Obama sagt Bush und McCain den Kampf an:
Vielumjubelte Rede vor 84.000 Menschen

Erster schwarzer Präsidentschaftskandidat in USA McCain soll seinen Vize bereits ausgewählt haben

Obama sagt Bush und McCain den Kampf an:
Vielumjubelte Rede vor 84.000 Menschen

Barack Obama hat mit einer Kampfansage an seinen Rivalen John McCain die Nominierung seiner demokratischen Partei zum US-Präsidentschaftskandidaten angenommen. In einer von 84.000 Menschen im Footballstadion von Denver und Millionen an den Fernsehschirmen verfolgten Rede rief er die Amerikaner auf, mit ihm einen politischen Neuanfang zu wählen. "Amerika, wir sind besser als diese acht Jahre", rief er in Anspielung auf die Amtszeit des scheidenden Präsidenten George W. Bush.

"Am 4. November müssen wir aufstehen und sagen: Acht sind genug." Die Zuschauer im Stadion jubelten ihrem Hoffnungsträger zu und wiederholten in Sprechchören: "Eight is enough". Die Gleichsetzung der Politik seines republikanischen Rivalen John McCain mit der Bushs war ein Leitmotiv der 44 Minuten langen Rede. Bushs Politik sei gescheitert und McCain biete keine Gewähr für einen grundlegenden Politikwechsel, da er Bush die meiste Zeit unterstützt habe. Der frühere Vizepräsident Al Gore, der im vergangenen Jahr für seine Arbeit zum Klimawandel mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sagte dazu sarkastisch: "Hey, ich glaube an Recycling, aber das ist lächerlich."

Obama verspricht umfassenden Wandel
Obama versprach einen umfassenden Wechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zugunsten von Arbeiterfamilien und der Mittelschicht. "Wir messen die Stärke unserer Wirtschaft nicht an der Zahl der Milliardäre, die wir haben", sagte Obama. Die Wirtschaft müsse die Würde der Arbeit respektieren. Dazu gehöre auch, dass eine Kellnerin ohne Angst um ihren Arbeitsplatz einen Tag freinehmen könne, um nach ihrem kranken Kind zu sehen. Es sei Zeit, den amerikanischen Traum wiederzubeleben, der jedem faire Chancen eröffne. Obama kündigte an, im Fall eines Wahlsieges 95 Prozent der Familien steuerlich entlasten zu wollen. "Steuerschlupflöcher" sollen gestopft und Steuervergünstigungen für Konzerne und Reiche gestrichen werden.

Zur Energie- und Klimapolitik versprach Obama, die Abhängigkeit vom Öl aus dem arabischen Raum in den nächsten zehn Jahren zu beenden, auch im Interesse der Zukunft des Planeten. Als Alternativen nannte er Erdgas, eine "saubere Kohlentechnik" und "Wege, um die Atomkraft sicher zu nutzen". Außerdem sollten innerhalb von zehn Jahren 150 Milliarden Dollar (101,6 Mrd. Euro) in erneuerbare Energiequellen investiert werden.

Abzug der US-Truppen aus dem Irak
In der Außenpolitik stellte Obama einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak in Aussicht: "Ich werde diesen Krieg im Irak verantwortungsvoll beenden, ebenso wie den Kampf gegen Al Kaida und die Taliban in Afghanistan." Er werde aber als Oberbefehlshaber auch "nie zögern, diese Nation zu verteidigen". Im Atomkonflikt mit dem Iran würde er das Mittel einer "harten, direkten Diplomatie" anwenden, um Teheran "zu hindern, Atomwaffen zu bekommen".

Obama wurde offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten ernannt. Seine Rede zum Abschluss der viertägigen Versammlung in Denver fiel auf den 45. Jahrestag der programmatischen Rede des Bürgerrechtlers Martin Luther King mit den Worten "I Have a Dream". Obama sagte zu Beginn seiner Rede, er akzeptiere die Nominierung "mit tiefer Dankbarkeit und großer Demut".

Prominente unterstützen Obama
Der Präsidentschaftskandidat erhielt zum Abschluss des Parteitags nicht nur die Unterstützung zahlreicher Prominenter wie der Sänger Stevie Wonder, Sheryl Crow und der Oscar-Gewinnerin Jennifer Hudson, auch die Enkelin des republikanischen Ex-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Susan, warb in Denver für Obama. Die einflussreiche TV-Showmasterin Oprah Winfrey zeigte sich völlig hingerissen von Obamas Rede, bei der sie sich "die Augenwimpern weggeheult" habe. Sogar sein Kontrahent McCain gratulierte Obama zu seiner Nominierung. "Zu oft bleiben die Leistungen unserer Gegner unbemerkt", erklärte McCain in einem Fernsehspot. "Also wollte ich inne halten und sagen: Gratulation."

Nach einer neuen Umfrage des Instituts Gallup konnte Obama seinen Vorsprung auf McCain wieder zurückgewinnen. Obama führte mit 48 zu 42 Prozent, doch ist es üblich, dass Kandidaten gestärkt aus dem Wahlparteitag hervorgehen. Jener der Republikaner beginnt erst am Montag.

Vize für McCain bereits gefunden
McCain hat sich nach Angaben aus seiner Umgebung inzwischen für seinen Vizepräsidentschafts-Kandidaten entschieden. Die Anzeichen verdichteten sich, dass es sich dabei um den konservativen Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, handeln wird. Pawlenty sagte mehrere Termine kurzfristig ab.

(apa/red)