Obama legt sich mit dem Reich der Mitte an:
US-Präsident errichtet Strafzölle auf Reifen

Handelsstreit zwischen China und den USA eskaliert Konflikt droht nächstes G-20-Treffen zu überschatten

Obama legt sich mit dem Reich der Mitte an:
US-Präsident errichtet Strafzölle auf Reifen
© Bild: Reuters/Ernst

Die Spannungen im Handel zwischen den USA und China verschärfen sich. Nach der Verhängung von amerikanischen Strafzöllen auf chinesische Reifen-Importe hat China seinerseits Ermittlungen wegen der angeblichen Ausfuhr von Hühnerfleisch und Autoteilen aus den USA zu Schleuderpreisen eingeleitet. Das Handelsministerium wollte nicht von "Vergeltung" sprechen, sondern teilte mit, es reagiere lediglich auf Klagen heimischer Hersteller.

Diese hätten kritisiert, dass die US-Waren durch "unfairen Wettbewerb" auf den chinesischen Markt kämen und die chinesische Industrie schädigten, wie amtliche Medien am Montag das Ministerium zitierten. Die Ermittlungen folgten den Anti-Dumping-Regeln der Welthandelsorganisation (WTO).

In scharfem Ton warf das Außenministerium in Peking den USA "ernsten Handelsprotektionismus" vor, der die wirtschaftlichen Beziehungen und eine frühe Erholung der Weltwirtschaft untergraben werde. Eine Sprecherin äußerte die "große Unzufriedenheit" der chinesischen Regierung. Washington missbrauche die Werkzeuge der WTO zur Lösung von Handelsproblemen. In einem Kommentar der Staatsagentur Xinhua hieß es, der Schritt werde nicht nur China, sondern auch die USA und den Welthandel schädigen. Die Fortschritte im freien Welthandel hätten "zweifellos einen schweren Rückschlag erlitten".

100.000 Chinesen könnten Job verlieren
Durch die Strafzölle der USA von bis zu 35 Prozent auf Reifen dürften 100.000 chinesische Arbeiter ihre Jobs verlieren und Chinas Reifenindustrie eine Milliarde US-Dollar an Exporten in die USA verlieren, verwies der Xinhua-Kommentar auf Expertenschätzungen. "Es wird auf der anderen Seite in den USA keine Arbeitsplätze sichern." Vielmehr könnten in den USA 100.000 Arbeitsplätze im Import, Vertrieb und Einzelhandel von Reifen "betroffen" sein.

17 Prozent aller Reifen in den USA stammen nach US-Presseberichten inzwischen aus China. In den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres sind demnach chinesische Reifen für 1,3 Milliarden US-Dollar (rund 893 Millionen Euro) in die USA exportiert worden, während China Autoteile für 800 Millionen US-Dollar und Hühnerfleisch für 376 Millionen US-Dollar importierte.

Gewerkschaft beschwerte sich
Die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, die Strafzölle zu erheben, folgte einer Beschwerde der Gewerkschaft der Stahlarbeiter. Sie beklagt, dass sich der chinesische Anteil am US-Reifenmarkt in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht habe und 5.000 Arbeitsplätze in dem US-Industriezweig verloren gegangen seien. Ein US-Gesetz erlaubt solche Strafmaßnahmen, wenn ein rapider Anstieg von Importen aus China einem US-Industriezweig schadet. China hatte dieses bisher nicht angewandte Gesetz in den Verhandlungen für seinen WTO-Beitritt 2001 akzeptiert.

In den vergangenen Monaten hatten die Regierungen beider Länder stets erklärt, die Erholung der Weltwirtschaft gemeinsam vorantreiben und nicht mit Protektionismus auf den massiven Abschwung der Wirtschaft reagieren zu wollen. Der aktuelle Streit könnte nun das G-20-Treffen am 24. und 25. September in Pittsburgh sowie den China-Besuch von US-Präsident Barack Obama im November überschatten.
(apa/red)