Obama spricht Klartext: "Möglicherweise
noch nie dagewesene Umweltkatastrophe"

Öl-Leck im Golf von Mexiko noch nicht geschlossen US-Präsident: "BP wird die Rechnungen zahlen"<br>Fischereiverbot - rund 14 Mrd. Dollar Schaden

Obama spricht Klartext: "Möglicherweise
noch nie dagewesene Umweltkatastrophe" © Bild: APA/EPA/Heisenfelt

US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Besuch in der Katastrophenregion seine Kritik an dem Ölkonzern BP für die Ölpest im Golf von Mexiko verschärft. "Lassen Sie mich deutlich sein: BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnungen zahlen", sagte Obama. Zugleich versprach er, alles Menschenmögliche zu tun, um die Katastrophe einzudämmen, und gelobte "komplett koordinierte, unerbitterliche Hilfsmaßnahmen". "Wir haben es mit einer massiven und möglicherweise noch nie dagewesenen Umweltkatastrophe zu tun", sagte der Demokrat.

Die Gesamtkosten dieser Havarie mit allen Folgen werden von Experten auf bis zu 14 Milliarden Dollar (10,51 Mrd. Euro) geschätzt. Allein für die Reinigung verschmutzter Küsten und Meeresregionen würden sieben Milliarden Dollar benötigt. Hinzu kämen die Ausfälle in der Fischerei und im Tourismus. Kaum zu berechnen sind die drohenden Schäden in Flora und Fauna.

Unterdessen wird die Lage immer dramatischer. Die US-Behörden verfügten am Sonntag ein Fischereiverbot für die am stärksten bedrohten Küstengewässer. Damit müssen Zigtausende von Fischern um ihre Existenz bangen. Der Ölteppich auf dem Wasser hatte sich zuvor rapide ausgedehnt, ein Ende ist nicht in Sicht.

Ölfluss ins Wasser stoppen
Der Präsident traf in Venice am Mississippi-Delta mit Vertretern der Küstenwache und anderen Experten zusammen, um sich aus erster Hand über das Ausmaß der Ölpest und über die Gegenmaßnahmen informieren zu lassen. Die Ursachen für den Unfall müssten gründlich aufgeklärt werden, aber im Mittelpunkt stehe jetzt "der unermüdliche Versuch", den Ölfluss ins Wasser zu stoppen. "Wir werden nicht ruhen, bis die Lecks geschlossen sind und die Region gesäubert ist", sagte Obama.

Vor seinem Besuch hatte es Kritik gegeben, er und die Regierung hätten nicht rasch genug auf die Katastrophe reagiert. Obama verteidigte sich energisch gegen den Vorwurf. Die Regierung habe sich vom ersten Tag an auf das Schlimmste vorbereitet, auch wenn man das Beste gehofft habe, sagte der Präsident.

Bald schlimmer als bei der Exxon Valdez
Wegen starken Windes konnte Obama am Sonntag mit dem Hubschrauber nicht über Ölteppich fliegen, der sich immer weiter ausbreitet. Sollte das Leck nicht abgedichtet werden, könnte die Verschmutzung in mehreren Wochen noch schlimmer als bei der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 in Alaska sein.

Eine von BP geleaste Bohrinsel war am 22. April nach einer Explosion gesunken. Seitdem sprudeln in 1.500 Meter Tiefe täglich knapp 800 Tonnen Rohöl ins Meer, der Ölteppich hat sich nach Experteneinschätzung binnen weniger Tage verdreifacht, er hat mittlerweile eine Länge von mehr als 200 Kilometern und ist rund 110 Kilometer breit. In einigen Küstengebieten wurden erste verschmutzte Vögel gefunden. Inzwischen haben vier Bundesstaaten wegen des gefährlichen Ölfilms auf dem Wasser den Notstand ausgerufen.

Verschlimmert wird die Lage durch anhaltend schlechtes Wetter mit heftigem Wind: Der hohe Wellengang erschwert das Auslegen von schwimmenden Barrieren und das Absaugen des Ölfilms. Das Abfackeln von Teilen des Ölteppichs ist seit Tagen nicht mehr möglich gewesen.

Fischereiverbot
Die US-Behörde für Ozeanographie verfügte ein Fangverbot zunächst für zehn Tage, es gilt für kommerzielle und Hobbyfischer. Wissenschaftler sollen nun prüfen, ob der Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten noch sicher ist. Die Fangverbotszone reicht von den Gewässern vor Venice bis zur Pensacola Bay an der Westküste Floridas.

Bis zum Sonntagabend waren dünne Ausläufer des Ölteppichs in die Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas geschwappt. Die ersten schwereren Ölklumpen könnten am Montag oder Dienstag angeschwemmt werden. Dann könnten die ersten Ölflecken auch die Küsten von Mississippi und Alabama erreichen. Alles hänge jedoch von Wetterlage und Windrichtung ab, sagte Admiral Thad Allen, den Obama am Samstag zum Einsatzchef im Kampf gegen die Ölpest ernannt hatte.

(apa/red)