Nur die Starken überleben - Pilze
gegen Pilze: Das ist Brutalität pur

Wirkung von biologischem Kampfstoff untersucht

Die Art und Weise, wie sich ein bestimmter Schimmelpilz gegen seine Verwandten durchsetzt, haben Wissenschafter der Technischen Universität (TU) Wien geklärt. "Der Pilz Trichoderma atroviride, der schon jetzt als biologisches Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird, produziert einen Stoff, der so genannten Killertoxinen von Hefepilzen sehr ähnlich ist", erklärte Projektassistentin Verena Seidl gegenüber der APA.

Als Killertoxine verstehen Forscher eigentlich Stoffe, die Hefepilze effektiv als chemische Kampfstoffe gegen andere Pilze einsetzen. So kann etwa eine unscheinbare, vor sich hin gammelnde Frucht Schauplatz einer raffinierten chemischen Schlacht sein. Die Stoffe sind dabei vielfältig, manche lösen die Chitin-Hülle des Gegners auf, andere verhindern etwa seine Fortpflanzung.

Von Trichoderma wissen Praktiker seit langem, dass er sich vorzüglich als biologisches Pflanzenschutzmittel einsetzen lässt. Für Menschen dürfte der Pilz und seine Chemie harmlos sein. Andere Pilze, die für Menschen extrem gefährliche Stoffe produzieren, bekämpft er hingegen erfolgreich. Unter anderem wird Trichoderma gegen Pilze aus der Gruppe der Fusarien eingesetzt. Fusarien können extrem giftige Stoffe, so genannte Mykotoxine bilden. Auch in Gewächshäusern wird Trichoderma eingesetzt.

Seidl hat nun herausgefunden, dass Trichoderma für seine chemische Kriegsführung unter anderem einen Stoff einsetzt, der den von den Hefepilzen produzierten Killertoxinen sehr ähnlich ist. "Die Trichoderma-Killertoxine scheinen an die Zellwand von den Schädlingspilzen zu binden und diese für toxische Stoffe wie Antibiotika durchlässig zu machen, von denen schon länger bekannt ist, dass sie von Trichoderma produziert werden", erklärte Seidl.

Als nächstes Forschungsvorhaben will die Wissenschaft klären, welche Umweltbedingungen zur Produktion der Trichoderma-Killertoxine führen. Die Produktion der Stoffe ist nämlich nicht immer gleich, durch entsprechende Anpassung der Verhältnisse könnte Trichoderma gleichsam scharf gemacht werden.

Seidl hat ihre Forschungen im Rahmen eines EU-Projekts durchgeführt. Derzeit absolviert die Wissenschafterin im Rahmen eines Stipendiums einen Forschungsaufenthalt an der Universität Edinburgh (Schottland).

(apa/red)