Obama goes Europe: Von jubelnder Euphorie zur nötigen Sympathie

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Obama goes Europe: Von jubelnder Euphorie zur nötigen Sympathie © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Der Popstar ist gelandet, Barack Obama wird die europäische Öffentlichkeit bis kommenden Montag dominieren, beim Gipfel von Vertretern der wichtigsten 20 Länder der Welt (London), beim Treffen der NATO (Baden-Baden, Kehl, Straßburg), beim Meeting mit der Spitze der EU (Prag), schließlich im türkischen Vorhof Europas. Obama kommt erstmals als neuer US-Präsident nach Europa – zuletzt war er hier im Juli 2008 noch als Präsidentschaftskandidat umjubelt worden, speziell in Berlin. Seither hat die Euphorie etwas nachgelassen, diesseits wie jenseits des Atlantiks. In den USA wachsen die Zweifel, ob die gigantischen Mittel, die Obama zur Konjunkturbelebung mobilisiert hat (etwa das Doppelte der 450 Milliarden Euro, welche alle 27 EU-Länder dafür gemeinsam vorsehen, da sind die Rettungskosten für die US-Autoindustrie und das Bankensystem noch gar nicht berücksichtigt), die erhofften Erfolge bringen werden. Aber immerhin unterstützen zwei Drittel der Wähler seinen von den Gegnern als „sozialistisch“ diffamierten Kurs.

In Europa beginnt man zu begreifen, dass Obama nicht nur ein toller Hecht im politischen Karpfenteich ist, nicht nur ein ungemein belebendes Element im tristen Grau des Alltags, sondern vor allem eines: ein amerikanischer Präsident, der – auch – die Interessen seines Landes zu wahren hat. Und dazu zählt auch, die europäischen Verbündeten für einen – effizienteren – Krieg gegen den Terror zu gewinnen, für einen – nun gemeinsamen – Kampf gegen den Klimawandel, für einen – möglichst koordinierten – Kampf gegen die Wirtschaftskrise.

Noch am einfachsten geht das in der Klimafrage. Die USA legen ihre Rolle als Energieverschleuderer ab, notgedrungen: Die Autoindustrie liegt darnieder, Obama fordert von ihr für Staatshilfen beinharte Sanierungskonzepte, radikale Reduzierung der CO2-Verschmutzungsvehikel inklusive. Und in Europa hält (zumindest verbal) die Überzeugung, man dürfe in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht auf Klimaschutz vergessen. Schwieriger wird es in der Außenpolitik: Obama will die US-Truppen rasch aus dem Irak zurück, einen befriedenden Dialog mit dem Iran und die harten Fronten in Afghanistan durch ein Gesprächsangebot an „gemäßigte“ Taliban aufweichen. Diese Taktik geht aber nur auf, wenn die „harten“ Taliban mit und ohne al-Qaida militärisch in Schach gehalten werden – dafür wollen die USA mehr Unterstützung aus Europa. Schwierig: Die Europäer sind seit den Irak-Lügen von Bush zu Recht kriegsmüde.

Auch beim Kampf gegen die Wirt-schaftskrise gibt es keinen echten Konsens. Vor allem auch nicht innerhalb Europas: Deutschland will keine weiteren Konjunkturpakete, zur Reform der internationalen Finanzmärkte gibt es keine wirk-same Kontrollstruktur. Und aus dem insgesamt „crazy“ wirkenden EU-Vorsitzland Tschechien beschimpft ein abgewählter Regierungschef Obamas Sanierungsplan gar als „Weg in die Hölle“. Doch auch in den USA hapert es: Finanzminister Geithner wackelt, Obama hat noch kein schlagkräftiges Team. Doch jetzt wird er ieder Europa begeistern, seine Motivationskunst ist ungebrochen. Die ganze Welt hat sie bitter nötig.