Nur eine winzige Hand voll Leben: Großer Frühchen-Report - medizinische Fortschritte

NEWS berichtet: Rund 9.000 Frühgeburte pro Jahr Überlebenswille: Clara kam 16 Wochen zu früh

Immer und immer wieder wirbeln Andrea und Andreas Emberger ihre Tochter Clara durch die Luft. Die kann gar nicht genug bekommen und quietscht jedes Mal vor Vergnügen laut auf, wenn ihr Vater sie erneut in die Höhe hält. Noch vor wenigen Monaten war die ganz normale Familienidylle für die Sozialarbeiterin und den Techniker unvorstellbar. Denn damals, am 4. Jänner, setzten bei der mit Zwillingen schwangeren Wienerin unerwartet die Wehen ein – in der 24. Schwangerschaftswoche. 16 Wochen zu früh.

„Wir sind“, berichtet Andrea Emberger, 32, „sofort ins AKH gefahren, zwei Tage später sind die Kinder zur Welt gekommen.“ Der Grund für die Geburt, die erst am 27. April stattfinden hätte sollen: eine Infektion bei Claras Zwillingsbruder. Für den kleinen, viel zu schwachen Buben kam jede Hilfe zu spät, er starb sofort nach der Geburt. Clara hingegen war von der tödlichen Infektion verschont geblieben – und kämpfte um ihr 700 Gramm leichtes Leben.

In den ersten Wochen erlitt das Mädchen vier Infektionen, eine Hirnblutung sowie eine Thrombose. Hinzu kam eine komplizierte Operation, um ein verschlossenes Herzgefäß zu öffnen. Andreas Emberger: „Die Todesangst war allgegenwärtig. Jeden Morgen haben wir als Erstes in der Klinik angerufen und immer die gleiche Frage gestellt: Lebt unsere Clara noch?“

9.000 Frühgeborene pro Jahr. Nach sechs Wochen erhielten die Eltern die lang ersehnte Nachricht: Ihre Tochter war über den Berg, die Lebensgefahr war gebannt.
Ebenso wie Clara erblicken pro Jahr in Österreich etwa 9.000 Kinder zu früh das Licht der Welt. Rund 8.000 werden zwischen der 33. und der 37. Schwangerschaftswoche geboren. 800 Kinder kommen zwischen der 29. und der 32. Woche zur Welt, vor der 29. Woche werden 400 Kinder geboren. „Dank der modernen Medizin können heute Kinder überleben, die noch vor einigen Jahren keine Chance gehabt hätten“, so Angelika Berger von der Univ.- Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde am Wiener AKH. Die Medizinerin betreut teilweise Kinder, die in der 23. Schwangerschaftswoche geboren werden – und noch lange nicht bereit sind für diese Welt. „In dieser frühen Phase“, so Berger, „schaffen es nur 30 Prozent.“ Das Problematischste ist die unreife Lunge der Kinder. So wird den Neugeborenen, die mitunter die Größe der Hände eines Erwachsenen haben, gleich nach der Geburt ein Mittel zur Lungenreifung, ein Surfactant, verabreicht. Dennoch besteht die Gefahr schwerer Schädigungen von Hirn und Lunge.

"Enorme Fortschritte in der Frühchen-Medizin". - Lesen Sie das Interview mit der AKH-Expertin Angelika Berger im NEWS 39/09!