"Nur gelogen und nichts getan": Tonband wird für Ungarns Premier zur Polit-Bombe

Gyurcsanys lehnt trotz Veröffentlichung Rücktritt ab

Den Krawallen ging die Veröffentlichung einer Tonbandaufzeichnung einer Rede Gyurcsanys voraus. Der Regierungschef hatte im Mai in einer geschlossenen Sitzung der Fraktion seiner Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP) unter anderen gesagt: "Offensichtlich haben wir in den letzten anderthalb bis zwei Jahren nur gelogen und nichts getan."

Nach den Parlamentswahlen im April, bei denen die sozialistisch- liberale Koalitionsregierung bestätigt wurde, kritisierte Gyurcsany in der Fraktionssitzung in zum Teil drastischen Worten die unter der seit 2002 amtierenden und von ihm seit 2004 geführten Regierung ausgebliebenen Reformen. "Wir haben kaum eine andere Wahl", sagte er. "Deshalb, weil wir es versaut haben. ... Und in den vier Jahren haben wir übrigens nichts getan. Ich kann keine Regierungsmaßnahme nennen, auf die wir stolz sein könnten."

Im Juni hatte Gyurcsany ein Sparprogramm zur Eindämmung des Haushaltsdefizits, im Sommer Schritte zur Reform des Hochschulunterrichts und des Gesundheitswesens verkündet. In mehreren Fernsehinterviews unterstrich der Regierungschef, dass er wegen der von Unbekannten an die Medien geleiteten Rede im Mai nicht zurückzutreten gedenke. (APA/red)