Nudelsieb auf Führerschein von

"Das Ganze ist nicht nur Spaß"

Nudelsieb-Foto macht Niko Alm berühmt - Internationale Medien wollen Interviews

Nudelsieb auf Führerschein - "Das Ganze ist nicht nur Spaß" © Bild: APA/Niko Alm

Alle wollen den Wiener Niko Alm: Sein Nudelsieb-Führerscheinfoto geht um die Welt, jetzt stehen sogar BBC, CNN, das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel", "Bild" und viele mehr an, um ein Interview mit Alm zu bekommen. Für den "Pastafari" selbst hat die Aktion auch einen ernsthaften Hintergrund: "Das Ganze ist nicht nur Spaß", sagte er in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Tatsächlich sieht er in den angeblichen Ausnahmen für Angehörige von Religionsgemeinschaften ein "kleines Privileg" für Kirchen in Österreich.

Alm, der auch Sprecher des Volksbegehrens gegen "Kirchenprivilegien" ist, war 2008 ein Folder des Verkehrsministeriums in die Hände gefallen, der Kopfbedeckungen auf Führerscheinfotos untersagte - außer für Angehörige von Religionsgemeinschaften. Also gab er sich als Anhänger der satirischen Religion des "Pastafarianismus" aus, ließ sich mit einem Nudelsieb auf dem Kopf ablichten und stellte einen Antrag auf einen Scheckkartenführerschein.

Die Behörden untersagten zuerst das Foto und schickten Alm stattdessen zum Amtsarzt, der ihm aber Fahrtüchtigkeit bestätigte. "Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Österreicher, denen ausdrücklich bescheinigt wurde, psychisch gesund zu sein."

Es folgte eine Vorladung zur Verkehrsbehörde, der Alm allerdings nicht nachkam. Genehmigt wurde der Führerschein - samt Nudelsieb auf dem Haupt - dann zwar schon im April 2009, Alm sei allerdings nie verständigt worden, sagte er. "Man war offenbar der Meinung, ich hätte eine Holschuld." Nachdem er von einem "Freund eines Bekannten eines Bekannten" erfahren hätte, dass das Dokument bereits seit langem ausgestellt sei, hielt Alm schließlich am Dienstag den neuen Scheckkarten-Schein samt ungewöhnlicher Kopfbedeckung in der Hand.

Boom auch auf Facebook
Mit dem internationalen Interesse an dem Führerschein hätte Alm allerdings nicht gerechnet. Internationale Medien belagern seitdem den Wiener, die Interviewanfragen aus aller Welt kann er laut eigener Aussage kaum mehr bewältigen: BBC, CNN, das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel", "Bild", "FAZ" und "Süddeutsche Zeitung" sind wenige von vielen Medien, die mit Alm sprechen wollen. Auch im sozialen Netzwerk Facebook entstand ein regelrechter Hype, etliche Benutzer setzten sich für ihr Profilbild ebenfalls ein Nudelsieb auf.

Alm: "Religion ist Privatsache"
Medienliebling Alm - selbst bekennender Atheist und ständig im Einsatz für die Trennung von Kirche und Staat - verwies allerdings auch auf den für ihn wichtigen Hintergrund der Aktion. Dass nämlich nach wie vor staatliche Ausnahmegenehmigungen für Religionsgemeinschaften gelten würden. "Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert und man könnte sich erwarten, dass die Republik Österreich nicht weitere Buckeleien vor der Kirche verrichtet. Wir wollen Laizität (Religionsmodelle mit einer strengen Trennung von Religion und Staat; Anm. der Red.) in diesem Land und wir sind der Meinung, dass Religion Privatsache ist."

Wiener will Kirchenvolksbegehren starten
Bekämpfen will Alm derartige "Privilegien" unter anderem mit dem Kirchenvolksbegehren, für das derzeit Unterstützungserklärungen gesammelt werden. Die notwendigen rund 8.000 Unterschriften werde man sicher erreichen, meint Alm. "Wir sind gut unterwegs." Aber auch an der weiteren Anerkennung des "Pastafarianismus" - dessen Anhänger huldigen dem "Fliegenden Spaghetti-Monster" - arbeite man. So will Alm die Spaß-Religion als eingetragene Bekenntnisgemeinschaft anmelden, danach als gesetzlich anerkannte Kirche - samt eigenen Kindergärten, Fakultäten auf Unis, Friedhöfen und rechtlichen Vorteilen: "Wenn jemand ein böses Wort über uns sagt, kann er strafrechtlich belangt werden."

Unterstützung erhält Alm unter anderem vom Kabarettisten und Wissenschafter ("Science Busters") Heinz Oberhummer. Satire sei "eine der wirksamsten Methoden" um gegen etablierte Religionen in der Öffentlichkeit anzukommen. Oberhummer kritisierte auch, dass etwa geplant sei, dass der Ethikunterricht für Konfessionsfreie auch von Religionslehrern abgehalten werden kann. Und auch die nun erhöhte Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags stört ihn: "Das heißt, dass wir alle zur Kasse gebeten werden, nur damit die reichsten Katholiken keine Steuern zahlen."

Kommentare

RobOtter

An Hand der Kommentare muss ich feststellen diesen Artikel keiner gelesen hat....

rams_at melden

Mit einem Wort ein Volltr**tel....!!!

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Re: Mit einem Wort Ah geh, der Mann hat wenigstens Humor.Unsere Art der Bürokratie gehört ja eh a bißl verarscht.

Und ich kann mir schon vorstellen, dass er einige Anhänger dazugewinnt, denn die Pastafaris glauben, dass ein Bier-Vulkan im Himmel auf sie wartet. Für einige sicher reizvoll;-))

armer Wichtigtuer weit sind wir gekommen! da setzt sich ein nobody einen Nudelsieb auf, beantragt mit diesem Bild einen Führerschein und pusht dann das Ganze furchtbar auf. Mann o Mann! Haben wir als Gesellschaft keine anderen Sorgen als einen solchen Schwachsinn? Gott sei Dank wird der Nudelsiebmann bald wieder in der Versenkung verschwunden sein, er wird seinen Enkeln von dieser Scharlatanerie noch erzählen und uns ist er damit auf die Nerven gegangen. Ach ja, da gibt es noch einen top! die grossen Medien wollen Interviews mit jemandem, der einen Nudelsieb auf dem Kopf hatte. Meine Güte - es ist wirklich Sommerzeit und wir haben über nichts anderes zu sprechen, als über Nudelsiebe auf Köpfen. :(

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