Nur 85 % unterstützen Gschwentner: Kein
Wunschergebnis bei SP-Parteitag in Tirol

Kritik an Bundespartei in Wien wird immer lauter Mangelnde Abgrenzung zu Tiroler VP vorgeworfen

Der Tiroler SPÖ-Vorsitzende, LHStv. Hannes Gschwentner (49) ist beim ordentlichen Landesparteitag in Rum bei Innsbruck mit 85 Prozent in seiner Funktion bestätigt worden. "Gewünscht" hatte sich Gschwentner ein Ergebnis "mit einem Neuner vorne".

Kritik gab es von Delegierten an der Zustimmung zum Koalitionspapier auf Bundesebene und an mangelnder Abgrenzung zur Landes-VP, mit der die SPÖ eine Koalition bildet. Gschwentner ist damit auch Spitzenkandidat für die voraussichtlich im Herbst 2008 stattfindende Landtagswahl. Von den 291 abgegebenen Stimmen entfielen 247 auf Gschwentner. 44 Delegierte strichen ihn. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses blieben einige der Delegierten demonstrativ sitzen. Er ist seit 2002 Chef der Tiroler SPÖ.

Gegenüber der APA führte Gschwentner das Ergebnis auf die Bundes-Koalition zurück. Es gebe immer noch "Magenkrämpfe", sagte der SP-Chef. Er habe aber gegenüber seiner letzten Wahl fünf Prozent dazu gewonnen.

In seinem Referat bezeichnete der Landesparteivorsitzende einen Machtwechsel wie in Salzburg oder der Steiermark als "möglich". "Wenn wir alle wollen, ich bin dazu bereit", sagte Gschwentner. Auf heftige Attacken etwa gegen den Koalitionspartner ÖVP oder Landeshauptmann Herwig van Staa verzichtete Gschwentner. Er wolle "mehr Zustimmung" bei der nächsten Landtagswahl, verlangte er. 25 Prozent seien nicht genug. Der Landeshauptmannwechsel bleibe "oberstes Ziel".

Eine klare Absage erteilte Gschwentner einer Koalition mit der FPÖ auf Landesebene. Solange die FPÖ keine andere Haltung etwa in der Ausländerfrage habe, sei eine Zusammenarbeit unmöglich.

Kritik mussten Gschwentner und die Organisatoren des Parteitages gleich zu Beginn hinnehmen. Vertreter der Jugend forderten ein Rederecht noch vor der Abstimmung über Vorstand, Vorsitzendem und Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Die Tagesordnung musste schließlich abgeändert werden.

Trost gab es von SP-Klubobmann Josef Cap, der Bundesparteivorsitzenden Alfred Gusenbauer vertrat. Er habe es in seiner Karriere auf insgesamt 1.000 Streichungen gebracht, "ich war echt beliebt bei den Delegierten". 100 Prozent Zustimmung wäre "ganz schlecht", weil man dann mit 98 Prozent das nächste Mal abgewählt sei. "Und 105 Prozent sind ganz peinlich", meinte Cap.

Cap ortete bei der Tiroler VP "Hektik und Nervosität". An die Wähler appellierte Cap, der VP nicht mehr die absolute Mehrheit zu geben.

(apa/red)