief er Anhängern bei einer Wahlveranstaltung am Donnerstag (Ortszeit) zu. "Aber das konnte nicht Romney sein. Denn der echte Mitt Romney läuft seit einem Jahr im Land auf und ab und verspricht fünf Billionen Steuersenkungen, die die Reichen bevorzugen." Ätzend fuhr Obama fort: "Und der Typ, der gestern Abend auf der Bühne war, sagte, er wüsste davon nichts." Kaum verhüllt bezichtigt Obama seinem Gegner der Lüge.

Zu spät

US-Kommentatoren fragen sich allerdings, warum Obama den Vorwurf nicht bereits während des Rededuells in Denver (Colorado) angebracht habe. "Einen Tag zu spät", meinte ein Kommentator im TV-Sender NBC. "Obama versucht, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen", schreibt die "New York Times". "Die knallharte Attacke auf Romney lässt erahnen, wie groß die Sorge im Wahlkampflager Obamas ist."

Knallhart ist auch der Vorwurf in einem neuen TV-Spott gegen Romney. "Wenn wir ihm nicht einmal hier trauen können", heißt es darin mit einem Ausblick auf die Debatten-Bühne. "Wie können wir ihm jemals hier trauen?", fragt eine sonore Stimme aus dem Off - während das Oval Office im Weißen Haus zu sehen ist.

Steuerstreit

Schon heißt es im engeren Umkreis Obamas, der Präsident müsse sich jetzt auf die neuen Lage umstellen. "Wir müssen uns auf diese Unehrlichkeit einstellen", meinte Wahlkampfberater David Plouffe. Kern des Streits sind die von Romney geplanten Steuerererleichterungen. Obama warf Romney in der Debatte vor, er wolle fünf Billionen Steuern streichen und dabei auch die Abgaben von Reichen und Superreichen senken - beides bestritt Romney mehrfach energisch. Beides seien unwahre Behauptungen, meinte Romney.

Hilfe von der Waffenlobby

Romney hielt sich mit einer Reaktion auf die Anschuldigen Obamas zunächst zurück. Stattdessen teilte er mit, dass sich die mächtige und erzkonservative Waffenlobby National Rifle Association (NRA) im Präsidentenwahlkampf hinter ihn stelle. "Ich bin stolz über ihre Unterstützung für meine Kandidatur", meinte Romney. "Ich werde alles in meiner Kraft tun, das Recht aller gesetzestreuen Amerikaner, Waffen zu besitzen und zu tragen, zu verteidigen und zu schützen", meinte Romney weiter. Romney wies darauf hin, dass das oberste US-Gericht im vergangenen Jahr das Recht auf Waffentragen ausdrücklich bestätigt hatte.

Werte verbessert

Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat mit dem TV-Duell gegen Obama Boden gut machen können. Dies zeigte eine am Donnerstag veröffentlichte Reuters/Ipsos-Umfrage, die nach dem Duell in den USA durchgeführt worden war. Romney wird demnach nun von 51 Prozent der Wählern positiv gesehen. Obamas günstigen Umfragewerten hat sein von vielen eher verhalten eingeschätzter Auftritt indes nicht geschadet: Er verteidigte seine Favoritenrolle und kam auf unverändert 56 Prozent.

Kommentare

simm1111
simm1111 melden

Die pochen immer auf das Recht des Waffenbesitzes, aber wenn einer von diesen 300 Millionen Dummköpfen durchdreht und mehrere Leute erschießt geht die Heulerei los!

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Richtig! Aber scheinbar entfleucht es deren Logik, dass,wenn alle bewaffnet sind,es die bösen Jungs auch sind und auch jeder Choleriker der von seiner Frau oder um einen Parkplatz betrogen wurde. Und dass ein angesoffener Nachbar,den man um Einhaltung der Nachtruhe ersucht,dann ein Black-out haben könnte.Und dass die Zahl der Trotteln,die beim Waffenputzen in die Mündung schaut,dann auch steigt...

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...Und dass jeder der depressiv ist,es plötzlich sehr schnell und einfach erledigen kann.

So wie dieser Planet aussieht sollte man den meisten nicht mal eine Kuchengabel in die Hand geben!

Weniger Steuer, weniger Staatsschulden, mehr Ausgaben fürs Militär, das ist reine Glaubenssache, wo wie die wunderbare Brotvermehrung.

Gibt's ja auch wirklich, die wunderbare US$ Vermehrung von der FED.
Quantitaiv Easening nennt man das.

Habe auch schon persönliche Erfahrung damit. So vor 10 Jahren zahlte ich in Rumänien mit 100 Tausender Scheinen im Supermarkt.

Meine Großältern habe auch Erfahrung damit. Eine Baufirma im Gerichtsstreit um das Geld für die Errichtung einer ganzen Siedlung. Am Ende Prozess gewonnen, aber mit dem Geld für viele Häuser konnte man nur noch ein Butterbrot kaufen.

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